Angehörige dürfen Patienten wieder sehen

Besuchsverbot in Kasseler Kliniken wird gelockert

Sabine Rösner empfängt Besucher des Elisabeth-Krankenhauses
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Ohne Anmeldung geht es nicht: Wie in anderen Kliniken müssen sich Besucher auch bei Sabine Rösner am Eingang des Elisabeth-Krankenhauses anmelden und ihre Kontaktdaten angeben.

Seit Anfang April galt in den Krankenhäusern in Stadt und Kreis Kassel wegen der Coronakrise ein striktes Besuchsverbot. Angehörige durften Patienten daher nur in wenigen Ausnahmefällen sehen.

Ab heute lockert die hessische Landesregierung die Vorgaben – und sorgt damit bei Patienten und Angehörigen für Erleichterung.

Laut der neuen Verordnung können Patienten nun in den ersten sechs Tagen ihres Krankenhausaufenthaltes zweimal Besuch von bis zu zwei Personen empfangen. Einzelheiten dazu legen die Krankenhäuser fest. Ab dem siebten Tag des Aufenthalts darf Besuch von maximal zwei Personen pro Tag empfangen werden.

„Aus Patientensicht ist die Lockerung richtig – auch, weil Besuche wichtig für die Genesung sind“, sagt Dagmar Doll, Pflegedirektorin am Elisabeth-Krankenhaus. Vor allem für ältere und an Demenz erkrankte Patienten sei das Verbot problematisch gewesen. „Diese haben oft nicht verstanden, dass ihre Angehörigen nicht freiwillig nicht kommen und haben sich im Stich gelassen gefühlt.“

Viele Patienten und Angehörige halten die Aufhebung des Besuchsverbots daher für überfällig. Sie verweisen auf das geringe Infektionsgeschehen in der Region. Für die Kliniken ist die Öffnung allerdings eine Herausforderung. Einerseits wegen des Verwaltungsaufwandes bei der Registrierung der Besucher, aber auch, weil die Infektionsgefahr steigt. „Man darf nicht vergessen, dass eine Öffnung immer auch mit einem höheren Risiko für die Patienten verbunden ist“, sagt Bernd Tilenius, Geschäftsführer der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel.

Die Krankenhäuser können laut Sozialministerium daher auch weiterhin Besuche einschränken oder untersagen. „Dies kann dann notwendig werden, wenn in einer Einrichtung besonders gefährdete Patienten behandelt werden und wegen der besonderen Situation eine Infektion ausgeschlossen werden muss“, so das Ministerium. Das ist beispielsweise in der Immenhäuser Lungenfachklinik der Fall. „Bei uns sind Besuche weiter nicht möglich, da es für die Patienten zu gefährlich ist“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Björn Böhling.

Besuche noch mit Einschränkungen: So läuft es in den Kliniken

Nachdem Mitte März Besuche in Krankenhäusern in Hessen wegen der Coronapandemie erst stark eingeschränkt und ab April dann komplett verboten wurden, öffnen die meisten Krankenhäuser nun wieder ihre Türen für Angehörige. Einschränkungen und Vorgaben gelten dabei weiterhin. Ein Überblick, was in welchem Krankenhaus in Stadt und Kreis Kassel gilt:

Nach Verbot wegen Corona: Das gilt für Besuche in den Kliniken der GNH

In den Krankenhäusern der Gesundheit Nordhessen Holding – dem Klinikum Kassel, dem Krankenhaus Bad Arolsen und der Kreisklinik Hofgeismar – dürfen Patienten wieder in reduziertem Umfang Besuch empfangen. So wie es das hessische Sozialministerium vorgibt, ist die Zahl der Besucher auf zwei Personen pro Tag begrenzt. Innerhalb der ersten sechs Tage im Krankenhaus dürfen Patienten insgesamt zweimal besucht werden. Ab dem siebten Tag erlaubt die Regelung den täglichen Besuch. Dieser darf in den GNH-Kliniken nicht länger als eine Stunde dauern. In der Kindermedizin, der Geburtshilfe und bei Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen gelten die bisherigen Vorgaben. Dort bleibt der Besuch durch Eltern beziehungsweise enge Verwandte täglich möglich. In den Krankenhäusern in Bad Arolsen und Hofgeismar gelten feste Besuchszeiten. Diese sind in Bad Arolsen täglich von 14.30 bis 18.30 Uhr und in Hofgeismar von 16 bis 18 Uhr. Eine Ausnahme gibt es: Heute sind in den drei GNH-Kliniken Besuche erst ab 15 Uhr möglich.

