Prozess gegen Kasseler Anwalt

Jetzt droht ihm Gefängnis: Staatsanwalt sieht Anschuldigungen gegen Hoppe bestätigt

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Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe für Dr. Bernd Hoppe: Nach Ansicht der Ermittlungsbehörde wurden die Anschuldigungen in der Beweisaufnahme bestätigt. Das Foto entstand am ersten Verhandlungstag am Montag.

Kassel. Zweiter Verhandlungstag im Prozess gegen Dr. Bernd Hoppe. Die Vorwürfe gegen den Anwalt aus Kassel: Untreue, Betrug, Gebührenüberhebung. Ein Blick auf jene, die an diesem Tag im Blickpunkt standen.

DIE ZEUGEN

Sechs Zeugen waren für diesen Prozesstag geladen. Dabei handelte es sich um zwei Ermittler, die bei den Durchsuchungen in Hoppes Kanzlei und seinem Haus im vergangenen Jahr im Einsatz waren; dazu machte ein Finanzermittler Angaben zu Hoppes Geldbewegungen.

Zuvor sagten drei weitere Zeugen aus, die angaben, von Hoppe geschädigt worden zu sein. Sie schilderten, wie sie sich dem Kasseler Rechtsanwalt anvertrauten – und welchen Ärger sie fortan hatten. Die Aussagen? Ähnelten sich. Hoppe soll Geld einbehalten haben – und dann kaum mehr zu erreichen gewesen sein. Das führte regelrecht zu psychischen Schmerzen der Zeugen: „Für uns war es schrecklich“, erzählte ein Mann, 57, Künstler, der mit seiner Frau nach einem Autounfall Hoppe konsultierte, um sich rechtlich helfen zu lassen.

Das tat auch eine Frau aus Baunatal – in einer Erbrechtsangelegenheit. Auch sie erzählte von ihrer Erfahrung, nachdem Hoppe Geld von ihr bekommen hatte, um eine Klage einzureichen. Ein Kontakt mit ihm soll danach kaum möglich gewesen sein. Und die Klage? War lange nicht eingereicht.

DER OBERSTAATSANWALT

Der Angeklagte hatte seine Taten damit begründet, dass er wie gelähmt gewesen sei und aus diesem Grund das Geld an seine Mandanten nicht weitergeleitet habe. Mit dieser Erklärung gab sich Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied nicht zufrieden. Denn eine „Lähmung“ sei in den vergangenen Jahren ansonsten bei Hoppe nicht festzustellen gewesen, führte Wied im Plädoyer aus. Im Gegenteil: Er sei sehr umtriebig gewesen, um an Geld zu kommen, und habe sich politisch engagiert. Nicht zu vergessen: Vor einem Jahr kandidierte Hoppe noch für das Oberbürgermeisteramt.

Wied ging mit Hoppe im Plädoyer sehr fair um und wertete viele Posten zugunsten des Angeklagten. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft agierte unaufgeregt und sachlich. Im Endeffekt kam Wied zu sechs Einzelstrafen von sieben Monaten bis einem Jahr und drei Monaten. Aufgrund dieser Einzelstrafen kam er zu dem Ergebnis, dass keine Bewährungsstrafe herauskommen kann.

Wied hielt Hoppe zugute, dass es durch die Berichterstattung eine gewisse Vorverurteilung gegeben habe. Hoppe könne aber nicht sagen, dass die Presse an seinem Schicksal schuld sei. Er habe schließlich als Politiker jahrelang die Öffentlichkeit gesucht und die Presse für seine Interessen genutzt. Dass über das Verfahren berichtet wird, sei nur eine Folge davon.

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DER ANGEKLAGTE

Als der Oberstaatsanwalt das Plädoyer hielt, machte sich Bernd Hoppe immer wieder mit einem Kuli Notizen. Wieds Forderung nach einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten nahm Hoppe nahezu regungslos zur Kenntnis, wobei sich generell der Eindruck vom ersten Verhandlungstag am Montag bestätigte: Hoppe wirkt sehr in sich gekehrt. Wenn er spricht, dann sehr leise.

Als er vor dem Plädoyer seine persönliche Situation schilderte, zählte er all seine ehrenamtlichen Tätigkeiten auf: vom Klassensprecher bis zum Vorsitzenden des VfL Kassel. Als er erwähnte, dass er sehr viel Zeit für das Ehrenamt und damit für die Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat, flüsterte einer aus dem Zuschauerbereich: „Mir kommen gleich die Tränen.“

Während der Zeugenaussagen war Hoppe überaus präsent, mitunter schaltete er sich ein, fragte nach und verteidigte sich – obwohl er einen Verteidiger mitgebracht hatte. Ulrich Blume stellte dabei zu Beginn des Tages den Antrag, nicht mehr als Wahl-, sondern als Pflichtverteidiger auftreten zu wollen. Das Gericht stimmte zu.

Mit Blumes Plädoyer wird der Prozess am Mittwoch, 17. Januar, fortgesetzt. Dann wird es aller Voraussicht nach auch das Urteil geben. Dafür zuständig ist der Vorsitzende Richter Gert Rinninsland.

Für und gegen Hoppe

In seinem Plädoyer fasste Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied zusammen, was für und gegen Bernd Hoppe spricht.

Für Hoppe 

• Er ist nicht vorbestraft. 

• Er hat die Vorwürfe zum Teil gestanden und sagt, dass er Fehler gemacht hat. 

• Hoppe ist durch das Verfahren mehr belastet als jemand anderes, der nicht so in der Öffentlichkeit steht.

Gegen Hoppe 

• Er hat seine Vertrauensstellung als Anwalt missbraucht. 

• Die Straftaten wurden über einen langen Zeitraum begangen, und es geht um nicht geringe Geldbeträge. 

• Hoppes Taten hatten Folgen für seine Mandanten und das sei ihm auch bewusst gewesen. Ein Mandat musste deshalb 50 000 Euro aufnehmen.

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