Das Herrscherideal im Habichtswald

Weltkulturerbe in Kassel: Über allem thront Herkules

Die Herkules-Statue hat Kassel fest im Blick
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Blickt seit über 300 Jahren auf Kassel herab: Der Herkules gehört zum Weltkulturerbe im Bergpark Wilhelmshöhe.

Der Bergpark Wilhelmshöhe liegt am westlichen Stadtrand Kassels. Massenhaft Besucher strömen hierher, um die Herkules-Statue und anderen Bauwerke zu bestaunen.

  • Der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel ist das 38. UNESCO-Weltkulturerbe Deutschlands.
  • An seiner Spitze thront das Herrscherideal schlechthin: der vor Kraft strotzende Herkules.
  • Die historischen Bauwerke und Wasserspiele sorgen für eine regelrechte Besucherflut.

Kassel – Die kreisfreie Stadt im Norden Hessens hat mehr als 200.000 Einwohner und ist damit nach Frankfurt am Main und Wiesbaden die drittgrößte Stadt des Bundeslandes. Wahrzeichen von Kassel und liebste Sehenswürdigkeit zahlreicher Touristen ist die Herkules-Statue, die mitten im Bergpark Wilhelmshöhe auf der Spitze des 526 Meter hohen Karlsbergs thront.

Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel als Weltkulturerbe

Der Bergpark Wilhelmshöhe liegt westlich von Kassel und misst 2,4 Quadratkilometer. Aufgrund dieser gewaltigen Fläche, die der Größe von 350 Fußballplätzen entspricht, gilt er als größter Bergpark ganz Europas. Seit dem 23. Juni 2013 zählt er zudem zum UNESCO-Weltkulturerbe – als 38. Denkmal in ganz Deutschland. Grund hierfür sind auch die zahlreichen Monumente, die Teil des Parks sind. In Scharen strömen die Touristen nach Kassel, um den Park mitsamt Herkules, Schloss und Ruine zu besichtigen. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass der Bergpark Wilhelmshöhe laut Deutscher Zentrale für Tourismus zu den Top-100-Sehenswürdigkeiten des Landes gehört.

Eingerahmt wird der Bergpark Wilhelmshöhe heute vom Hohen Habichtswald und dem Kasseler Stadtteil Bad Wilhelmshöhe. Einst lag er etwa fünf Kilometer außerhalb der Stadt, doch das Bevölkerungswachstum ließ die Kasseler Stadtgrenze immer weiter an den Park heranrücken. Dort, wo heute das Schloss Wilhelmshöhe als Bindeglied zwischen Park und Stadt fungiert, stand bis Anfang des 16. Jahrhunderts das Frauenkloster Weißenstein. Unter Landgraf Moritz von Hessen-Kassel wurde an dieser Stelle schließlich das Jagdschloss Weißenstein erbaut, das 1786 allerdings abgerissen und als Schloss Wilhelmshöhe im klassizistischen Stil neu errichtet wurde.

Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel: Baugeschichte

Die Anfänge des Bergparks Wilhelmshöhe liegen im 17. Jahrhundert. 1696 ließen ihn die Kurfürsten und Landgrafen Kassels anlegen. Danach folgten 150 Jahre der Erweiterung: Die 250 Meter lange Kaskadenanlage, die vom Herkules bis zum Neptunbecken führt, sollte ursprünglich bis zum Schloss Weißenstein reichen. Am 3. Juni 1714 fanden hier die ersten Kasseler Wasserspiele statt. Einige Teiche wurden hierzu angelegt, darunter der östliche Schlossteich Lac mit preisgekrönter Roseninsel und Flora-Statue sowie der Fontänenteich, der Höllenteich mit Teufelsbrücke sowie der Bergsee Asch. Das Element Wasser wird außerdem am Aquädukt, am Steinhöfer Wasserfall und am Neuen Wasserfall in Szene gesetzt.

So bildete sich mit der Zeit die Parkanlage, die wir heute kennen. Geprägt ist diese von der Gartenkunst des Barock. Ähnlich wie die italienischen Gärten dieser Zeit ist der Park am Berghang gelegen, er erstreckt sich jedoch über ein deutlich größeres Areal und geht am Fuße des Berges in einen Englischen Landschaftsgarten über. Die strenge Gartengestaltung mit geraden Achsen wurde mit der Zeit durch eine natürliche, beinahe verspielte Wegführung mit vielen Aussichtspunkten abgelöst.

Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel – Wikipedia-Facts:

  • Der Park ist seit 2009 Teil des European Garden Heritage Networks.
  • Betreut wird er seit 2006 von der MHK, der Museumslandschaft Hessen Kassel.
  • Ab 1806 diente das Schloss als Regierungssitz des neuen Königsreichs Westphalen (Umbenennung in Schloss Napoleonshöhe)
  • Das Schloss wurde 1870 als Staatsgefängnis genutzt. Napoleon III. war hier inhaftiert.
  • Paul von Hindenburg organisierte von hier aus den Rückzug der deutschen Truppen nach dem Ersten Weltkrieg.
  • Am Blauen See im Habichtswald liegt die Künstler-Nekropole, wo sich zeitgenössische Kreative ihr eigenes Grabmal schaffen.