Nach Verbot wegen Corona: Das gilt für Besuche im Elisabeth-Krankenhaus

Auch im Elisabeth-Krankenhaus wird man sich an die Vorgaben des Ministeriums halten. Dabei gibt es zwei Beschränkungen: Die Besuche sind auf eine Stunde begrenzt und die Besuchszeiten liegen unter der Woche zwischen 12 und 18 Uhr sowie am Wochenende zwischen 12 und 17 Uhr. „Der Grund ist, dass es vormittags viele Sprechstunden gibt“, sagt Pflegedirektorin Dagmar Doll. Daher wolle man durch die festgelegten Zeiten die Menschenströme gering halten.

 Nach Verbot wegen Corona: Das gilt für Besuche in den Diakonie Kliniken

Besuche sind auch in den Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel wieder möglich – allerdings nicht in allen Bereichen. „Die Intensivstation und isolierte Bereiche sind beispielsweise ausgenommen“, sagt Pressesprecherin Lena Goldmann. In der Geriatrie gelte zudem für den Gesamtaufenthalt des Patienten die Vorgabe, dass pro Woche nur zweimal Besuch von jeweils bis zu zwei Personen empfangen werden darf. „Die Kritik an dem Besuchsverbot ist zuletzt gewachsen“, sagt Goldmann. Für die Krankenhäuser sei die Öffnung aber auch schwierig. „Einerseits verstehen wir, dass Patienten ihre Angehörigen sehen wollen, wenn es ihnen schlecht geht, andererseits wollen wir unsere Patienten und Mitarbeiter schützen.“ In den Diakonie Kliniken gehe man davon aus, dass viele Patienten von sich aus auf Besuch verzichten werden – vor allem, wenn sie nur kurz bleiben.

Nach Verbot wegen Corona: Das gilt für Besuche im Marienkrankenhaus

Im Marienkrankenhaus sind Besuche so wie von der Landesregierung vorgegeben möglich – allerdings nur mit telefonischer Anmeldung spätestens am Vortag. Die Besuchszeiten liegen täglich bei 9 bis 12 Uhr und bei 14 bis 19 Uhr. Beschränkt sind die Besuche auf jeweils eine Stunde, teilt Pressesprecherin Kirsten Scheimann mit. Besucher, die an einer Atemwegserkrankung leiden, dürfen die Klinik nicht betreten. Die Telefonnummern zur Anmeldung finden Angehörige auf marienkrankenhaus- kassel.de

Nach Verbot wegen Corona: Das gilt für Besuche in den DRK-Kliniken

Wie das Marienkrankenhaus halten sich auch die DRK-Kliniken Nordhessen an die Vorgaben des Landes und ermöglichen Besuche. Einschränkungen könne es im Zusammenhang mit der Zimmergröße und -belegung geben, so Pressesprecherin Simone Hoffmann. Eine Anmeldung sei aber nicht nötig. „Natürlich war die Situation für einige Patienten sehr belastend“, sagt Hoffmann mit Blick auf das bis gestern geltende Besuchsverbot. Die Beschäftigten hätten daher versucht, die Situation für die Patienten so angenehm wie möglich zu machen.

Nach Verbot wegen Corona: Das gilt für Besuche in der Orthopädischen Klinik

Geplant ist, an sieben Tagen in der Woche mindestens von 13 bis 15 Uhr Besuche für 30 bis 45 Minuten zu erlauben. Die Abstimmung dafür laufe, sagt Bernd Tilenius, Geschäftsführer der Vitos Orthopädischen Klinik. Wie die Regelung letztlich aussehe, werde auf der Internetseite der Klinik (vitos-okk.de) veröffentlicht. Tilenius appelliert an die Angehörigen, Besuche auch weiterhin aufs Notwendigste zu beschränken. „Wir müssen auch bedenken, dass ein Zimmernachbar gegebenenfalls keinen Besuch möchte.“ Bei Patienten, die sich bewegen könnten, biete es sich an, dass diese ihre Angehörigen draußen treffen. Ansonsten müsse man Möglichkeiten in der Cafeteria oder in einem Besuchsraum schaffen. „Die Öffnung ist eine Herausforderung für alle Beteiligten, Angehörige müssen sich daher auch auf kurze Wartezeiten einstellen.“

