Landgericht: Eines der Opfer sagte im Prozess um die Schüsse auf der A  49 aus

Beleidigung Grund für Schießerei ?

Kassel. „Ich dachte ein Reifen wäre geplatzt“, sagte ein 23-jähriger Zeuge am Freitag vor der 6. Strafkammer des Landgerichts. Kurz darauf spürte er einen heftigen Schmerz in seiner linken Schulter. Mit Mühe konnte er den Wagen bremsen, Freunde brachten ihn in ein Krankenhaus. Aus der Schulter musste eine Kugel entfernt werden. Der Knall stammte nicht von einem geplatzten Reifen, sondern von einem Schuss, den der ebenfalls 23-jährige Angeklagte aus einem vorbeifahrenden Auto im August vergangenen Jahres abgegeben haben soll.

Vier Mal soll er aus einer Pistole auf den Mercedes geschossen haben, dabei war noch ein weiterer Insasse verletzt worden. Versuchten Mord wirft ihm die Staatsanwaltschaft deshalb vor.

Der Fahrer des Mercedes war mit Freunden auf einem Rap-Konzert in der Korbacher Diskothek „Plasa“ gewesen. Als sie nach Hause fahren wollten und bereits im Auto saßen, berichtete der später verletzte Mann am Freitag, sei sein Beifahrer plötzlich ausgestiegen und auf den Angeklagten zugegangen. Zurück im Auto habe er auf die Frage, was er denn draußen getan habe, geantwortet: „Der hat mich dumm angeguckt.“ Ähnlich hatte es der Beifahrer selbst am vorhergehenden Verhandlungstag als Zeuge geschildert. Der Angeklagte habe damals „provozierend“ geschaut.

Auf der Rückfahrt nach Kassel stellte der Mercedes-Fahrer fest, dass „ein anderes Auto hinter uns dicht auffuhr“. Als er an der Abfahrt Auestadion die Autobahn verließ, überholte ihn ein „dunkelblauer Wagen“. Dann fielen die vier Schüsse, von denen zwei trafen. Der Beifahrer, der vor der Diskothek in das Wortgefecht verwickelt gewesen war, blieb dabei unverletzt.

Der Angeklagte hatte gegenüber der Polizei, die ihn nach einer Telefonabhöraktion festnahm, eingeräumt, er habe die Schüsse abgegeben. Vor Gericht sagte der 23-Jährige bisher nur, dass er in der Korbacher Diskothek war und seine Sinne auf der Rückfahrt durch Alkohol und Drogen vernebelt gewesen seien.

Nach den Schüssen hatte ein 21-Jähriger, der ebenfalls als Zeuge geladen war, mit dem Angeklagten telefoniert. „Ich war’s“ soll der 23-Jährige gesagt haben. Als sein Freund ihn fragte, weshalb er geschossen habe, sei die Antwort gewesen: „Weil der Hurensohn mich angemacht hat.“ Der Prozess geht am Montag weiter. (pas)

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