OB-Kandidat und Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) über die Bedeutung der Universität

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Ein Fan der Universität: Oberbürgermeister Bertram Hilgen mit einem Modell des Wissenschaftsparks (Science Park), der auf dem neuen Campus in der Nordstadt gebaut wird.

Kassel. Man kennt Bertram Hilgen als ruhigen und unaufgeregten Zeitgenossen. Doch wenn Kassels Oberbürgermeister über die Universität spricht, die kürzlich ihren 40. Geburtstag feierte, dann wirkt er geradezu euphorisch.

„Die Uni ist für Kassel wie die Hefe im Teig“, sagt der 57-Jährige. Nach dem Krieg sei es die wichtigste strukturpolitische Entscheidung für Kassel und Nordhessen gewesen, eine Hochschule zu gründen.

Kassel sei längst nicht mehr nur Standort für große Fahrzeugbauer wie VW und Bombardier. Von Studierenden der Uni wurden bislang 200 Unternehmen in Kassel und der Region gegründet. „Hier sind Arbeitsplätze auf hohem Niveau entstanden.“ Die Stadt habe einen „Kraftakt“ unternommen, um dem Solartechnik-Hersteller SMA in Bettenhausen ein Gelände zur Verfügung zu stellen. Hier arbeiten 1000 Menschen.

Um weitere Arbeitsplätze zu schaffen, „benötigen wir neue Gewerbeflächen“, sagt Hilgen. „Ich kann es deshalb als Sozialdemokrat nicht verantworten, dass wir bei einer Arbeitslosenquote von zehn Prozent auf das Gewerbegebiet im Langen Feld verzichten.“ Dennoch ist Hilgen stolz darauf, dass sich die Arbeitslosenquote von 19 Prozent im Jahr 2005 bis heute fast halbiert hat. Das Ziel, 20 000 neue Arbeitsplätze bis zum Jahr 2020 im Wachstumsmarkt der erneuerbaren Energien zu schaffen, hält er für mehr als realistisch. „14 000 neue Arbeitsplätze sind schon da. Das zeigt, dass wir hier in Kassel richtig gut sind.“

Wir - damit meint Hilgen die Uni, das Institut für dezentrale Energietechnologien, die Wirtschaft, das Fraunhofer Institut und natürlich die Stadt. Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft gehören zusammen. Mit sechs Millionen Euro beteiligt sich die Stadt an dem Wissenschaftspark (Science Park), der auf dem neuen Unicampus in der Nordstadt gebaut wird.

Manchmal wird die Stadt auch zum Experimentierfeld für die Wissenschaft. „Denken Sie nur an den Superbeton für die Gärtnerplatzbrücke. Bis das geklappt hat, mussten wir einiges aushalten. Kassel ist dafür die erste Stadt mit einer Brücke aus Superbeton gewesen.“ Darüber wird bundesweit berichtet, und das macht neugierig.

Schließlich wolle Kassel nicht zum Verlierer des demografischen Wandels gehören. „Warum ziehen denn junge Menschen nach München oder Stuttgart? Wegen der Arbeitsplätze, nicht weil es dort schöner ist“, sagt er. „Wo Arbeitsplätze sind, da bleiben junge Leute.“ Hilgen ist optimistisch: Im vergangenen Jahr habe die Stadt wieder 900 Einwohner gewonnen. „Und die 20 000 Studenten, die in unseren Stadtmauern wohnen, tun uns auch sehr gut.“

Der OB weiß, dass die Stadt auch einiges für die Studenten machen muss. Zum Beispiel in Sachen Personennahverkehr. Zum 40. Geburtstag gab’s immerhin schon mal eine Beschilderung, wie man am schnellsten zur Uni kommt.

Zur Person:

Bertram Hilgen (57) wurde am 9. Februar 1954 in Tann in der Rhön geboren und ist seit Juli 2005 Kasseler Oberbürgermeister. Hilgen studierte Rechts- und Politikwissenschaften in Marburg und begann nach der zweiten juristischen Staatsprüfung seine berufliche Laufbahn 1980 in Kassel als Referent des damaligen OB Hans Eichel. 1986 übernahm er die Leitung des Rechtsamtes der Stadt.

1991 folgte Hilgen dem damals frisch gewählten Ministerpräsidenten Eichel nach Wiesbaden. Im Juli 1996 folgte die Rückkehr nach Kassel als Regierungspräsident. Von 1999 bis 2005 leitete er das Kommunale Gebietsrechenzentrum (KGRZ) in Kassel. Hilgen lebt mit der ehemaligen Landtagsabgeordneten Margit Berghof-Becker (SPD) in der Südstadt zusammen. Er hat einen Sohn (25) aus erster Ehe, der in Kassel studiert hat und jetzt als Elektroingenieur bei VW arbeitet.

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