Wissenschaftler arbeiten an Studie zur Nachhaltigkeit in der historischen Anlage

Bergpark unter der Lupe

Herkules, Schloss Wilhelmshöhe und Löwenburg (von links): Wissenschaftler der Universität Kassel arbeiten Vorschläge aus, wie die historische Anlage zu einem Park der Nachhaltigkeit entwickelt werden kann. Fotos:  Fischer, Herzog (2), Rudolph (2)

Kassel. Wie kann man den Bergpark Wilhelmshöhe dauerhaft erhalten? Wie kann er bewirtschaftet werden, ohne die Umwelt und das Budget zu stark zu belasten? Das sind Fragen, mit denen sich Wissenschaftler der Universität Kassel beschäftigen.

Unter der Federführung von Prof. Wigbert Riehl vom Fachgebiet Landschaftsarchitektur im Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung (ASL) sollen sie im Auftrag des Landes Hessen bis zum Frühjahr 2013 eine Studie erstellen, wie das historische Ensemble als Park der Nachhaltigkeit entwickelt werden kann. Die Kosten von 180 000 Euro trägt zur Hälfte das Land, zur Hälfte die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) mithilfe von Sponsoren. Die Städtischen Werke haben ihre Beteiligung schon zugesagt.

Unter anderem geht es um die Energieversorgung der Einrichtungen im Bergpark. Dabei soll der Einsatz erneuerbarer Energien geprüft werden. Dass das Schloss Wilhelmshöhe mit Fotovoltaikmodulen zugepflastert wird, sei natürlich nicht denkbar, sagt Prof. Claus Anderhalten (Fachgebiet Umweltbewusstes Planen). „Aber im Glücksfall hat man auf der dem Publikum abgewandten B-Seite eines Gebäudes eine nach Süden geneigte Dachfläche.“ Solche Gebäude könnten ihre Energie aus der Kraft der Sonne beziehen.

Elektromotoren für Gärtner

Das soll etwa beim neuen, von Anderhalten entworfenen Gartenbetriebshof der Fall sein, der an der Ochsenallee entsteht. Statt auf Verbrennungsmotoren will man bei den Traktoren, Rasenmähern und Fahrzeugen der Bergpark-Gärtner künftig auf Elektromobilität setzen. Die Akkus der Geräte können dann über Fotovoltaik aufgeladen werden.

Gedanken macht sich das interdisziplinäre Forscherteam auch um den Grünabfall des weitläufigen Parks. Statt Gehölze, Rasenmahd und Unkraut weit weg zu transportieren, könnte – etwa zusammen mit dem Umwelt- und Gartenamt der Stadt – eine neuartige Biogasanlage zum Einsatz kommen, die Prof. Michael Wachendorf vom Fachgebiet Grünlandwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe in Witzenhausen entwickelt hat. „Das ist eine Anlage, die alles frisst und nicht so empfindlich ist wie die Hightech-Anlagen, die kollabieren, sobald man ein Stück Holz hineinwirft“, berichtet Projektleiter Riehl.

Die Architekten im Team werden die Gebäude im Bergpark und ihre Nutzung unter die Lupe nehmen. Welche sollten dem Publikum lieber verschlossen bleiben, um sie nicht zu schädigen? Welche muss man ertüchtigen, um sie für Besucher zugänglich zu machen? Wie weit kann energetische Sanierung bei denkmalgeschützten Gebäuden überhaupt gehen, ohne zu stark in die historische Bausubstanz einzugreifen?

Auch zur Frage der Parknutzung, etwa für Open-Air-Konzerte, wird das Kasseler Forscherteam eine Empfehlung geben. Noch sei man am Anfang der Arbeit, betonen die Wissenschaftler. Grundsätzlich sei der beste Denkmalschutz aber die Nutzung einer Landschaft, sagt Anderhalten. „Wenn man eine Käseglocke drüberstülpt, hat keiner etwas davon.“

Von Katja Rudolph

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.