G 8/G 9: Beim Tempo gibt’s bald Wahlfreiheit - Verwirrung in Schulen

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Mehr Zeit bis zum Abitur: Die Eltern sollen künftig wählen können, ob ihre Kinder zwölf oder 13 Jahre lang zur Schule gehen. Unser Archivfoto entstand bei einer Abiturprüfung in einem Gymnasium in Frankfurt.

Kassel. Die Veränderungen in Sachen Abitur nach zwölf Jahren (G 8) oder nach 13 Jahren (G 9) überschlagen sich zurzeit im Hessischen Kultusministerium (HKM). Nicht alle Gesetzesentwürfe „betreffend der Stärkung der Wahlfreiheit zwischen G 8 und G 9“ sind eindeutig formuliert. Das führt in den Kasseler Gymnasien und bei Eltern zu Fragen.

Wie alle Schulen in Hessen können ab Herbst 2014 auch die Kasseler Gymnasien ihre Schüler ab der Klasse 5 wieder in neun statt in acht Jahren zum Abitur führen. Vorausgesetzt, die Eltern wünschen dies. Vor knapp einem Jahr hatte die Landesregierung den Weg für diese Option frei gemacht, nachdem die Kritik der Eltern an G8 nicht abriss.

Hessenweit hatten bereits im vergangenen Jahr 39 von 107 staatlichen Gymnasien sofort reagiert und bereits ab dem Schuljahr 2013/14 das Turbo-Abitur über Bord geworfen. Die Kasseler Gymnasien hatten den aktuellen Jahrgang 5 noch einmal als G-8-Jahrgang aufgenommen. Sie benötigten mehr Zeit für die Vorbereitung auf die Veränderung, hieß es.

Jetzt besteht die Möglichkeit, dass diese Schüler, also die bestehenden fünften aber auch sechsten Gymnasialklassen - je nach Votum der Eltern - doch noch ein G-9-Abitur machen können. Eine entsprechende Gesetzesnovelle sieht dies bereits ab dem kommenden Schuljahr vor. Im Antrag heißt es: „Der Landtag bekennt sich zur Wahlfreiheit zwischen G 8 und G 9 an Gymnasien und kooperativen Gesamtschulen als Bestandteil eines vielfältigen Schulsystems.“ Nur so könne man den „unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten und individuellen Lernbedarfen“ der Schüler gerecht werden. Darüber hinaus schließt die schwarz-grüne Koalition sogar eine Rückkehr der siebten Gymnasialklassen zu G 9 nicht aus. Sie hat das HKM damit beauftragt zu prüfen, ob dies rechtlich und organisatorisch möglich ist.

Ludger Becklas

„Es ist noch völlig ungeklärt, wie die Umsetzung konkret passieren soll“, sagt der Schulleiter des Goethe-Gymnasiums, Ludger Becklas. Sorgen bereitet ihm die Formulierung betreffend der gewünschten gymnasialen Wahlfreiheit: „... sofern im Rahmen einer anonymisierten Elternbefragung ein einstimmiges Votum für G 9 erzielt oder ausreichend Stimmen für G 8 verzeichnet werden, um mindestens eine G-8-Klasse fortführen zu können.“ Keine Schule wisse, mit welcher Lehrerzuweisung sie rechnen könne, wenn beispielsweise eine Klasse für G-8-Schüler geöffnet werden müsse, weil dies der Elternwille sei.

Stefan Alsenz, der Leiter der Albert-Schweitzer-Schule, sagt: „Wir brauchen vernünftige Rahmenbedingungen für die Umsetzung und ausreichend Informationen, um die Eltern bald aufklären zu können.“

Drei Gymnasien mit Parallelangebot

Wilhelmsgymnasium, Engelsburg  und Lichtenberg-Schule bieten G 8 und G 9 an

Drei Gymnasien in Kassel bieten den neuen Fünftklässlern ab dem kommenden Schuljahr G 9 und G 8 parallel an. Die Schüler können sich nach der fünften und sechsten Klasse definitiv für oder gegen die verkürzte Abiturzeit entscheiden, nachdem vorab schon einmal eine Orientierung bekundet wurde. Es handelt sich um das Wilhelmsgymnasium, die katholische Engelsburg und das Landkreis-Gymnasium Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule.

Diese Möglichkeit der Beschulung musste von den staatlichen Schulen beim Kultusministerium beantragt werden. Genehmigt wurde dieses Parallelangebot in Hessen für insgesamt 15 Gymnasien. In das Genehmigungsverfahren eingebunden werden mussten die Schulgremien und der Schulträger.

Uwe Petersen, Schulleiter des Wilhelmsgymnasiums: "Für die Schüler besteht die Möglichkeit reinzuschnuppern, das fünfte und sechste Schuljahr machen alle gemeinsam." Danach wird entschieden. "Auf diese Weise können wir ein vernünftiges Oberstufenangebot machen, denn es gibt neben der Kritik an G 9 auch einen Bedarf an G 8", sagt Petersen.

Von Christina Hein

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