Drohne seit Herbst 2018 im Einsatz

DRK beklagt Behinderungen bei Einsätzen: „Menschen nehmen weniger Rücksicht“

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Hilfe von oben: (von links) Stephan Moritz, Leiter Rettungsdienst, und Wolfgang Weber, Leiter Drohnenstaffel, präsentieren die Drohne mit Wärmebildkamera. Seit September 2018 ist die Drohnenstaffel im Einsatz.DRK-Kreisgeschäftsführer

Fehlende Rettungsgassen, zugeparkte Rettungswagen, schimpfende Autofahrer, Schaulustige – Der DRK Kreisverband Kassel-Wolfhagen beklagt, dass Rettungskräfte oft behindert werden. 

Und das, obwohl bei ihren Einsätzen oft jede Minute zählt: Bei 40 Prozent der 24.000 Einsätze im Jahr 2018 habe es sich um einen Notfall gehandelt. 

Dieses Ergebnis einer Umfrage unter Mitarbeitern stellte der DRK Kreisverband Kassel-Wolfhagen nun vor. Weiterhin ging es um Hilfe von oben, dem Einsatz von Drohnen.

Fehlende Rettungsgassen

„Fast bei jeder Anfahrt werden die Rettungskräfte behindert“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Holger Gerhold-Toepsch. Überwiegend sei es sehr schwer für sie, in der Stadt durch den Berufsverkehr zu einem Einsatz zu kommen, weil hier selten rechtzeitig eine Rettungsgasse gebildet werde. Weiterhin werden vor Arztpraxen speziell ausgewiesene Parkplätze oder vor Krankenhäusern die Einfahrt für den Rettungswagen zugeparkt.

Holger Gerhold-Toepsch, DRK-Kreisgeschäftsführer.

Auch bei Baustellen sei es oft kritisch, sagt Stephan Moritz, Leiter des Rettungsdienstes, wenn auch der Rettungswagen versuche, betroffene Strecken zu umfahren. Verkehrsteilnehmer hätten es dennoch schwer, bei Blaulicht auszuweichen.

„Nicht immer geht es hier um Vorsatz“, sagt Gerhold-Toepsch. Mitunter sei es für Autofahrer auch schwer einzuschätzen, aus welcher Richtung ein Rettungswagen kommt. „Trotzdem gilt: Wer Blaulicht sieht und das Einsatzhorn hört, muss Platz machen.“

Gewalt gegenüber Rettungskräften nimmt zu

„Früher haben Menschen unsere Rettungskräfte eher aus Anteilnahme und Sorge um den Patienten angesprochen“, sagt Moritz. Heute würden Mitarbeiter während eines Notfalls gebeten, den Wagen umzuparken oder den Patienten schneller zu versorgen. Gewalt gegenüber Rettungskräften sei nicht allzu ausgeprägt, dennoch seien die Rücksichtnahme und die Distanz insgesamt geringer geworden. „Respekt fängt schon im Kleinen an.“

Schaulustige behindern die Einsatzkräfte

„Schaulustige behindern nicht nur Rettungskräfte“, sagt Gerhold-Toepsch. „Auch gegenüber Verletzten ist dieses Verhalten respektlos.“ Diese seien häufig hilflos und könnten sich nicht selbst gegen Gaffer wehren. Egal, ob freundliches Nachfragen oder Beschimpfen der Retter, jede Ablenkung geht zulasten der Notfallpatienten, darauf weißt das DRK hin. Für Schaulustige gebe es kein Verständnis, die Menschenrettung habe Vorrang, sagt Moritz.

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Seit September eine Drohne im Einsatz

Seit September 2018 verfügt der DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen über eine Drohnenstaffel. Sieben Mal sei sie seither im Einsatz gewesen, sagt Wolfgang Weber, Leiter der Drohnenstaffel. Zur Suche von vermissten Personen und zur sogenannten Lufterkundung, wie etwa beim Fund der Fliegerbombe in der Karlsaue Anfang Mai.

„Das Gelände musste in einem Radius von 700 Metern geräumt werden“, sagt Weber. Trotz der vielen Kräfte vor Ort, habe erst der Einsatz der Drohne die letzte Gewissheit gebracht, dass sich wirklich keine unbeteiligten Personen mehr auf dem Gelände aufhalten. „Die Drohne ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet und flog daher das Sperrgebiet ab.“

Die komme auch bei der Suche nach Vermissten zugute. „Durch den demografischen Wandel häufen sich die Einsätze, bei denen ältere und verwirrte Menschen vermisst werden“, sagt Weber. Vor allem nachts und bei Kälte zähle dann jede Minute. Die Drohne sei eine ideale Ergänzung, um die Suchmannschaften der Polizei und Rettungshunde zu unterstützen. „Bei Suchaktionen könnte unsere Drohnenstaffel viel öfter aktiv werden“, sagt Gerhold-Toepsch.

Hintergrund: Für Rettungsdienste gelten Sonderrechte im Verkehr

Der DRK Kreisverband Kassel-Wolfhagen weist auf die Sonderrechte nach den Paragrafen 35 und 38 StVO hin. Diese gelten für Rettungsdienste. Das bedeutet, Rettungsdienste dürfen mit ihrem jeweiligen Fahrzeug gegen die Regeln auf öffentlichen Straßen verstoßen. 

So dürfen Einsatzfahrzeuge etwa entgegen der Fahrtrichtung und auf Gehwegen fahren, Tempolimits überschreiten, das Rotlicht einer Ampel missachten oder im Halteverbot parken, heißt es – ganz ohne dass diese Vorgänge ihnen als Ordnungswidrigkeiten oder Verkehrsstraftaten zur Last gelegt werden. Im Wesentlichen bestimme die StVO in Paragraf 38 Absatz 1, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer Einsatzfahrzeuge, die mit Blaulicht oder Einsatzhorn unterwegs sind, unverzüglich Platz zu machen haben.

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