Nach Verbot wegen Corona: Das gilt für Besuche in der Paracelsus-Elena-Klinik

Hier wird es weiter ein striktes Besuchsverbot geben. Der Grund: In der Klinik werden neurologische Patienten mit einem Durchschnittsalter von etwa 65 Jahren behandelt. Unter ihnen sind viele multimorbide Patienten, die zur Hochrisikogruppe zählen. „Daher sehen wir derzeit von einer Lockerung in der Besucherregelung ab“, teilt Pressesprecherin Dirten von Schmeling mit. Man versuche aber, den Aufenthalt möglichst kurz zu halten und im Voraus Untersuchungen anzumelden, um Wartezeiten zu verkürzen. Zudem sei es für Patienten, die körperlich oder psychisch auf ihre Angehörigen angewiesen sind, möglich, den Partner oder eine Pflegeperson mit im Krankenhaus aufnehmen zu lassen. „Das hat sich bewährt.“

Nach Verbot wegen Corona: Das gilt für Besuche in der Lungenfachklinik

Wie in der Elena-Klinik sind auch in der Lungenfachklinik in Immenhausen weiter keine Besuche erlaubt. „Da unsere Patienten mit Lungenerkrankungen zur Hochrisikogruppe zählen, macht es keinen Sinn, Besucher ins Haus zu holen“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Björn Böhling. Lediglich in besonderen Fällen seien Besuche nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt möglich. Damit Patienten dennoch Kontakt zu Angehörigen halten können, habe die Klinik Tablets angeschafft. „Das ersetzt zwar keinen direkten Kontakt, ist für die Patienten aber dennoch wichtig.“

Lockerung des Besuchsverbot in Krankenhäusern: Keine Beschränkungen für Rehakliniken

Nicht nur für Krankenhäuser werden die Besuchsregeln ab heute gelockert, sondern auch für Dialyseeinrichtungen, Tageskliniken und Entbindungseinrichtungen. In Rehakliniken sind Besuche nun wieder uneingeschränkt möglich. Auch Behinderteneinrichtungen dürfen wieder von allen Bürgern betreten werden, sofern diese gesund sind und keinen Kontakt zu einem Corona-Patienten hatten.

Hessische Krankenhausgesellschaft: App könnte helfen, Besuche in Kliniken zu koordinieren

Die Hessische Krankenhausgesellschaft (HBK) begrüßt die Lockerung des Besuchsverbots in Kliniken mit Blick auf die Genesung der Patienten. Sie sieht allerdings erhebliche Umsetzungsschwierigkeiten. Ziel müsse es sein, die Besuche so zu regeln, dass nicht alle Besucher zur selben Zeit erscheinen. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich zu viele Menschen in einem Patientenzimmer aufhalten – wodurch wiederum das Infektionsrisiko steige.

Zur Gewährleistung der Patientensicherheit, aber auch zum Wohl der Besucher und Mitarbeiter müsse eine neue Infrastruktur geschaffen werde, fordert die HBK. Die zur Einhaltung der Besucherregelungen erforderlichen zusätzlichen Anforderungen (wie kontrollierte Eingänge, Sicherheitsschleusen, EDV-Lösungen) sowie personellen Ressourcen (Erfassen der Besucher am Empfang, Befragung zum Gesundheitszustand, Kontrolle der Besucheranzahl) könnten in der Kürze der Zeit nicht umgesetzt werden.

Prof. Dr. Steffen Gramminger, geschäftsführender Direktor der HKG, fordert daher, eine Besucher-App zu entwickelt. Über die App könne dann eine Besuchszeit gebucht werden und der Besucher einchecken. Über die Anzahl der Besucher-Plätze könnten zudem bestimmte Situationen – wie eine besondere Infektionslage – abgebildet werden, so Gramminger.

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