Kasseler Neonazi muss vor dem OLG München aussagen

NSU-Prozess: Bernd T. weiß nichts, Beate Zschäpe gähnt

War alles nur Angeberei? Der Kasseler Neonazi Bernd T. (rechts), der heute vor dem NSU-Prozess in München vor dem Oberlandesgericht aussagt, will plötzlich über die Terroristen nichts mehr wissen. Unser Archivbild stammt aus dem Jahr 2011 und wurde auf dem Friedrichsplatz in Kassel aufgenommen. Archivfoto:  Friedmann

München/Kassel. Er weiß nichts, er kennt niemanden aus dem NSU-Trio, er kann sich an nichts erinnern: In einer hartnäckigen Totalverweigerung präsentiert sich der Kasseler Neonazi Bernd T. am Mittwochvormittag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht München.

Der 40-Jährige Kasseler hatte behauptet, er könne Aussagen zum rechtsradikalen Terrornetzwerk des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) machen und kenne Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt persönlich.

Davon will er heute nichts mehr wissen. Im klassischen Outfit des Neonazis - Springerstiefel, Bomberjacke und Glatze - hatte T. den Gerichtssaal am Morgen betreten. Er sucht kurz Blickkontakt zur Angeklagten Beate Zschäpe, der aber nicht erwidert wird.

Dem Richter Götzl stellt sich T. als „selbstständiger Unternehmer aus Kassel“ vor, was zu Heiterkeit auf den voll besetzten Zuschauer- und Pressetribünen führt.

Über die Vernehmung berichten wir aktuell auf www.kassel-live.de

Noch ehe Götzl die erste Frage stellen kann, poltert T. los: „Ich habe keine Aussagen zu machen und kann mich an nichts erinnern.“ Abwarten, meint der Richter, der in der Folgezeit T. mit früheren Aussagen konfrontiert. Der hatte sich 2011 - damals in Haft - dem Verfassungsschutz als Informant angeboten. Wenn er aus der Haft entlassen werde, könne er Angaben zum NSU-Trio und zu rechten Netzwerken machen.

Davon will er heute nichts mehr wissen. Mundlos und Böhnhardt kenne er nicht, die Aussagen im von ihm unterschriebenen Vernehmungsprotokoll vom März 2012 seien ihm von Staatsanwalt und Kripobeamten in den Mund gelegt worden, er habe diese Aussage nicht gemacht. Hafterleichterungen seien ihm angeboten worden, er habe dies aber abgelehnt.

T. tritt nassforsch, manchmal aggressiv auf und versucht den fragenden Richter in Widersprüche zu verwickeln. Die oft mit überschlagenden Wortsilben unverständlich ausgestoßene, stakkatoartigen Aussagen signalisieren aber eine innere Unsicherheit. Immer wieder sucht sein Blick Beate Zschäpe. Die aber gähnt, schaut auf ihren Laptop und schaut kaum zum Zeugenstand hinüber.

Die Befragung wird ein zähes Stück Arbeit: Feiern mit Mundlos und Böhnhardt schon 2006 in Kassel und vorher in Zwickau? Keine Erinnerung, er kenne die Leute nicht, antwortet T. auf Vorhalte vom Richter? Mit seinem Schreiben an den Verfassungsschutz vom September 2011 habe er „mal gucken wollen, was passiert.“ Er habe „der JVA“ vorgespiegelt, er wolle aus der rechten Szene aussteigen, habe sich eine bessere Sozialprognose und Hafterleichterungen wie Urlaub und Ausgang davon versprochen.

Tatsächlich wisse er aber nichts, habe keine Kontakte zum NSU, zur Arischen Terror Brigade, zu Blood & Honor, der Arischen Bruderschaft oder anderen Nazigruppen. „Ich weiß nichts, ich kenne diese Organisationen nicht.“ Gegen Mittag beendet der Richter die Befragung des Kasseler Neonazis, die er am Donnerstag fortsetzen will. (tom)

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