Berufung: Schulhausmeister soll Stieftochter vergewaltigt haben

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Sexualtäter als Hilfshausmeister: Im April deckte die HNA auf, dass der verurteilte 48-Jährige an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Oberzwehren tätig war.

Kassel. Die junge Frau auf dem Zeugenstuhl ringt um Fassung. „Ich hab’ einfach nur die Augen zugemacht“, sagt sie mit tränenerstickter Stimme. „Es war Kopfausschalten und Über-sich-ergehen-lassen.“ Mehrfach soll die 22-Jährige als Kind von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht worden sein.

Wie oft, weiß sie nicht. „Zu oft“, sagt sie nur. Im April war der 48-Jährige, der damals an einer Kasseler Schule als Hilfshausmeister arbeitete, vom Amtsgericht in Fritzlar zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Weil jedoch weder er noch die Staatsanwaltschaft den Richterspruch akzeptierten, wird das Verfahren seit Mittwoch vor der Berufungskammer des Kasseler Landgerichts noch einmal neu aufgerollt. Und der Angeklagte beteuert weiter seine Unschuld: „Es gab gar keine Übergriffe“, sagt der im Kreis Kassel lebende Mann. „Ich war eigentlich ein lieber Vater.“

Sein mutmaßliches Opfer dagegen erzählt von einem jahrelangen Martyrium: Mindestens 30-mal, so schätzt die 22-Jährige, habe sich der Lebensgefährte ihrer Mutter mit der Hand befriedigen lassen. Mindestens zehnmal habe er sie vergewaltigt.

Und auch Pornofilme mit Kindern habe sie mit ihm anschauen müssen: „Da hat er gesagt, ich soll mich nicht so anstellen, die würden das doch auch machen.“ Von den sechs Fällen, die schließlich den Weg in die Anklageschrift gefunden hatten, hatte das Amtsgericht allerdings nur den ersten für erwiesen erachtet.

Neun Jahre soll das Mädchen gewesen sein, als sie zum ersten Mal das Geschlechtsteil ihres Stiefvaters anfassen musste. „Er hat gesagt, es ist wie die Gangschaltung beim Auto“, erzählt die junge Frau. „Ich habe mir nichts dabei gedacht – ich hab’s ja nicht verstanden.“ Doch dann soll der Mann das Kind im Schlafzimmer aufs Bett gelegt und vergewaltigt haben. Und da, sagt die 22-Jährige, sei ihr mehr als deutlich geworden, dass etwas nicht stimmt. „Ich habe geschrien. Es hat wehgetan. Ich habe gesagt, er soll aufhören.“ Doch ihr Stiefvater habe immer weitergemacht – und sie hinterher bedroht: „Wenn du was sagst, bringe ich deine Mutter und deine Geschwister um.“

Erst 2008, mit fast 20 Jahren, ging die Frau zur Polizei – aus Sorge um ihre kleine Stiefschwester, wie sie erklärt. Denn der Angeklagte war damals gerade von seiner neuen Frau verlassen worden und lebte seitdem nur noch mit seiner jüngsten, damals zehnjährigen Tochter zusammen. „Das hat mir Angst gemacht.“

Der Prozess wird am heutigen Donnerstag fortgesetzt. Dann wird auch das Urteil erwartet. Wie auch immer es ausfallen wird: Seinen Job als Schulhausmeister hat der 48-Jährige längst verloren.

Nachdem diese Zeitung aufgedeckt hatte, dass der Missbrauchsverdächtige ausgerechnet in nächster Nähe von Kindern arbeitete, hatten Schule und Landkreis umgehend Konsequenzen gezogen.

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