Landgericht: Höhere Strafe für Beschaffungsdiebstähle und versuchten Raub

Berufung geht nach hinten los

Kassel. Bis zuletzt blieb der 41-jährige Angeklagte dabei: Er habe im September vergangenen Jahres einer alten Dame nicht die Handtasche wegnehmen, sondern ihr lediglich helfen wollen, nachdem sie gefallen war. Dann sei er weggelaufen, weil einem Drogensüchtigen sowieso nicht geglaubt worden wäre. Da er sich nicht schuldig fühlte, war er gegen eine vom Amtsgericht ausgesprochene Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren in Berufung gegangen. Doch das ging nach hinten los, denn auch die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt und eine höhere Strafe verlangt. Und so kassierte der 41-Jährige jetzt vor dem Landgericht ein paar Monate mehr, nämlich drei Jahre.

„Es gibt keinerlei Anhaltspunkt dafür, dass er ein barmherziger Samariter ist“, sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag. Sowohl die 76-jährige Dame, wie auch die Zeugen, die das Geschehen am Wesertor beobachtet hatten, legten aus der Sicht des Gerichts überzeugend dar, dass der 41-Jährige die Frau zu Boden geschubst und dann versucht hat, ihr die Tasche zu entreißen. Sie rief demnach um Hilfe und wehrte sich, ihr gelang es so, den Angreifer in die Flucht zu schlagen. Der lief weg , wurde wenig später aber von zwei Männern gestellt und so lange festgehalten bis die Polizei kam.

Der Mann auf der Anklagebank ist seit Jahren drogensüchtig, auch den Überfall auf die alte Dame hat er nach der Überzeugung des Gerichts begangen, um sich Geld für neuen Stoff zu beschaffen. Da er vom Entzug offenbar stark geschwächt war, blieb der Überfall im Versuch stecken.

Vor dem Amtsgericht war er nicht nur wegen dieser Sache, sondern auch wegen diverser Diebstähle verurteilt worden, die er gemeinsam mit zwei Mittätern begangen hat, ebenfalls Beschaffungstaten. Die räumte er ein, deshalb ging es vor dem Landgericht lediglich um den versuchten Raub der Handtasche. Sein Vorstrafenregister weist eine Menge einschlägiger Taten auf.

Auf der langen Liste der Vorstrafen stehen, so der Vorsitzender Richter, aber auch Körperverletzung und Geiselnahme, Gewalt sei dem 41-Jährigen nicht wesensfremd. Dass er hingegen der alten Dame habe helfen wollen, „können wir uns weiß Gott nicht vorstellen“.

Er frage sich, wie man sich überhaupt an solch einer betagten Frau vergreifen könne, im schlimmsten Fall hätte der Angriff „das Todesurteil“ bedeuten können, so der Richter. Deshalb hielt er drei Jahren für die Diebstähle und den versuchten Raub für „das richtige Maß“. (pas)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.