Arbeiten sollen drei Jahre dauern 

Schloss Wilhelmshöhe in Kassel wird für elf Millionen Euro saniert 

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Imposant und in die Jahre gekommen: Diesen Blick auf Schloss Wilhelmshöhe hat man vom Dach des Weißensteinflügels. Auch das muss komplett saniert werden.

Es ist ein weiterer Meilenstein bei den Sanierungsarbeiten im Bergpark Wilhelmshöhe. Nach dem Herkules (40 Millionen Euro) und der Löwenburg (30 Millionen) ist Schloss Wilhelmshöhe an der Reihe.

Elf Millionen Euro sind nach Angaben des Landes Hessen für die anstehenden Arbeiten am Weißensteinflügel und dem Verbinderbau zum Mitteltrakt des Schlosses veranschlagt.

Das Geld ist in erster Linie dafür vorgesehen, die Dachkonstruktion zu erneuern und die marode Fassade zu reparieren. Im Mauerwerk des Weißensteiflügels und des angrenzenden Verbindungsbau haben sich tiefe Risse gebildet. Das könnten Nachwirkungen der Bombentreffer aus dem Zweiten Weltkrieg sein.

Damals wurde der Mittelteil von Schloss Wilhelmshöhe mit dem historischen Kuppelbau nahezu vollständig zerstört. Nach dem Wiederaufbau ohne Kuppel gab es schließlich immer wieder Reparaturen.

Damit ist es jetzt nicht mehr getan. Die ersten sichtbaren Vorboten der Sanierung waren die Holzstützen, die den Torbogen in der Nähe des Weißensteinflügels sichern. Das ist nach Angaben von Norbert Arnold von der Abteilung Bauwesen der Museumslandschaft Hessen Kassel eine reine Vorsichtsmaßnahme. Direkt über dem Bogen wird während der Sanierung gearbeitet.

Stützen unter dem Torbogen: Im Mauerwerk haben sich Risse gebildet. Die Holzkonstruktion sichert diesen Torbogen des Schlosses.

Ende Februar soll ein großes Gerüst aufgebaut werden. Für die Besucher von Schloss Wilhelmshöhe mit der Antikensammlung und dem Weißensteinflügel ändert sich in den nächsten Wochen noch nichts.

Ab dem Frühjahr werden dann Ausstellungsräume, in denen unter anderem der Schreibtisch von Jérôme Bonaparte und das Bett des Kurfürsten Wilhelm II. zu sehen sind, gesperrt. Für die Sanierung des Daches, der großen Freitreppe und der Fassade sind drei Jahre veranschlagt. 

Ein Schloss mit Dachschaden 

Es ist der älteste Teil von Schloss Wilhelmshöhe, und mittlerweile sieht man das auch. Der Weißensteinflügel ist in die Jahre gekommen. Ehe man über die ebenfalls anstehende Sanierung der Innenräume nachdenken kann, muss erst einmal die äußere Hülle gesichert werden. „Wir fangen mit dem Dach an und sorgen dafür, dass durch die Fugen der Außenwände keine Feuchtigkeit mehr eindringt“, sagt Thomas Täschner vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen.

Zunächst einmal arbeiten sich die Bauleute an den Weißensteinflügel heran. Denn auch der Verbinderbau zum Mittelteil des Schlosses ist dringend sanierungsbedürftig. Hier kann man bereits eine erste Holzkonstruktion als Stütze für den Torbogen erkennen. 

Elf Millionen Euro hat das Land Hessen für die Sanierung eingeplant. Ende Februar soll dann ein großes Gerüst aufgebaut werden. Nach dem Start der Arbeiten im Frühjahr geht es dann Schritt für Schritt weiter zum Weißensteinflügel. Dieser Teil von Schloss Wilhelmshöhe beherbergte ursprünglich die repräsentativen Räumlichkeiten und privaten Gemächer der landgräflichen Familie. 

