Lotsen-Projekt an der Universität Kassel unterstützt Erstsemester aus nicht akademischen Familien

Lotsenprojekt: Gut beraten in das Studium

Von Mittagessen bis Studienplanung: Studienlotse Lars Enners mit den beiden Studienanfängerinnen Patrycja Szyga (links) und Alexandra Putivcev, denen er in den ersten beiden Semestern mit Tipps zur Studienorganisation zur Seite stehen wird. Fotos:  Rudolph

Kassel. Für Erstsemester ist das Eintauchen in den Uni-Alltag verwirrend: Angefangen von der Orientierung auf dem Campus bis zur Frage, welche Vorlesungen und Seminare eigentlich wichtig sind.

Für Studienanfänger, in deren Umfeld es keine Akademiker gibt, ist das erste Semester meist besonders schwer zu bewältigen, weil sie nicht auf Erfahrungen ihrer Eltern oder Geschwister zurückgreifen können. Dafür stehen ihnen an der Uni Kassel künftig Studienlotsen zur Verfügung.

„Alles ist neu“, sagt Patrycja Szyga aus Rotenburg, die gerade ihr Wirtschaftspädagogik-Studium in Kassel angetreten hat. „Da habe ich schon Angst gehabt, etwas Wichtiges zu verpassen oder Fehler zu machen.“ Die 21-Jährige ist im Alter von sechs Jahren mit ihrer Familie aus Polen nach Deutschland gekommen, spricht perfekt Deutsch und hat das Fachabitur in der Tasche. Ihre Eltern sind beide bei Autozulieferbetrieben in der Produktion tätig. Bei Fragen zum Studium können sie nicht weiterhelfen.

Das hat Lars Enners übernommen. Er ist einer der 30 ehrenamtlichen Studienlotsen und wird Patrycja helfen, die ersten Klippen an der Uni zu umschiffen. Als Wirtschaftspädagoge im fünften Semester kann er hilfreiche Tipps bei der Zusammenstellung des Stundenplans geben.

„Wir haben noch mal ein bisschen umgewürfelt“, sagt Patrycja Szyga und grinst ihren Ratgeber an. „Es ist schon gut, wenn man darauf achtet, dass am Semesterende nicht gleich drei Klausuren in einer Woche liegen“, sagt der 36-Jährige, der auch als Tutor am Fachbereich Wirtschaftspädagogik arbeitet.

„In einem meiner Tutorien habe ich mitbekommen, dass vier Leute das Studium geschmissen haben, obwohl sie das Zeug dazu gehabt hätten“, sagt Lars Enners. „Sie sind mit dem komplexen System Uni einfach nicht klargekommen.“ Deshalb engagiere er sich jetzt als Studienlotse.

Einmal in der Woche trifft sich Lars Enners zunächst mit seinen beiden „Erstis“ – neben Patrycja Szyga ist er auch Lotse für die 19-jährige Alexandra Putivcev aus Hann. Münden, die ebenfalls gerade ihr Wirtschaftspädagogik-Studium aufgenommen hat. Nach der betreuungsintensiven Anfangszeit wird er seinen Schützlingen einmal im Monat und immer bei Bedarf zur Verfügung stehen.

„Kapitän des Schiffs bleiben die Studienanfänger – wenn keine Untiefen da sind, schippern sie selbstbestimmt weiter“, erklärt Koordinatorin Monika Hülskemper vom Service-Center Lehre der Hochschule das Lotsen-Konzept. Zwei Semester lang soll die Partnerschaft bestehen bleiben. So könne sie eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Studienanfänger und dem Lotsen bilden, der für seine Aufgabe eine mehrtägige Schulung bekommen habe. Durch diese einerseits persönliche, andererseits professionelle Beziehung müssten die Erstsemester auch keine Hemmungen haben, die Hilfe der Lotsen in Anspruch zu nehmen.

Im nächsten Wintersemester soll das Projekt in die zweite Runde gehen.

Kontakt: Monika Hülskemper, Tel. 0561/804 37 72, E-Mail: m.huelskemper@uni-kassel.de www.uni-kassel.de/go/sms

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