Gruppierung veröffentlicht Rechtfertigung auf der linken Website „indymedia.org“

Bekennerschreiben zu Anschlag auf Ehrenmal in Kassel

Wurde kürzlich beschmiert: Das frisch sanierte Ehrenmal in der Kasseler Karlsaue.
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Wurde kürzlich beschmiert: Das frisch sanierte Ehrenmal in der Kasseler Karlsaue.

Kassel – „Wir haben das sogenannte „Ehrenmal“ im Kasseler Auepark angegriffen.“ Dieser Satz steht über einem Bekennerschreiben, das auf der dem linken Spektrum zugehörigen Website „indymedia.org“ kürzlich aufgetaucht ist.

In dem Schreiben bekennt sich eine Gruppe dazu, am Samstag, 19. September, in das frisch sanierte Ehrenmal an der Karlsaue eingedrungen zu sein. „Wir haben die Gedenktafeln der Mörder mit Gipsmasse, Kleber und Farbe angegriffen und unkenntlich gemacht.“

Darüber hinaus habe man die Nazi-Parole „Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen“ ausgebessert. Jetzt steht dort „Deutschland muss sterben, damit wir Leben können.“

Zu der Aktion habe man sich gezwungen gesehen, da die Stadt Kassel nicht nur eine Gedenkstätte für „Faschisten und Mörder“ aufrecht erhalte, sondern diese sogar noch renoviere. „Gerade vor dem Hintergrund des Erstarkens der neuen Rechten und ihrem verschwörungstheoretischen Beifang ist es um so wichtiger, der Geschichte zu gedenken. Es ist an uns, dafür Sorge zu tragen, dass sie sich niemals wiederholt.“

Unter anderem werde im Ehrenmal die Panzerdivision „Großdeutschland“ geehrt. Diese sei nachweislich an mehreren Kriegsverbrechen beteiligt gewesen. Sie habe zum Beispiel in Frankreich gezielt schwarze Kriegsgefangene getötet, und im ehemaligen Jugoslawien wahllos unschuldige Menschen massakriert. Viele Verbrechen, gerade aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, seien bis heute nicht dokumentiert und bekannt. „Es ist davon auszugehen, dass auf diesem Areal Menschen geehrt werden, die tausende Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben“, argumentiert die Gruppe.

Die Aktivisten schreiben auch, dass sie auf die Einsicht der Entscheidungsträger setzen. „Wir werden kein Gedenken an Mörder und Faschisten tolerieren. Sollte es keine angemessene Reaktion der Stadt geben, werden wir selbst für die komplette Entfernung der Tafeln Sorge tragen.“

Das Ehrenmal sei eine „heikle Sache“, sagt Dr. Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), die für die historische Anlage zuständig ist. Es handele sich um ein Ehrenmal für Gefallene, die gleichzeitig Opfer und Täter seien. Es würden aber auch Kompanien geehrt, die eindeutig als Täter zu werten seien.

In gewisser Weise habe er Verständnis für das Ansinnen der Gruppierung, sagt Eberle. Er ärgere sich aber sehr darüber, dass die Gruppe aktiv geworden ist, bevor das Ehrenmal überhaupt fertig saniert worden sei. Die MHK habe in Absprache mit der Stadt Kassel und dem Land Hessen nämlich Schilder vorbereiten lassen, die oben und unten am Ehrenmal angebracht werden sollen. Die Anlage solle nicht unkommentiert bleiben.

Er bedauert sehr, dass die Gruppe das Ehrenmal, das für 3,3 Millionen Euro saniert worden ist, beschädigt habe, ohne zuvor in den Dialog mit der MHK getreten zu sein. „Das ist so eine Art Selbstjustiz.“ Zudem gehe es auch um Steuergeld.

Nach Angaben der Polizei haben die unbekannten Aktivisten mit der Farbe und dem Gips in der Anlage einen Schaden von rund 30 000 Euro angerichtet. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Beamten gingen davon aus, dass das Bekennerschreiben auf der Seite „indymedia.org“ von den tatsächlichen Tätern stammt, so Polizeisprecher Matthias Mänz. Es gebe bislang aber keine konkreten Ermittlungsansätze.

Hinweise an die Polizei unter Tel. 05 61/910.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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