Kasseler Ahmed A. heute Zeuge im NSU-Prozess

Mord an Halit Yozgat: Bekiffter Zeuge sah Andreas T. mit Tüte

Opfer des NSU: Halit Yozgat wurde am 6. April 2006 in Kassel ermordet. Archivfoto:  nh

Kassel/München. Am Dienstagmittag wird im Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Helfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU vor dem Oberlandesgericht München ein Zeuge gehört, der Nahrung für die Verschwörungstheorie um den Ex-Verfassungsschützer Andreas T. aus Hofgeismar liefern könnte.

Andreas T. war nach dem Yozgat-Mord selbst unter Verdacht geraten und saß in Untersuchungshaft.

Auf seine Spur war die Kasseler Polizei erst durch den Zeugen Ahmed A. gekommen. Der heute 23-jährige Ahmed A. aus Kassel hielt sich am 6. April 2006 mit einem Freund in dem Internetcafe von Halit Yozgat auf, als dieser ermordet wurde. Als die Polizei damals am Tatort an der Holländischen Straße eintraf, wollten der 16-jährige Ahmed A. und sein Freund Erste Hilfe leisten. Doch für den 21-jährigen Halit Yozgat, der durch zwei Kopfschüsse mit einer Ceska getötet worden war, kam jede Hilfe zu spät.

Bei späterer Vernehmung

Nicht in der ersten, sondern erst in einer späteren Vernehmung soll Ahmed A. den Ermittlern mitgeteilt haben, dass vor dem Mord an Halit Yozgat auch ein Deutscher in dem Internetcafe anwesend war. Daraufhin untersuchten die Polizisten den Rechner, an dem dieser unbekannte Zeuge gesurft haben soll, und kamen auf die Spur von Andreas T.

In einer weiteren Vernehmung soll Ahmed A. dann gesagt haben, dass dieser Deutsche auch eine Plastiktüte mit einem schweren Gegenstand dabeigehabt habe. Nachdem der Mann den Rechner verlassen habe, habe er ein dumpfes Geräusch gehört.

Den Ermittlungen zufolge wurde Halit Yozgat mit einer Ceska erschossen, bei der eine übergestülpte Tüte die leeren Patronen aufgefangen haben soll. Apropos Tüte: Ahmed A. sagte nicht nur aus, dass er eine bei den Zeugen gesehen, sondern dass er zuvor auch eine Tüte Hasch geraucht habe. Er sei in dem Cafe bekifft gewesen.

Der Mord an Yozgat am 6. April 2006 war der letzte von neun tödlichen NSU-Attentaten auf Geschäftsmänner, die aus der Türkei und Griechenland stammten. Zschäpe, die als eine von fünf Angeklagten in München vor Gericht steht, ist als NSU-Mittäterin bei allen Anschlägen angeklagt.

Die Aussage von Ahmed A. ist für Dienstag, 13.15 Uhr, vorgesehen.

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