Kontodaten von Vereinen und Firmen sind öffentlich – und so Ziel für Trickser

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Werber fragen gleich nach Kontonummer: Um einen Auftrag zu generieren, ist es theoretisch ein Leichtes, eine plausible Bankverbindung einzusetzen, die Firmen oder Vereine veröffentlicht haben.

Kassel. Der kleine Lastschriftbetrag auf dem Vereinskonto fiel kaum auf: 25,35 Euro waren dem Förderverein Kulturdenkmal Kurbad Jungborn abgebucht worden. Auf den Auftraggeber „PVZ Stockelsdorf“ konnte sich Vorstandsmitglied Günter Wagner jedoch keinen Reim machen und ging der Sache nach.

Im Internet wurde er schnell fündig. Die Firma ist regelmäßig im Gerede und im Visier von Verbraucherschützern, weil sie die Rechnungen für Zeitschriftenabos abwickelt, die von unseriösen Drückerkolonnen verkauft werden. Für Wagner steht außer Frage: Von den zwei Personen, die für den Verein zeichnungsbefugt seien, habe ganz sicher niemand ein Zeitschriftenabo bestellt. Wie die Firma PVZ an die Bankverbindung komme, sei ihm ein Rätsel. Das erklärte er auch der kontoführenden Kasseler Sparkasse, die den Betrag dann prompt zurückbuchte.

„Sind nur ein Rechenzentrum“

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Zu diesem Verfahren riet auf Anfrage auch eine Mitarbeiterin von PVZ Stockelsdorf. Die Firma sei „nur ein Rechenzentrum“ und verarbeite Vertragsdaten, die von anderen Firmen hereingereicht würden, sagte die Servicefrau. Sie bestätigte, dass ihr die Kontonummer des Kasseler Vereins so vorliege – allerdings mit einem völlig anderen Bestellernamen.

Könnte jemand einen Zeitschriften-Werbevertrag frisiert haben? Das sei denkbar, räumte die PVS-Frau ein; man werde sich um die Sache kümmern.

Fest steht, dass die Mitarbeiter von Zeitschriftenwerbekolonnen unter hohem Erfolgsdruck stehen und regelmäßig unwahre Angaben machen, um Abschlüsse vorweisen zu können. „Mit der Firma PVZ haben wir praktisch täglich zu tun“, sagt Beraterin Eva Raabe vom Kasseler Büro der Verbraucherzentrale Hessen. Das Hauptproblem sei aber nicht PVZ selbst, sondern deren Zuarbeiter: „Das sind die unterschiedlichsten Firmen, die diese Angebote verkaufen.“

Die Werber würden meist Umfragen, Tier- oder Klimaschutzprojekte vorschützen, sagt die Verbraucherberaterin. Es gehe aber stets nur um Vertragsabschlüsse. „Die Behauptung, man tue mit einer Zeitschriftenbestellung auch etwas Gutes, zieht immer wieder.“

Getrickst werde in vielerlei Weise, sagt Eva Raabe. Dass falsche Bankdaten eingesetzt würden, seien nach ihrer Beobachtung aber „Einzelfälle“. An die Kontoverbindungen von Vereinen und Betrieben ist jedenfalls sehr einfach heranzukommen; da genügt ein Blick ins Internet. Wenn der Betrag auf den ersten Blick unauffällig ist und keine zeitnahe Kontrolle der Buchungsposten stattfindet, fliegt eine ungerechtfertigte Lastschrift nicht so schnell auf.

Falls es doch einmal passiert, sei der Kunde aber vor Verlusten sicher, sagt Pressesprecher Michael Krath von der Kasseler Sparkasse: „Bei einer unautorisierten Lastschrift ist innerhalb von 13 Monaten eine Korrektur möglich.“

Von Axel Schwarz

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