GWG hatte kein Interesse

Belgische Siedlung in Kassel hat neuen Eigentümer: 76 Häuser sind verkauft

Neuer Eigentümer: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat die Belgische Siedlung verkauft. Über den Käufer und den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Siedlung soll aber deutlich mehr als 10 Millionen Euro gekostet haben. Foto:  Rampfel

Wehlheiden. Die Belgische Siedlung in Wehlheiden hat einen neuen Eigentümer. Mit notariell beurkundetem Kaufvertrag vom 30. November 2017 hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die Belgische Siedlung in Kassel verkauft.

Das teilte am Montag Bima-Sprecher Thorsten Grützner mit. Die 76 Einfamilienhäuser und 50 Garagen der Siedlung waren auf dem offenen Immobilienmarkt zum Kauf angeboten worden, nachdem die Stadt Kassel und die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt (GWG) an einem Erwerb kein Interesse gehabt haben.

„Mir war es ein persönliches Anliegen, noch in diesem Jahr Klarheit für die Mieterinnen und Mieter der Belgischen Siedlung zu schaffen“, sagt Dr. Jürgen Gehb, Sprecher des Vorstandes der Bima. Er freue sich über den Abschluss des Kaufvertrages.

Wer die 76 Häuser gekauft und was das Immobilienpaket gekostet hat, darüber gibt die Bima allerdings keine Auskunft. Über den Käufer und den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, so Gehb. Er sagt allerdings auch: „Der Erwerber beabsichtigt, die Siedlung dauerhaft im Bestand zu halten und behutsam zu sanieren. Dabei sollen gewachsene Siedlungs- und Bewohnerstrukturen erhalten werden.“

Jürgen Gehb

Auch auf den Erhalt der außergewöhnlichen, historisch gewachsenen Strukturen in der Belgischen Siedlung habe die Bima besonders geachtet und den Erwerber im Kaufvertrag dazu verpflichtet, über einen bestimmten Zeitraum auf Luxussanierungen und Eigenbedarfskündigungen zu verzichten sowie den jetzigen Mietern im Verkaufsfall ein Ankaufsrecht einzuräumen. „Diese Verpflichtungen, die über den gesetzlich normierten Mieterschutz hinausgehen, wurden auch als eigene Rechte der Mieter gegenüber dem Erwerber vereinbart“, so Gehb.

Die GWH ist es nicht

Der Mieterverein Belgische Siedlung hatte die GWH Wohnungsbaugesellschaft Hessen als neuen Eigentümer favorisiert. Dieser Wunsch ist nicht erfüllt worden. Es steht fest, dass die GWH, die sich an dem Bieterverfahren beteiligt hat, nicht das Rennen gemacht hat. „Wir haben die Siedlung nicht gekauft“, sagt GWH-Geschäftsführer Christian Wedler am Montag auf Anfrage.

Auch der Kasseler Investor Gotthard Fels hatte großes Interesse an der Siedlung. „Ich hätte sie gern gekauft, habe den Zuschlag aber nicht bekommen.“

Über den Kaufvertrag muss jetzt noch im Haushaltsausschuss des Bundestages beraten werden. Das ist immer dann der Fall, wenn Immobilien im Wert von mehr als 5 Millionen Euro verkauft werden sollen. Aus Insiderkreisen ist zu hören, dass der Käufer der Siedlung deutlich mehr als 10 Millionen Euro an die Bima bezahlt hat.

Auch die Mieter haben noch keine Ahnung, wer den Zuschlag bekommen hat. „Lassen wir uns überraschen“, sagt Reinhold Hoffmann, stellvertretender Vorsitzender des Mietervereins.

Eine ausführliche Multimedia-Reportage über die Entstehung der Belgischen Siedlung haben wir hier für Sie angefertigt.

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