Hausärzte betreuen oft nur wenige Patienten in Pflegeeinrichtungen - Neue Konzepte

Menschen in Pflegeeinrichtungen: Versorgung soll verbessert werden 

Klaus Meyer

Kassel. Das Ziel ist bei allen Beteiligten unstrittig: Die medizinische Versorgung von Menschen in Pflegeeinrichtungen sollte dringend verbessert werden. In Kassel gibt es - moderiert vom Gesundheitsamt - deshalb seit einiger Zeit einen runden Tisch.

Parallel dazu arbeitet die Kassenärztliche Vereinigung an Konzepten. Sie bietet Hausärzten, die Altenheimbewohner ambulant betreuen, zusätzliche Fortbildungen an.

Das Problem freilich liegt im System: Es existieren unterschiedliche Versorgungssysteme parallel nebeneinander. Da sind zum einen die Hausärzte, die mitunter nur einen oder wenige Patienten in einer Einrichtung medizinisch betreuen. Da gibt es das Pflegepersonal, ambulante Therapeuten und Krankenhäuser. Oft hapert es an der Kommunikation und der Kooperation untereinander, erläutert Peter Ludwig Eisenberg von der Kasseler Initiative zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen.

Auch hier liegt das Problem oft im System: Der Arzt ist zum Beispiel nicht weisungsbefugt gegenüber dem Pflegepersonal. Die Stationsschwester hingegen dürfte einer Bewohnerin oder einem Bewohner nicht einmal eine Kopfschmerztablette geben, ohne vorher den ärztlichen Rat eingeholt zu haben, erläutert der Kasseler Allgemeinmediziner Dr. Klaus Meyer das Dilemma. Auch verbietet es sich aus Datenschutzgründen eigentlich, gemeinsam über einen Patientenfall zu sprechen. Meyer: „So versucht man im Alltag, unbürokratische Regelungen zu treffen.“

Oftmals gehe das zulasten der Patienten, kritisiert Eisenberg. So bekämen schwer kranke Altenheimbewohner zum Beispiel nach einem Schlaganfall keine Reha-Maßnahme bewilligt, weil der Kostenträger davon ausgehe, dass dies die Pflege im Heim erledigen könne. Auch seien für Schwerstkranke keine Hospizaufenthalte vorgesehen. Eisenberg: „Es gibt Brüche in der medizinischen und pflegerischen Versorgung.“

Unsicherheit und Fragen gebe es auf allen Seiten. So darf ein Arzt, der die Patientin A betreut, eigentlich nicht nach Frau B im Nachbarzimmer sehen - es sei denn, es handelt sich um einen Notfall, erläutert Meyer. Dabei sei es um die hausärztliche Versorgung in Pflegeeinrichtungen schon heute nicht gut bestellt. Ein Problem, das sich durch ein Fortschreiten des Mangels an Hausärzten noch verschärfen werde. Zudem sei die Versorgung von Heimpatienten wegen des Aufwands und aus Kostengründen nicht attraktiv.

In Kassel zum Beispiel komme es vor, dass ein Hausarzt fünf Patienten in fünf verschiedenen Einrichtungen betreue - bei geringem Wegegeld und einer geringen Aufwandsentschädigung. Andererseits habe kein Arzt das Interesse, viele Patienten in einem Haus zu haben, „sonst explodiert das Budget“. Denn alte Menschen, die heute in Pflegeeinrichtungen wohnen, sind häufig mehrfach und auch schwer erkrankt. Sie bräuchten oft Krankengymnastik, Logo- oder Ergotherapie.

Stichwort: Schulungen für Ärzte

Im November 2009 haben die Kassenärztliche Vereinigung und der Verband der privaten Pflegeeinrichtungen in Hessen eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Ziel ist , die Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegepersonal besser zu vernetzen und die Versorgung der Patienten zu optimieren. Geplant sind Schulungen zur Palliativversorgung schwer kranker Patienten und zum Schmerzmanagement. Auch sollen die Verwaltungsprozesse zwischen Arztpraxis und häuslichem Pflegedienst verbessert werden.

Das Gesundheitsnetz Nordhessen (GNN) bietet in diesem Jahr Schulungen speziell für Hausärzte an, die Patienten in Pflegeeinrichtungen betreuen. (hei)

Von Martina Heise-Thonicke

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