Heute befinden sich in dem Verbinderbau und dem Weißensteinflügel Ausstellungsräume. Dort kann man sich das fürstliche Badezimmer ebenso ansehen wie das erlesene Mobiliar. Hier steht auch der Schreibtisch, an dem Jérôme Bonaparte arbeitete. 

Edle Einrichtung: Über den Weißensteinflügel erreicht man auch dieses Zimmer mit dem Schreibtisch von Jérôme Bonaparte.

Der jüngere Bruder Napoléons regierte von 1807 bis 1813 von Kassel aus sein Königreich Westfalen. Erfahrung mit der Sanierung von Tuffstein haben die Bauleute sowohl am Herkules als auch an der Löwenburg reichlich gesammelt. Aktuell arbeitet man an einem Verfahren, um das poröse Baumaterial haltbarer zu machen. An der Rückseite des Weißensteinflügels gibt es eine Versuchsfläche.

Neben der Fassade müssen nach Angaben von Norbert Arnold (Bauabteilung MHK) auch 130 Fenster des repräsentativen Gebäudes erneuert und aufgearbeitet werden.

Schloss wurde 1945 schwer beschädigt 

International bekannt ist Schloss Wilhelmshöhe als Museum, das neben der Antikensammlung die Galerie Alte Meister präsentiert. Gebaut wurde es von 1786 bis 1798. Im Februar 1945 wurde das Schloss bei einem Angriff der britischen Luftwaffe schwer getroffen. Der Wiederaufbau ohne Kuppel begann 1961. Der Weißensteinflügel blieb weitgehend unversehrt. Er beherbergte von 1948 bis 1976 das Tapetenmuseum.

Service: Der Weißensteinflügel ist bis Ende Februar freitags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Eintritt 4/3 Euro, unter 18 Jahren frei.

Kaskaden bald wieder dicht 

Vier Millionen Euro für neue Steine und Fugen: 250 Meter sind die Kaskaden lang. Bei jedem Durchgang laufen 350 000 Liter Wasser über die Stufen und sorgen seit 300 Jahren für ein feuchtes Spektakel. Weil aber die Fugen undicht und die Steine schadhaft geworden sind, versickerte immer mehr Wasser im Untergrund. Deshalb werden die Kaskaden bis zur neuen Saison ab dem Frühjahr für vier Millionen Euro saniert. Zahlreiche Kräne am Rand des Wasserlaufs sorgten für eine ungewohnte Optik. Unser Foto entstand während der beleuchteten Wasserspiele.

Attraktion trotz Bauarbeiten: Die Kaskaden werden von Baukränen eingerahmt.

Neuer Turm für die Löwenburg 

30 Millionen Euro für Neubau und Sanierung: Es ist wahrscheinlich die spektakulärste Baustelle im Bergpark. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Hauptturm der Löwenburg wird mehr als sieben Jahrzehnte nach dem Bombentreffer rekonstruiert. Und weil das beliebteste Baumaterial zwischen Herkules und Schloss Wilhelmshöhe langsam knapp wird, bekommt die Löwenburg einen neuen Turm aus künstlichem Tuffstein. Die äußere Hülle ist bereits fast fertig, der Innenausbau dauert aber noch einige Jahre voraussichtlich bis 2022.

Die Gerüste links sind schon abgebaut: So sieht der rekonstruierte Turm der Löwenburg aus.

Endspurt am Herkules

40 Millionen Euro für das Wahrzeichen:

Noch mindestens bis zum Jahr 2021 werden die Arbeiten am Herkules fortgesetzt. Vom Kopf, der bereits vor zwölf Jahren abgenommen und restauriert wurde, über die Pyramide und der Besucherplattform bis zum wuchtigen Unterbau im riesigen Oktogon ist der Aufwand enorm. Zuletzt hat das Land Hessen als Bauherr noch einmal zehn Millionen Euro für die Ertüchtigung der gut 300 Jahre alten Tuffsteinkonstruktion nachgelegt. Die Gesamtkosten für Kassels Wahrzeichen klettern so auf 40 Millionen Euro. 

Bleibt noch drei Jahre Baustelle: Der Herkules mit dem aus Tuffstein gebauten Oktogon.

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