Sozialkonzern AKGG: Mitarbeiter sollen sich selbst aus der Insolvenz kaufen

Betrieb trägt sich wieder

Zentrale eines Sozialkonzerns: Die Geschäftsführungen des insolventen AKGG und der ebenfalls insolventen „Buntstift“ sitzen an der Weißenburgstraße in Kassel. Foto: Koch

Kassel. Gute Nachrichten für die Mitarbeiter des insolventen Sozialkonzerns AKGG: Der Betrieb des Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung wirft genug Geld ab, sodass die Gehälter ab Februar wieder gezahlt werden können. Das teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Carsten Koch am Donnerstagabend während einer Mitarbeiterversammlung mit.

Drei Monate lang wurden die 253 Mitarbeiter über das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur bezahlt. Diese Überbrückung läuft Ende Januar aus. Dann wird das Amtsgericht Fritzlar voraussichtlich auch das reguläre Insolvenzverfahren eröffnen.

Laut Koch gehe es nun darum, einen oder mehrere Investoren zu finden, die den Betrieb langfristig weiterführen. Eine Möglichkeit bestehe in einer Auffanggesellschaft, an der sich der bisherige Träger der gemeinnützigen AKGG GmbH, der AKGG e. V., aber auch die Mitarbeiter beteiligen könnten.

Freiwillige Beteiligung

Dazu stellte Koch auf Einladung des Betriebsrats drei Varianten vor: Die Mitarbeiter können auf Gehalt verzichten, einen Betrag ihrer Wahl spenden oder ein nachrangiges Darlehen gewähren, das erst zurückgezahlt wird, wenn das Unternehmen dazu in der Lage ist. Wer sich in welcher Höhe beteilige, sei jedem freigestellt, betonte Koch.

Wie viel Geld benötigt werde, um die Forderungen der Gläubiger zu befriedigen und den Betrieb fortzusetzen, wollte Koch nicht kommentieren. Das hänge auch davon ab, in welchem Umfang der AKGG in Zukunft arbeite: „Oberstes Ziel ist, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.“

Sollte der Beitrag des AKGG-Trägervereins und der Mitarbeiter nicht genügen, könnten sich weitere Investoren beteiligen, mit denen bereits Gespräche geführt würden. Am Ende entscheide die Gläubigerversammlung. Die endgültige Lösung solle aber nicht zu lange hinausgezögert werden, sagte Koch.

Der Insolvenzverwalter hatte während der Versammlung, an der über 150 Beschäftigte teilnahmen, die Angestellten kritisiert. Sie hätten sich zu sehr auf die drei ehrenamtlichen Geschäftsführer verlassen, die seit November die Geschicke des Sozialkonzerns leiten. Die große Mehrheit der Mitarbeiter habe aber nun signalisiert, sich für die Rettung des AKGG einsetzen zu wollen. „Das wollte ich hören“, sagte Koch.

Der AKGG betreibt in Stadt und Landkreis Kassel sowie den Kreisen Schwalm-Eder und Werra-Meißner zahlreiche soziale Einrichtungen. Darunter sind vier Kindertagesstätten und eine Schule in Kassel sowie Jugendhilfeeinrichtungen und Beratungsstellen.

Von Marcus Janz

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