Im Bergpark Wilhelmshöhe

Die Kanzel wird entstaubt: So sieht es derzeit in der Kapelle der Kasseler Löwenburg aus

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Kapelle wurde für Putzarbeiten eingerüstet: Anne Harmssen (links), Leiterin der Restaurierungsabteilung der MHK, und Restauratorin Viola Bothmann im Gespräch.

Kassel. Die Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe wird derzeit für 30 Millionen Euro vom Land Hessen saniert. Wir haben uns die Arbeiten angesehen.

Wer kennt sie nicht, die Spinnweben, die sich hinter Bildern an der Wand verstecken und beim Frühjahrsputz zum Vorschein kommen. Die Spinnweben, die Viola Bothmann seit zwei Wochen entdeckt, sind besonders große Exemplare dieser Staubfänger. Viola Bothmann aus Göttingen ist nämlich Restauratorin und von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) damit beauftragt worden, die Schlosskapelle in der Löwenburg mal wieder gründlich zu putzen.

„Endlich wird die Kapelle vom Staub der Jahrzehnte befreit“, sagt Anne Harmssen, Leiterin der Restaurierungsabteilung der MHK, die die Reinigungsarbeiten koordiniert. Die Kapelle sei nämlich seit 40 Jahren nicht mehr grundgereinigt worden. Folge: Überall in den Ecken und an Stellen, an die man nicht rankam, hingen Spinnweben. Staubablagerungen müssen von kostbaren Objekten – Gemälden und Schnitzarbeiten, die teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammen – individuell, konservatorisch und pflegend gereinigt werden müssen.

Kleinere Gemälde, Kerzenständer und ein Kruzifix wurden aus der Kapelle geschafft und werden jetzt von der Restauratorin nebenan in einer Werkstatt mit Zahnbürsten, Staubsaugern und Pinseln gereinigt. Die Expertin muss Oberflächen aus Holz, Gold und Stein säubern. Größere Gemälde und festes Einrichtungsstücke wie die Kanzel und die Orgel bleiben in der Kapelle.

Für diese Arbeit benötigt man Geduld: Restauratorin Viola Bothmann entfernt mit einem Pinsel den Staub aus der Kanzel in der Burgkapelle. Die Reinigung der seidenen Bespannung der Kanzelbrüstung steht noch an.

Bevor die Restauratorin aus Göttingen mit ihrer Arbeit vor zwei Wochen beginnen konnte, hat eine Reinigungsfirma die gesamten Wände der Kapelle gesäubert. Auch diese Tätigkeit der Fachfirma sei diffizil und aufwendig gewesen, ebenso die Aufgaben der Gerüstbauer, die im Kirchenraum besondere Sicherheitsvorgaben zu beachten haben, um Altäre, Buntglasfenster und Möbel nicht zu gefährden, sagt MHK-Sprecherin Sabina Köhler. Diese Gegenstände werden vom Gerüst aus gereinigt. Für all diese Tätigkeiten und für einige Malerarbeiten für den Lichtschutz werden aus dem Budget der MHK etwa 17 000 Euro veranschlagt, so Köhler.

Warum ist die Kapelle nicht früher gereinigt worden? Die Löwenburg befinde sich erst seit dem Jahr 2006 im Verwaltungsbereich der MHK, sagt Anne Harmssen. Zunächst sei man davon ausgegangen, dass auch die Kapelle im Rahmen der Grundinstandsetzung der Löwenburg saniert wird. Seitdem aber feststehe, dass die Kapelle und die Rüstkammer von der Instandsetzung ausgenommen sind, habe man sich dafür entschieden, diese Räume und das Inventar zumindest zu reinigen.

Die Rüstkammer mit all ihren Rüstungen hat Restauratorin Viola Bothmann bereits vor zwei Jahren gereinigt.

Einem großen Mann muss Viola Bothmann auch in der Kapelle wieder zu neuem Glanz verhelfen. Auf dem schlafenden Ritter hat sich nämlich sehr viel Staub angesammelt.

Die Burgkapelle ist übrigens während der Reinigungsarbeiten geöffnet (Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr). Und Viola Bothmann beantwortet gerne Fragen der Besucher zu ihrer Arbeit.

Restauration der Burgkapelle der Löwenburg

Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © And reas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg
Restauration der Burgkapelle der Löwenburg © Andreas Fischer

Löwenburg als Burgruine gebaut

Zwischen 1793 und 1801 entstand die Löwenburg oberhalb des Schlosses Wilhelmshöhe als eine der ersten pseudomittelalterlichen Burgruinen Europas. Sie stellt ein wichtiges Einzelelement im Gesamtkunstwerk Bergpark Wilhelmshöhe dar.

Landgraf Wilhelm IX. (später Kurfürst Wilhelm I) beauftragte seinen Hofbaumeister Heinrich Christoph Jussow (1754–1825) mit dem Bau. Die Burg diente dem Landgrafen zum einen als Lustschloss, zum anderen sollte sie die historische Bedeutung des seit dem Mittelalter regierenden Hauses Hessen abbilden. Die Ausstattung der äußerlich einer verfallenen Ritterburg ähnelnden Anlage folgt im Inneren dem typischen Raumprogramm eines barocken Lust- und Landschlosses. Sie umfasst neben den fürstlichen Wohnappartements unter anderem eine Rüstkammer und eine neogotische Burgkapelle. In der Gruft unter der Kapelle fand der Burgherr auch seine letzte Ruhestätte.

Aufgrund von umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen ist die Löwenburg derzeit seitlich über den Marstall zugänglich. Es können nur die Rüstkammer und die Burgkapelle besichtigt werden, die nicht saniert werden.

30 Millionen Euro investiert das Land Hessen in die aktuelle Instandsetzung der Löwenburg. Der im Krieg zerstörte Hauptturm wird wieder aufgebaut. Der Rohbau hat schon fast die ursprüngliche Höhe von 25 Metern über dem Innenhof erreicht. Von hier hat man einen grandiosen Blick zum Herkules und zum Schloss Wilhelmshöhe.

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