Marktforscher mahnen: Nicht alle Branchen schneiden gut ab

Umfrage: Kassels Geschäfte legten bei Freundlichkeit zu

+
Königsstraße als zentrale Meile: Der Einkaufsstandort Kassel gilt als Einzugsgebiet für eine Million Kunden.

Kassel. Aus Kundensicht hat sich die Freundlichkeit in Kassels Geschäften insgesamt verbessert. Gemessen an anderen deutschen Städten belegt der nordhessische Einkaufsstandort allerdings nur Platz 104 von 132.

Andernorts gelinge es dem Einzelhandel deutlich besser, die Kundschaft mit dem Kriterium Freundlichkeit zu überzeugen, schreiben die Autoren des 4. Kasseler Kundenspiegels.

Dafür hatte das das Marktforschungsinstitut MF Consulting im Dezember 910 repräsentativ ausgewählte Personen aus Kassel und Umgebung zu ihren Erfahrungen mit 87 Bekleidungsgeschäften, Elektronikhändlern, Bau- und Gartenmärkten, Augenoptikern, Geldinstituten, Autowerkstätten, Apotheken und Einrichtungshäusern befragt. Diese Erhebung findet seit 2003 alle drei Jahre statt.

Aus den Antworten ist ersichtlich, dass Kassels Einzelhandel seither bei der Kundenorientierung beständig an Boden gut gemacht hat. 2003 hatten 72,7 Prozent der Befragten eine gute oder sehr gute Zufriedenheitsnote für freundliche Bedienung vergeben. 2006 waren es 75,7 Prozent, 2009 äußerten sich 77,1 Prozent positiv, und bei der jüngsten Erhebung ist dieser Wert auf 80,5 Prozent gestiegen.

Was zunächst positiv klingt, sieht Untersuchungsleiter Dieter Grett als „durchwachsenes Ergebnis“. Denn die Erhebung zeige auch, dass Kassels Einzelhandel zunehmend in zwei Gruppen zerfalle: Etliche Geschäfte, die bereits in Vorjahren als besonders kundenorientiert galten, hätten sich weiter verbessen können – auf der anderen Seite hätten einige Betriebe, die im Ruf der Unfreundlichkeit standen, „weiter schwer an Boden verloren“, sagt Grett. Namen nennt er vorerst nicht, da das Marktforschungsinstitut seine Resultate verkaufen will.

Die Verfestigung zeige sich daran, dass in sechs von acht untersuchten Branchen die bestbenoteten Geschäfte dieselben geblieben seien wie in der Erhebung drei Jahre zuvor. Ein aktuelles Gegenbeispiel aus Hessen ist nach Angaben Gretts Gießen, wo sich in sieben Branchen neue Testsieger an die Spitze gearbeitet hätten.

Für Kassel gelte allgemein, „dass die Zahl der extremen Ausreißer nach unten auf einem weit überdurchschnittlichen Niveau geblieben“ sei. Auffällig sei, dass gerade viele der inhabergeführten Geschäfte überdurchschnittlich gute Freundlichkeitsnoten von den Kunden erhalten hätten. Einige Filialisten hätten aber erkennbar aufgeholt.

Unter den 132 mittelgroßen und kleineren deutschen Städten, in denen die Kundenspiegel-Erhebung läuft, gilt derzeit das schwäbische Rottweil als Stadt mit dem freundlichsten Einzelhandel. Den besten Wert in Hessen hat Marburg auf Platz 48 (Daten aus 2011), auf Rang 104 ist neben Kassel auch Göttingen zu finden. Schlusslicht ist Fulda.

Von Axel Schwarz

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.