Bergpark Wilhelmshöhe: Herkules – Öffnungszeiten und Co.

Das Oktogon, der achteckige Sockel, auf dem heute die Kupfer-Nachbildung des antiken Hercules Farnese steht, wurde im Jahr 1701 erbaut. Danach folgte die Dachpyramide. Der 8,3 Meter große Herkules kam als Krönung des 71 Meter hohen Gebildes erst 1717 hinzu. Eigentlich wollte man diesen auf dem Hüttenberg, der rund 400 Meter in süd-östlicher Richtung liegt, errichten. Die Bauarbeiten wurden jedoch abgebrochen und zum Karlsberg verlagert. Beim Kleinen Herkules finden sich heute noch Fundamentreste.

Auf dem Karlsberg thront der Herkules, der Kraft, Mut und Klugheit verkörpert, nun auf 515 Metern Höhe über dem Bergpark Wilhelmshöhe. Von einer Besucherplattform aus können Spaziergänger einen herrlichen Blick über die prächtige Parkanlage und die Stadt Kassel werfen. Geöffnet ist die Belvedere von Anfang April bis Ende Oktober jeden Tag außer montags von 10 bis 17 Uhr. Das Tagesticket Wilhelmshöhe umfasst die Besichtigung der Löwenburg, des Weißensteinflügels, des Schlosses und der Herkules-Statue im Sommer bzw. des Gewächshauses im Winter. Es kostet 6 Euro für Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche sowie Studierende der Uni Kassel ist der Eintritt kostenlos.

Bergpark Wilhelmshöhe – Wissenswertes zur Herkules-Statue:

  • Herkules wird mit zwei Insignien dargestellt: Die Keule half ihm beim Kampf gegen den Nemeischen Löwen (1. Tat). Die Äpfel raubte er den Hesperiden (11. Tat).
  • Die Statue zeigt den sich ausruhenden Herkules, der über seine Taten sinniert.
  • Der Karlsberg steht sinnbildlich für den Olymp. Herkules feiert auf diesem seine letzte siegreiche Gigantenschlacht. Der Riese Encelados liegt im Becken unter ihm begraben.
  • Unterhalb der Statue, also rund um das Oktogon und die Vexierwassergrotte, finden sich viele mythologische Figuren, wie der Meeresgott Triton und Eris, die Allegorie des Neides
  • Hier unten steht außerdem eine Drehorgel, die mit Hirtenmusik Besucher anlocken soll. Vexierwasserdüsen im Boden spritzen diese dann nass. Der Betrieb läuft heutzutage über einen Münzautomaten.

Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel: Das Element Wasser

Neben den bereits genannten Teichen und Wasserfällen zeigt sich das Element Wasser im Bergpark Wilhelmshöhe auch an anderen Stellen. Kleine Bachläufe und Bassins prägen das Bild des Parks. Sprudelnd und gurgelnd werden die Wanderer also auf ihrem Weg begleitet. Wasserbauwerke und Speicherbecken, wie das westlich gelegene Sichelbachbecken, halten den Wasserfluss am Laufen und helfen bei Bedarf dabei, große Mengen Wasser in das System zu speisen. Hierbei werden keinerlei Pumpen genutzt, nur das Berggefälle mit 238 Metern Höhenunterschied und manuell zu bedienende Schieber

Bergpark Wilhelmshöhe: Wann finden die Wasserspiele statt?

Besucher können den Wasserlauf von der Bergkuppe bis hinunter zum Schloss betrachten. Um alle Stationen der historischen Wasserkünste passieren und die eindrucksvolle Choreografie damit in Gänze bestaunen zu können, sollten Besucher mindestens eine Stunde und fünfzehn Minuten einplanen. Die Kasseler Wasserspiele finden von Anfang Mai bis Anfang Oktober an den hessischen Feiertagen und an jedem Mittwoch sowie Sonntag statt. Das Spektakel beginnt am Fuße der Herkules-Statue um 14:30 Uhr. Google Maps zeigt den genauen Startpunkt an.

Von Juni bis September können an jedem ersten Samstag im Monat zudem illuminierte Wasserkünste bestaunt werden. Die Startzeit richtet sich nach der jeweiligen Uhrzeit des Sonnenuntergangs. Der Eintritt ist frei. Insgesamt werden für jede Inszenierung 750 Kubikmeter Wasser genutzt. Diese Wassermassen fließen anschließend vom Schlossteich aus in die Drusel und dann in die Fulda. Aufgrund der Corona-Krise finden die Wasserspiele 2020 jedoch leider nicht statt. Auch das für dieses Jahr geplante BergparkLeuchten muss aufs nächste Jahr verschoben werden.

