Sie helfen Blinden im Studium

Im Bereich Studium und Behinderung werden Texte für Sehbehinderte aufbereitet

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Bei der Arbeit: Kathrin Wolff und Martin Falge bereiten Studienunterlagen für Blinde und Sehbehinderte auf.

Kassel. Für die Prüfungsvorbereitung sind sie extrem wichtig: Lernmaterialien, die Dozenten ihren Studenten zur Verfügung stellen. In den Texten können Studenten – je nach Wichtigkeit – lesend hin- und herspringen, sich besonders auf eine Grafik konzentrieren oder nur Ausschnitte eines Kapitels betrachten.

Sehbehinderten und Blinden ist das oft nicht problemlos möglich. Das will der Bereich Studium und Behinderung der Uni Kassel nun ändern.

Richtiges Format wichtig

Um sich Texte vorlesen zu lassen, verwenden Blinde sogenannte Screanreader. „Wenn man nur eine Stelle braucht, muss man sich dennoch den ganzen Text vorlesen lassen“, beschreibt Martin Falge das Problem, wenn die Text nicht richtig formatiert sind. Er ist Mitarbeiter der Uni im Bereich Studium mit Behinderung. Auch zweispaltigen Text erkennt der Screanreader nicht. Er liest einfach von links nach rechts vor.

Falge und die studentische Hilfskraft Kathrin Wolff bereiten die Texte nun so auf, das auch für Blinde ein Navigieren im Text möglich wird.

Im Idealfall habe die beiden ein Word-Dokument, das sie bearbeiten können. Darin müssen die einzelnen Textkörper gekennzeichnet werden. Ziel dabei ist es, dass das Programm hinterher beispielsweise die Überschrift vom Fließtext unterscheiden kann. Für Grafiken hinterlegen Falge und Wolff Erläuterungen. Ist das Dokument einmal fertig, können die Nutzer vom Inhaltsverzeichnis in ein bestimmtes Kapitel navigieren. Für den Screanreader sei es auch möglich, PDF-Dokumente aufzuarbeiten, sagt Falge. Natürlich können die Studenten Wünsche äußern.

Doch mit dem neuen Projekt soll nicht nur Blinden geholfen werden. Auch für Sehbehinderte werden die Texte bearbeitet. „Dafür benötigt man ein Word-Dokument“, sagt Falge. Hat eine Schrift beispielsweise Serifen – kleine Striche am Ende eines Buchstabens – wird sie geändert in eine Schrift ohne Schnörkel. Auch der Kontrast wird erhöht. „Ist etwas gelb im Text unterstrichen, nehmen wir eine Farbe, die sich mehr abhebt.“

An der Unibibliothek ist es Blinden und Sehbehinderte bereits möglich, Texte aufarbeiten zu lassen. „Das Angebot bezieht sich mehr auf Bücher“, sagt Falge. Im Bereich Studium und Behinderung der Universität bereiten sie auch Prüfungsordnungen und Modulhandbücher für Blinde und sehbehinderte Studenten auf. (sas)

Wer seine Unterlagen aufbereitet haben möchte, meldet sich im Bereich Studium und Behinderung, Arnold-Bode Straße 10, Raum 0102.

Von Lara Sasse

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