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„Arabisches Äußeres“: Polizei Kassel weist Rassismus-Kritik zurück

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Einsatz auf dem Hauptfriedhof: Beamte der Bereitschaftspolizei unterstützten die Kripo gestern bei der Spurensuche am Tatort. Auf dem Bild ist das Mausoleum im Hintergrund zu sehen.
Zwei Frauen wurden am 9. Juli auf dem Hauptfriedhof überfallen: Ein Opfer sagte aus, dass der Täter ein „arabisches Äußeres“ gehabt habe. Die Polizei suchte den Friedhof nach den Taten nach Spuren ab. © Foto: Ulrike Pflüger-Scherb

Die Polizei Kassel weist Kritik, sie habe bei der äußerlichen Beschreibung von Tätern rassistische Sprache benutzt, deutlich von sich.

Kassel - Kürzlich wurden zwei Seniorinnen auf dem Kasseler Hauptfriedhof ausgeraubt. Eine Frau wurde zudem Opfer eines sexuellen Übergriffs. Bei der Beschreibung des Täters, die die Polizei herausgegeben hat, tauchte auch der Begriff „arabisches Äußeres“ auf. Nachdem die HNA die Beschreibung veröffentlicht hatte, gab es vereinzelt Kritik daran. Solche Beschreibungen schürten rassistische Vorurteile, so der Vorwurf an die Polizei.

Nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Mänz ist es bei der Fahndung nach noch unbekannten Täterinnen oder Tätern wichtig, eine genaue Beschreibung der Person zu nennen, um möglichst viele und aussagekräftige Hinweise zu bekommen. Hierbei sei es für die Polizei besonders herausfordernd, dass Zeugen Dinge sehr unterschiedlich wahrnehmen und diese Wahrnehmungen anhand ihrer subjektiven Ansichten, Werte und Gefühle auch sehr unterschiedlich zum Ausdruck bringen würden.

Rassismus in Kassel: Stigmatisierende Begriffe werden nicht reproduziert

So würden gegenüber der Polizei durch die Zeugen auch Formulierungen gewählt, die vermeintliche Rückschlüsse auf die Nationalität des potenziellen Täters suggerierten. Sie sagten zum Beispiel, dass es sich bei dem Täter um einen Türken, Syrer oder Italiener handele. Das übernehme die Polizei bei der Veröffentlichung der Täterbeschreibung nicht. „Im Bewusstsein, dass Formulierungen von Zeugen in diesem Kontext durchaus auch stigmatisierend wirken können, werden diese Begriffe durch die nordhessische Polizei genauso wie durch die gesamte hessische Polizei grundsätzlich nicht reproduziert“, so Mänz.

Im Idealfall könnten Zeugen einen Täter individuell beschreiben. Diese Beschreibung individueller Merkmale einer oder eines unbekannten Tatverdächtigen werde dann so durch die Polizei veröffentlicht, so Mänz.

Polizei Kassel: Relevante Details der Personenbeschreibung müssen genannt werden

Würden jedoch nicht zu reproduzierende Begriffe von Zeugen angegeben und keine näheren Angaben zu individuellen Merkmalen gemacht, so versuche sich die Polizei bei der Wiedergabe in der Beschreibung maximal auf die Nennung des äußeren Erscheinungsbildes anhand von Phänotypen zu beschränken, so der Kasseler Polizeisprecher.

Diese orientierten sich in der Regel an einer größeren Region, wie zum Beispiel die Beschreibung „mitteleuropäisches Aussehen“, „südosteuropäisches Aussehen“ oder „arabisches Äußeres“. „Dieses äußere Erscheinungsbild nicht zu nennen, würde bedeuten, dass man ein relevantes Detail der Personenbeschreibung bei der Fahndung weglässt und somit wichtige Hinweise zur Klärung einer Straftat möglicherweise nicht bei der Polizei eingehen“, so Mänz.

Polizei: Kein Zusammenhang zwischen dem individuellen Fehlverhalten und der Region

„Dass durch die Wiedergabe von Zeugenaussagen mit der Nennung des Aussehens einer Person rassistische Vorurteile geschürt würden, können wir dahingehend nicht nachvollziehen, als dass hier nicht der Zusammenhang des individuellen Fehlverhaltens einer oder eines Verdächtigen zu den Menschen einer ganzen Region direkt hergestellt wird“, so der Polizeisprecher in Kassel. Dies wäre nämlich in der Tat ein unzulässiger Rückschluss. Das passiere aber in den Presseveröffentlichungen gar nicht.

In welchen Fällen nennt die Polizei die Nationalität von Tatverdächtigen? Bei Berichterstattungen mit bekannten Tatverdächtigen gebe die hessische Polizei grundsätzlich nur Informationen preis, die eine Identifizierung der beteiligten Person nicht zulasse, wie zum Beispiel das Alter und den Wohnort, um den gebotenen Persönlichkeitsschutz der Tatverdächtigen zu gewährleisten.

Kasseler Polizeisprecher: Nennung der Nationalität nur in Ausnahmefällen

Zudem erfolge die Nennung der Nationalität nur in Ausnahmefällen, so der Polizeisprecher. „Solche sind beispielsweise ein besonderes öffentliches Interesse, Öffentlichkeitsfahndungen oder wenn die Nennung für das inhaltliche Verständnis des Sachverhalts zwingend erforderlich ist.“ Die Verfahrensweise der hessischen Polizei orientiere sich insbesondere auch an den Richtlinien des Deutschen Presserates, sprich dem Pressekodex, sowie den bestehenden Absprachen mit den Justizbehörden.

Die hessische Polizei und das Polizeipräsidium Nordhessen seien sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst und stellten sich jeglicher Form von Diskriminierung entgegen. „Dies beinhaltet auch eine diskriminierungsfreie Sprache“, so Mänz. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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