US-Sanktionen und politische Unruhen Grund

Super bei 1,50 Euro: Spritpreise in Kassel steigen auf Dreijahreshoch

An Kasseler Tankstellen bekommen Autofahrer derzeit einen Schrecken. Die Spritpreise sind so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr und liegen über dem Bundesdurchschnitt. Trotzdem gibt es Spartipps.

Die Benzinpreise haben ein Dreijahreshoch erreicht. In Kassel bewegen sich die Preise für einen Liter Super E10 zwischen 1,489 Euro und 1,519 Euro. Für einen Liter Diesel fallen zwischen 1,319 Euro und 1,349 Euro an. Damit liegen die Kasseler Preise über dem Bundesdurchschnitt der vergangenen Woche.

Der Preis für einen Liter Diesel stieg laut Automobilklub ADAC vergangene Woche im Bundesschnitt um einen Cent auf 1,297 Euro, der für einen Liter Super E10 um 0,1 Cent auf durchschnittlich 1,467 Euro. Damit ist der Benzinpreis so hoch wie zuletzt im Juli 2015.

Das Auf und Ab bei den Preisen für Kraftstoff hat verschiedene Ursachen. „Ein Faktor ist die Ferienzeit“, sagt Dirk Lassen-Beck, Geschäftsführer des Kasseler Kraftstoffhändlers Albert Beck GmbH. Zudem werde der Preis von geopolitischen Entwicklungen beeinflusst. So trieben die von US-Präsident Donald Trump verhängten Iran-Sanktionen den Ölpreis in die Höhe. Die USA streben mit ihren Strafmaßnahmen an, dass der Iran kein Öl mehr exportieren kann.

Auch ADAC-Pressesprecher Cornelius Blanke führt den Preisanstieg unter anderem auf politische Unruhen zurück. Zudem schlage sich der aktuelle Euro/Dollarwechselkurs nieder. Rohöl wird international in Dollar gehandelt, der deutsche Autofahrer bezahlt seinen Sprit in Euro. Sinkt der Euro im Wert, steigt der Preis für das Rohöl.

„Kein anderes Produkt schwankt im Preis mehrmals am Tag so stark wie Kraftstoff“, sagt Blanke. Das habe vor allem mit dem enormen Preiswettbewerb der Tankstellen zu tun. Dabei dürfen die Pächter nicht nach eigenem Ermessen an der Preistafel drehen. „Die Pächter beobachten die Preise der Konkurrenz und geben sie an die Zentralen weiter. Die entscheiden, ob der Preis angepasst wird“, erläutert Lassen-Beck. Die Reaktionsgeschwindigkeit auf dem Kraftstoffmarkt ist entsprechend schnell, besonders bei den großen Markengesellschaften.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Fragen und Antworten: So setzt sich der Benzinpreis zusammen

Kraftstoff in Deutschland ist so teurer wie seit drei Jahren nicht mehr. Laut ADAC beeinflussen Unsicherheiten am Rohölmarkt die Entwicklung. Dieser zeigte zuletzt starke Schwankungen. So ist der Preis für ein Barrel der Sorte Brent binnen zwölf Monaten um 40 Prozent gestiegen. Bezogen auf die vergangenen drei Monate gab er aber um zehn Prozent nach. Den Löwenanteil am Spritpreis bekommen aber nicht die Mineralölunternehmen oder die Tankstellenbetreiber, sondern der Staat.

Welche Faktoren beeinflussen den Kraftstoffpreis?

Als ein Indikator für steigende oder fallende Benzinpreise wird der Rohölpreis verwendet. Er wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, unter anderem durch die politische Situation. Beispielsweise wirken sich die US-Sanktionen gegen den Iran, die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea sowie die Krise auf der Krim auf den Rohölpreis aus. Zudem hat die unruhige politische Situation in Venezuela zu Produktionsausfällen geführt. Auch der Dollar-Effekt spielt eine Rolle. Da der Markt international ist, wird das Rohöl in Dollar gehandelt. Ist der Euro schwach, steigen bei uns die Spritpreise entsprechend.

Ein weiterer Faktor, der sich auf den Kraftstoffpreis auswirkt, sind die Kosten für die Aufbereitung des Rohöls in einer Raffinerie. Sie spaltet den Rohstoff bei bis zu 350 Grad in seine Bestandteile auf. So entstehen aus einer Tonne Rohöl etwa 200 Liter Benzin, 390 Liter Diesel und andere Produkte wie Bitumen oder Schweröl.

Am Ende beeinflusst den Kraftstoffpreis dann noch der Wettbewerb der Tankstellenbetreiber vor Ort.

Wie viel verdient der Staat am Kraftstoff?

Auf jeden Liter Benzin zahlt der Autofahrer eine feste Energiesteuer (früher „Mineralölsteuer“) von 65,45 Cent, bei Diesel sind es 47,07 Cent pro Liter. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die nicht nur auf die eigentlichen Kraftstoffkosten entfällt, sondern auch auf die Energiesteuer. Außerdem kommt der sogenannte Erdölbevorratungsbeitrag hinzu: Deutschland verfügt für den Fall eines totalen Versorgungseinbruchs über Erdölvorräte für etwa drei Monate. Die Kosten dafür sind im Spritpreis enthalten. Am Ende macht der Warenwert nur einen Bruchteil des eigentlichen Verkaufspreises an der Zapfsäule aus.

Wie können Verbraucher beim Tanken sparen?

Cornelius Blanke, Pressesprecher des Automobilklubs ADAC, empfiehlt, bei den kostengünstigeren freien Tankstellen zu tanken. Der Kraftstoff habe die gleiche Qualität wie der der großen Ketten. Zudem rät er Autoreisenden, beim Tanken die regelmäßigen Schwankungen der Spritpreise im Tagesverlauf zu beachten.

Laut Auswertung des ADAC liegen die besten Zeiten zwischen 15 und 17 Uhr sowie 19 und 22 Uhr. Unterstützung bei der Suche nach dem günstigsten Anbieter geben Smartphone-Apps wie etwa die App „ADAC Spritpreise“.

Rubriklistenbild: © Arno Burgi/Archiv/dpa-avis

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