Bergpark Wilhelmshöhe – Stationen der Wasserspiele:

  • Vexierwassergrotte mit Wasserorgel und Artischockenbassin
  • Riesenkopfplateau und die Großen Kaskaden
  • Neptunbassin und Neptungrotte
  • Steinhöfer Wasserfall und Wasserfall an der Teufelsbrücke
  • Aquädukt und schließlich die Große Fontäne

Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel: Weitere Bauwerke

Neben dem Herkules und dem Schloss Wilhelmsburg, das heute die Gemäldegalerie Alte Meister beherbergt, gibt es im Bergpark Wilhelmsburg in Kassel noch einige weitere Bauwerke, die an dieser Stelle auf keinen Fall vernachlässigt werden sollten. Zu nennen ist hierbei vor allem die Löwenburg, die im südlichen Teil des Parks liegt. Die künstliche Ruine wurde 1793 bis 1800 erbaut und imitiert eine mittelalterliche Ritterburg mit angeschlossenem Labyrinth, Turnierplatz, Burggarten und Weinberg. Zugleich finden sich vor Ort zahlreiche Gewächshäuser, die zum Teil besichtigt werden können. Das Große Gewächshaus ist von Anfang November bis Ende März geöffnet.

In der Nähe des Kasseler Schlosses steht außerdem das Ballhaus, das einst als Hoftheater genutzt wurde, dann zum Ballsaal umfunktioniert wurde und heutzutage als Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche dient. Das Kaskadenaufseherhaus beim Herkules war, wie der Name bereits vermuten lässt, das Wohnhaus des Parkaufsehers. Nun findet sich hier ein Lokal, an dem die Parkbesucher Rast machen können. Weitere Bauwerke im Bergpark Wilhelmshöhe sind: 

  • Schlosshotel
  • Altes Stadiongebäude
  • Marstall
  • Kavaliershaus
  • Reithalle
  • Wachhaus
  • Alte Post
  • Remise
  • Eiskeller

Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel: Staffagebauten

Abseits der Sichtachse, die sich vom Herkules zum Schloss Wilhelmsburg zieht, gibt es im Bergpark Wilhelmshöhe außerdem einige Staffagebauten, wie etwa die Cestiuspyramide, das Grabmal des Vergil, die Eremitage des Sokrates, den Merkurtempel und die Plutogrotte. Hinzu kommt die zeitgenössische Chinoiserie Mou-lang, ein kleines chinesisches Dorf, das sich oberhalb des Schlossparks befand und heute nur noch aus Überresten besteht. 

Auch die vielen Skulpturen der griechischen Mythologie, die einst den Kasseler Park schmückten, gibt es nicht mehr. Stattdessen sind mit der Zeit neue Staffagebauten erbaut worden. Das Felseneck, die Halle des Sokrates und der Jussow-Tempel wurden im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert erbaut.

Bergpark Wilhelmshöhe: Events und Infrastruktur

Im Bergpark Wilhelmshöhe finden regelmäßig Veranstaltungen, wie Rekrutengelöbnisse der Bundeswehr, Kunstausstellungen und mittelalterliche Rollenspiele, statt. Im Winter können Besucher auf dem zugefrorenen Schlosspark Schlittschuh laufen oder den Schlosshang hinabrodeln. Alle zwei Jahre düsen historische Fahrzeuge durch den Park, um den Herkules Bergpreis zu ergattern. Außerdem wird jährlich der Herkules-Berglauf veranstaltet. Über all diese Events informieren auch die beiden Besucherzentren am Herkules und im alten Stadionsgebäude.

Die Anreise zu all den Veranstaltungen gestaltet sich dank einer guten Infrastruktur einfach: Am Bahnhof Kassel Wilhelmshöhe halten zahlreiche ICEs, Straßenbahnen und Busse der KVG verbinden die Kasseler Innenstadt mit dem Bergpark Wilhelmshöhe. Die S1 beispielsweise hält an der Station Wilhelmshöhe (Park) direkt unterhalb des Schlosses, während der Bergparkbus (Linie 23) durch das südliche Druseltal bis zum Herkules fährt. Parkplätze finden sich an den Besucherzentren, an der Löwenburg und bei der Kaskadenwirtschaft. Während der Wasserspiele verbindet außerdem ein MHK-Shuttlebus mehrere Parkteile miteinander. Neben einigen Straßen gibt es im Bergpark Wilhelmshöhe aber vor allem Spazier- und Wanderwege. Am Herkules-Denkmal führen folgende Routen vorbei:

  • Habichtswaldsteig
  • Herkulesweg
  • Kassel-Steig
  • Märchenlandweg
  • Studentenpfad

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