Ein Besuch im Naturkundemuseum: Was tun mit den Aliens?

Possierlich: Der Waschbär ist ein Einwanderer. Melanie und Michael Schulz mit ihren Kindern Laura (11) und Vanessa (acht Monate) vor einem Präparat der Ausstellung „Neobiota“. Fotos: Koch

Kassel. Wie gut, dass Mascha (7) und Nora Licht (10) beim Besuch des Naturkundemuseums gestern ihren Großvater Peter Winter als kundigen Erklärer an ihrer Seite hatten.

Er verfügt über endlose Geduld. Gemeinsam untersuchten sie die ausgestellten Früchte und Gemüsesorten: Tomaten, Pflaumen, Quitten. „Schaut mal, die hier kommen aus Asien“, sagt Winter. Auch in dem stockfinsteren Raum, der dem Bauch eines Schiffstanks nachempfunden ist, sind Opas Erklärung für die Kasseler Schülerinnen hilfreich: „Mit dem Ballastwasser der Hochseepötte werden viele fremde Lebewesen von einem Hafen in den nächsten eingeschleppt.“

Und manche dieser Organismen aus Übersee richten dann, am neuen Ort, großen Schaden an. Weil sie sich stark vermehren, weil sie möglicherweise heimischen Pflanzen und Tieren den Lebensraum streitig machen und natürliche Ökosysteme zerstören. „Neobiota - Aliens im Vorgarten“ ist der Titel einer aktuellen Ausstellung des Naturkundemuseums, die noch bis zum 23. Oktober im Ottoneum zu sehen ist. Sie befasst sich mit einem schwierigen Thema: mit Einwanderern, die im englischen Sprachgebrauch Aliens heißen und von den Naturwissenschaftlern als Neobiota bezeichnet werden. Es handelt sich um inzwischen bekannte Nachbarn wie die Herkulesstaude, den Waschbären oder das Indische Springkraut. Aber auch Nutzpflanzen wie Kartoffeln und Tomaten wurden aus fernen Ländern eingeführt. Handelt es sich um „gefährliche Gäste“?, fragen Museumspädagogen im Ausstellungsflyer.

„Es ist eine sehr interessante, aber für Kinder nicht einfach zu verstehende Schau“, sagt Peter Winter. Familie Schulz aus Kassel stört das weniger. Die acht Monate alte Vanessa auf dem Arm von Papa Michael Schulz erfreut sich einfach am Anblick der ausgestopften Tiere wie Nutria und Waschbär. Schwester Laura (11) hat in der Schule schon gelernt, dass die Kartoffel keine heimische Pflanze ist.

„Vieles weiß man schon, aber das meiste war mir nicht bekannt“, sagt Brigitte Dülfer aus Kassel. Sie und ihr Mann Reinhard, passionierte Wanderer, seien auf ihren Touren durch Nordhessen schon manchem Alien wie der Herkulesstaude begegnet. Am Ende der Ausstellung wird die Frage gestellt: „Sind Sie der Meinung, dass man etwas gegen Neobiota unternehmen sollte?“ Trotz der vielen Informationen - Brigitte und Reinhard Dülfer, Mascha und Nora Licht und viele andere Besucher können diese Frage nicht ohne Weiteres beantworten. Spätestens an dieser Stelle wird diskutiert. Und das, sagt Museumschef Dr. Kai Füldner, sei ein Ziel der Schau.

Infos: www.naturkundemuseum-kassel.de

Von Christina Hein

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