In der Karlsaue und im Bergpark

Blindgänger-Suche in Kassel: Schon einige Brandbomben gefunden

Bagger buddeln an verdächtigen Stellen: Die Suche nach Bomben Blindgängern in der Karlsaue geht derzeit in der Nähe des Hirschgrabens weiter. Foto:  Koch

Kassel. Seit vergangenem Jahr wird in der Karlsaue und im Bergpark Wilhelmshöhe systematisch nach nicht explodierten Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht.

In Auftrag gegeben hat das die Museumslandschaft Hessen-Kassel.

Bisher wurden dabei bereits einige Brandbomben sowie die Hülle einer detonierten Sprengbombe gefunden, erläutert der Leiter des Kampfmittelräumdienstes Hessen beim Regierungspräsidium Darmstadt, Gerhard Gossens: „Wir rechnen damit, dass wir auch Sprengbomben finden werden.“

Denn die Karlsaue sei von Bombentrichtern übersät gewesen, sagt der Experte. Alte Luftaufnahmen der Engländer zeugen von dem Bombenhagel, der vor allem beim Großangriff am 22. Oktober 1943 auf Kassel niederging. Deshalb muss noch heute im Stadtgebiet und auch im Bergpark Wilhelmshöhe mit gefährlichen Überbleibseln aus dem Krieg gerechnet werden. Nach dem Krieg wurden viele Bombentrichter unter anderem mit nicht gezündeten Brandbomben aufgefüllt, weiß Gossens: „Das hat man damals so gemacht.“

Solange sie dort abgedeckt liegen und nicht mit Sauerstoff in Kontakt kommen, gehe keine unmittelbare Gefahr von ihnen aus. Brenzlich wird es aber, auch wenn Brandbomben bei Erdarbeiten zufällig freigelegt werden. Denn in über 70 Jahren seien die ohnehin dünnen Metallhüllen brüchig geworden. Gossens: „Sobald sie angefasst werden, fangen sie an zu bröseln.“ Mit Phosphor gefüllt Bomben würden dann anfangen, zu brennen.

Da man beim Wiederaufbau nach dem Krieg nicht die Möglichkeit hatte, flächendeckend nach Bomben zu suchen, sind an vielen Stellen im Stadtgebiet noch Blindgänger unter der Erde verborgen. Aus Sicht von Fachleuten wird diese Altlast mit den Jahren immer gefährlicher, denn die Zünder könnten durchrosten und damit unkontrollierbar und schwer zu entschärfen sein.

Solange die Suche nicht abgeschlossen ist, wird beispielsweise die Karlswiese nicht für Großveranstaltungen freigegeben. So mussten die Fahrgeschäfte des Zissels und das HNA-Open-Air-Konzert in diesem Jahr ausweichen.

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