300.000 Reisende weniger

Tourismus-Einbruch: Wegen Corona nur halb so viele Besucher in Kassel

Wasserspiele am Mittwoch, 08.08.2018 im Bergpark Wilhelmshöhe: Im Bild: Das Wasser läuft die Teufelsbrücke runter (rechts hinten), Wasserfall. Besucher / Touristen schauen sich das Spektakel an. Wassermassen, Park, MHK, Brücke.
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Sie haben in der Saison 2020 gefehlt: Wegen Corona musste der sonst übliche Andrang bei den Wasserspielen im Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe - hier 2018 an der Teufelsbrücke - ausbleiben.

Nachdem der nordhessische Tourismus 2019 noch ein Rekordergebnis erzielte, folgte im Corona-Jahr 2020 ein beispielloser Einbruch der Branche. Besonders drastisch zeigte sich das in Kassel.

Kassel – Die Pandemiezeit mit geschlossenen Hotels, Reise- und Kontaktbeschränkungen hat der regionalen Tourismusbranche 2020 einen beispiellosen Einbruch beschert. Laut aktueller Landesstatistik kamen im Vorjahr 1,14 Millionen weniger Übernachtungsgäste nach Nordhessen – ein Rückgang um fast 45 Prozent.

Von den damit einhergehenden Einnahmeverlusten sind nach Angaben des Regionalmanagements nicht nur Beherbergungs- und Freizeitbetriebe, sondern auch viele nachgelagerte Branchen betroffen. Allein für die Stadt Kassel geht eine Studie davon aus, dass Touristen in normalen Jahren jeweils rund 275 Millionen Euro in örtlichen Läden und Lokalen ausgeben.

In Kassel fallen die Einbußen mit minus 53,4 Prozent besonders gravierend aus. Das entspricht rund 300.000 Reisenden weniger und liegt vor allem daran, dass große Tagungen und Kongresse seit Pandemiebeginn nicht möglich sind. Die Region rund um den Edersee verzeichnete hingegen nur ein Minus von 10 Prozent, weil sich dort der Trend zum Inlandsurlaub stützend bemerkbar machte.

In der Landesstatistik, die nur Hotels ab zehn Betten erfasst, werden kleinere Unterkünfte wie Pensionen und Airbnb-Quartiere allerdings gar nicht berücksichtigt. Solche Unterkünfte seien vor dem Pandemie-Hintergrund in Nordhessens Urlaubsgebieten deutlich stärker nachgefragt gewesen als größere Häuser, sagte Geschäftsführerin Ute Schulte vom Regionalmanagement Nordhessen.

Auf mehr Freizeitreisende hoffen für die nächsten Monate die Touristiker der Stadt Kassel, zumal viele große Tagungen und Messen in die weitere Zukunft verschoben sind. Wegen der noch immer geltenden Einschränkungen für Auslandsziele sei das Interesse an Kurz- und Städtereisen im Inland hoch, sagte Dirk Bohle, Bereichsleiter bei Kassel Marketing. „Wir glauben, dass die Nachfrage in diesem Bereich wieder zügig anzieht, wenn die Hotels wieder öffnen dürfen.“

Aufs Gesamtjahr 2021 gesehen rechne Kassel Marketing damit, dass rund 70 Prozent vom touristischen Umsatz des Jahres 2019 erwirtschaftet werden kann. In jenem Jahr vor der Pandemie sorgten Städtereisende, Kongressbesucher und Tagestouristen für insgesamt 696 Millionen Euro Umsatz in Kassel, hatte das Tourismus-Beratungsinstitut DWIF errechnet.

Im Landkreis Kassel fiel der touristische Einbruch 2020 moderater aus: Die Zahl der Übernachtungen ging um 37,6 Prozent zurück, es kamen rund 130.000 Gäste weniger. (Axel Schwarz)

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