Bewährungsstrafe bleibt

Mädchen an Hundeleine: Berufungsprozess gegen Ex von Neonazi Bernd T.

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Hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt: Die Ex-Freundin von Bernd T. Die Zeichnung zeigt die junge Frau bei der Verhandlung im Frühjahr dieses Jahres vor dem Amtsgericht. 

Kassel. Der Kasseler Neonazi Bernd T. hat schon mehrere Verfahren vor dem Kasseler Amts- und Landgericht verursacht. So auch wieder am Mittwoch. Doch diesmal hatte nicht er sich zu verantworten, sondern seine Ex-Freundin. 

Seine Ex-Freundin, mit der er ein gemeinsames Kind hat, und deren Verteidiger Horst Korte hatten die Berufung beantragt, weil sie zunächst die Ansicht vertraten, dass T. bei einer Verurteilung vor dem Kasseler Landgericht im Vergleich zu der Frau zu gut weggekommen ist.

Beide waren zu Haftstrafen (T. zu 27 Monaten Haft im Januar und seine Ex-Freundin zu 15 Monaten auf Bewährung im April) verurteilt worden, weil eine 16-Jährige im Sommer 2014 geschlagen und gedemüdigt worden war, indem man sie an einer Hundeleine ausführte.

Die Ex-Freundin von T. hatte bereits im April vor dem Amtsgericht eingeräumt, dass sie die 16-Jährige in der Nacht zum 9. Juli 2014 bis zur Bewusstlosigkeit ins Gesicht geschlagen hatte, nachdem diese wiederholt behauptete, von T. vergewaltigt worden zu sein. Anschließend legte sie der Jugendlichen eine Leine um den hals und führte sie „Gassi“, um sie zu demütigen.

Bernd T. soll seine Ex-Freundin und zwei weitere Frauen, die Mitglied in der von ihm gegründeten Kameradschaft Sturm 18 waren, zu diesen Taten angestiftet haben. Dafür war er zu zwei Jahren und drei Jahren verurteilt worden.

Er halte die Relation nicht für gewahrt, wenn seine Mandantin zu 15 Monaten und der Haupttäter nur zu 27 Monaten Haft verurteilt werde, so Korte. Vor allem vor dem Hintergrund, dass T. wesentlich älter als seine Mandantin und vielfältig vorbestraft ist. Seit 1990 wurde er 23-mal verurteilt. Zudem habe T. die Frauen zu den Taten angetrieben.

Dem widersprach Oberstaatsanwältin Andrea Boesken, die auch die Anklage in den bisherigen zwei Verfahren vertreten hat. Zwar habe die 22-Jährige ein Geständnis abgelegt, Reue gezeigt und auch den Mut bewiesen, gegen Bernd T. auszusagen. Das sei der Frau alles bei der Strafzumessung zugute gekommen.

Allerdings dürfe nicht vergessen werden, wie heftig der Angriff und die Demütigung das 16-jährige Opfer getroffen hätten. Und hier habe die Angeklagte nicht ausschließlich auf Befehl ihres damaligen Freundes Bernd T. gehandelt, sondern auch aus eigenen Antrieb. Eine Videoaufzeichnung, die es von den „Hundespielen“ gibt, zeige, wieviel Freude die 22-Jährige an der Demütigung des Opfers gehabt habe, so Boesken.

Auch der Vorsitzende Richter Albrecht Simon, Präsident des Landgerichts, machte deutlich, dass die Kammer keine Fehler bei der Strafzumessung des inhaltlich korrekten Urteils des Amtsgerichts festgestellt habe.

Daraufhin wurde die Berufung zurückgenommen. Die Kosten für das Verfahren muss die Angeklagte tragen.

Bernd T. sitzt in U-Haft

Der Neonazi Bernd T. war bereits Ende Januar dieses Jahres wegen Köperverletzung sowie gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Unter anderem wegen der Angriffe auf die 16-Jährige, für die sich gesondert auch noch seine Ex-Freundin sowie zwei weitere Frauen, die Sturm 18 angehört haben, vor Gericht verantworten mussten. Trotz der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wurde Bernd T, im Januar aus der Untersuchungshaft entlassen.

Seit April sitzt der 40-jährige T. allerdings erneut in Untersuchungshaft. Die Staasanwaltschaft Kassel hat gegen ihn Anklage wegen des Verdachts der mehrfachen gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung, Freiheitsberaubung, räuberischer Erpressung, Nötigung und Bedrohung erhoben. Gegen fünf weitere Personen aus seinem Umfeld wurde - je nach Beteiligung - ebenfalls Anklage erhoben.

Das Landgericht hat über die Zulassung dieser Anklage noch nicht entschieden, so ein Sprecher auf Anfrage.

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