Benzin gibt‘s nur maskiert

Tankstellen-Mitarbeiter haben trotz Maskenpflicht keine Angst vor Überfällen

Klaus Pannke und Stationsleiter Peter Büscher (von links) in der Albert-Beck-Tankstelle.
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Erkennen sich trotz Maskenpflicht: Kunde Klaus Pannke und Stationsleiter Peter Büscher (von links) von der Albert-Beck-Tankstelle.

Auch in Tankstellen gilt in Coronazeiten Maskenpflicht. Gerade dort sollten Kunden gut zu erkennen sein – zu groß ist die Gefahr vor einem Überfall. Wie gehen Tankstellen-Mitarbeiter mit der Situation um?

Kassel - Bevor Klaus Pannke die Albert-Beck-Tankstelle an der Harleshäuser Straße betritt, kramt er nach seinem Mund-Nasen-Schutz und zieht ihn tief ins Gesicht. Erst dann marschiert er in den Tankstellen-Shop, gibt an der Kasse ein paar Lottoscheine ab. Für die Mitarbeiter hinter der Plexiglasscheibe ist er gut zu erkennen, man kennt sich.

Allerdings: Aufgrund des Mund-Nasen-Schutzes sind immer mehr Kunden vermummt – vor allem in der kalten Jahreszeit, wenn auch Schal und Kapuze getragen werden. Sorgt das bei den Tankstellen-Mitarbeitern für ein mulmiges Gefühl?

Maskenpflicht in Tankstellen: Stationsleiter hat sich an Masken während Corona gewöhnt

„Nein“, sagt Albert-Beck-Stationsleiter Peter Büscher. „Mittlerweile haben wir uns an die Masken gewöhnt.“ Mehr Angst vor einem Überfall? Habe er nicht. Auch wenn es durch die Maskenpflicht schwieriger geworden sei, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. „Wenn dann aber doch mal ein Böser vor mir steht, dann haben wir gute Sicherheitsvorkehrungen, um ihn in die Flucht zu schlagen. Der wird sein blaues Wunder erleben“, erklärt der 62-Jährige.

Wer sich in Coronazeiten noch besser vermummen kann als ohnehin schon: Motorradfahrer. Früher habe Büscher darauf bestanden, dass diese beim Betreten des Tankstellen-Shops ihren Helm abnehmen. Auch das sei in Coronazeiten nicht mehr nötig. Allerdings: Motorradfahrer sollten zumindest ihr Visier öffnen.

Dass Büscher keine Angst vor einer zunehmenden Vermummung hat, zeigt auch, dass er gern mit seinen Kunden scherzt. „Wenn ich Stammkunden sehe, sage ich manchmal, dass ihre Maske nichts taugt, weil ich sie ja trotzdem noch erkannt habe“, sagt Büscher und lacht. Auch ausgefallene Mund-Nasen-Bedeckungen amüsieren ihn. „Da gibt es schon verrückte Dinger.“ Bei allem Spaß sei eines jedoch ganz wichtig: „Wir dürfen die Ernsthaftigkeit nicht aus den Augen verlieren. Ich habe lieber eine Maske im Gesicht als einen Zettel am Fuß“, erklärt Büscher und spielt damit auf die vielen Corona-Toten an.

Maskenpflicht in Tankstellen: Mitarbeiter wurde schon dreimal überfallen

Büschers Gelassenheit im Umgang mit dem Mund-Nasen-Schutz hat sich auch auf seinen Mitarbeiter Nico Battenberg übertragen. Auch wenn der zugibt: „Früher, als das mit den Masken noch nicht so üblich war, da habe ich schon einen kleinen Schreck bekommen.“

Mittlerweile habe aber auch er sich an die Vorschriften gewöhnt. „Jetzt macht es mir auch nichts mehr aus. Vielleicht auch deshalb, weil ich in meinem Leben schon dreimal überfallen wurde. Viel schreckt mich nicht mehr ab“, sagt er. Auch für Kunde Klaus Pannke ist das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes kein Problem: „Ich habe mich gern den Sicherheitsbestimmungen angepasst.“

Der 74-Jährige kommt fast täglich in die Tankstelle. Angst vor einem Überfall hat auch er nicht. „Nein, das entspricht nicht meiner Mentalität“, sagt er und verlässt den Shop. Draußen zieht er den Mund-Nasen-Schutz ab. Jetzt ist er wieder ganz unvermummt. (Von Pascal Spindler)

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