58-jähriger Kasseler hatte Geld Bedürftiger zweckentfremdet – 1200 Euro Geldstrafe

Betreuer wegen Untreue verurteilt

Kassel. Selten wurde vor dem Kasseler Amtsgericht so viel über Vertrauen gesprochen – enttäuschtes Vertrauen. Auch der Angeklagte, ein 58-jähriger Mann aus Kassel, sprach davon: „Mein Fehler war, dass ich Menschen vertraut habe.“

Verurteilt wurde er am Donnerstag zu einer Geldstrafe von 1200 Euro wegen zweifacher Untreue: Er hatte als selbst ernannter Betreuer das Geld Bedürftiger verwaltet und dabei einen unbekannten Betrag, wahrscheinlich rund 1500 Euro, zweckentfremdet.

Obwohl er selbst von Hartz IV lebte, hatte er an der Weserspitze eine Sozialstation betrieben, wo er Speisen und Getränke anbot. Einige seiner Kunden vertrauten ihm auch ihr weniges Geld an und ließen ihn ihre Rechnungen begleichen. Eine Weile ging das gut. Aber dann, Ende 2009, habe er auf Geheiß des Ordnungsamts Renovierungsarbeiten in der Station machen lassen müssen, wie er angab. Und diese offenbar mit fremdem Geld bezahlt.

Zwei geprellte „Mandanten“ des Angeklagten hatten im Januar 2010 Anzeige erstattet. „Am liebsten würde ich das rückgängig machen“, meinte jetzt einer von ihnen, der noch 400 Euro zu kriegen hatte. Er habe inzwischen erfahren, dass auch der Angeklagte „abgezockt“ worden sei. „Ich kann den Mann nicht belasten, der ist kein richtiger Betrüger“, sagte er. Der zweite Geschädigte, der mehr als 1000 Euro verloren hatte, war weniger versöhnlich gestimmt.

Immer wieder habe ihn der 58-Jährige vertröstet, erinnerte er sich bitter. „Ich habe alles in einen Pott getan und hätte das Geld natürlich wieder ausgezahlt“, beteuerte der Angeklagte. Er habe sich auf einen Bekannten verlassen, der ihm ein Darlehen versprochen habe. Der Bekannte allerdings wollte vor Gericht von einer Geldzusage nichts wissen.

Und der Darlehensvertrag über 10 000 Euro? „Den muss er mir im Suff untergeschoben haben“, betonte der Zeuge. „Ich habe doch selbst kein Geld.“

Ursprünglich war dem Angeklagten auch Betrug vorgeworfen worden. Er hatte eine Wohnung angemietet, die er sich gar nicht leisten konnte. Auch hier suchte er die Schuld bei jemand anderem, dem Vermieter.

Der habe ihn getäuscht, ihm verschwiegen, dass Strom und Gas noch extra zu bezahlen waren. In diesem Punkt stellte das Gericht das Verfahren ein, mit Blick auf die schwerer wiegenden Untreuevorwürfe. So blieb offen, ob nicht der Angeklagte den Vermieter getäuscht hatte, indem er sich als städtischer Angestellter mit festem Gehalt ausgab.

Der 58-Jährige warb noch im Gerichtssaal um neues Vertrauen. Er werde alles Geld an seine Mandanten zurückzahlen, versicherte er. (psü)

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