Betrugsfall EFB-Nova: Teile der 4,9 Millionen Euro von Kleinanlegern flossen in Luxusautos und Motorräder

„Klassenbester“ griff Staatsanwalt an

Kassel. Nur kurz äußerten sich die fünf Angeklagten beim Auftakt zu ihren Tätigkeiten rund um den Betrugsprozess gegen Verantwortliche der Firma EFB-Nova GmbH vor dem Kasseler Landgericht.

Sie sollen teils maßgeblich daran beteiligt gewesen sein, dass 192 Kleinanleger in den Jahren 2007 und 2008 4,9 Millionen Euro verloren haben. Mittlerweile ist die EFB-Nova in der Insolvenz.

Ralf P. aus Oberhausen, einer der Angeklagten, äußerte sich schon am ersten Verhandlungstag ausführlich und versuchte so offenbar Glaubwürdigkeit und Seriosität zu vermitteln. Geprägt habe ihn bereits seine christliche Erziehung, sagte der 49-Jährige. Zur Schulzeit sei er nicht nur einmal „Klassenbester“ gewesen. Nach seiner Ausbildung in der Stadtverwaltung von Mühlheim an der Ruhr sei er als Dezernent in der Verwaltung von Frankfurt/Oder tätig gewesen.

Hintergrund - Mammutprozess um Anlagebetrug

Eineinhalb Stunden hat es gedauert, bis Staatsanwalt Fabian Ruhnau am Montag die 38 Seiten der Anklage verlesen hatte. Darin aufgeführt ist jeder einzelne Zahlungseingang der 192 geprellten Anleger. Sie haben jeweils zwischen 5000 und 120 000 Euro überwiesen. Einer von ihnen ist der Angeklagte Ralf P. selbst, er legte 25 000 Euro an. In Aussicht gestellt wurden jährliche Dividenden und Gewinnbeteiligungen von zehn bis 14 Prozent. Das Betrugsverfahren gegen die EFB-Nova GmbH beschäftigt das Landgericht noch bis in den Sommer. 47 Prozesstage sind angesetzt, und 317 Zeugen sollen gehört werden.

1998 sei er aus diesem politischen Amt abgewählt worden und machte „mein Hobby zum Beruf“. Seit dem Jahr 2000 arbeitete er als selbstständiger Anlageberater. Dabei sei es ihm nie allein ums Verkaufen gegangen. Gemeinsam mit einem Netzwerk aus anderen Beratern habe er vielmehr „langfristige Kundenbeziehungen“ aufgebaut. Zudem habe er sich weitergebildet und selbst angehende Anlageberater geschult.

Seit „die bedauerlichen Vorfälle“ im Juni 2008 bekannt wurden, arbeite er nicht mehr in der Branche. „Ich habe nie für möglich gehalten, dass mir so etwas passiert“, sagte der 49-Jährige. Schmerzlich sei das alles, weil die meisten der von ihm geworbenen Anleger Freunde und Angehörige seien.

Vorwürfe machte P. der Staatsanwaltschaft, die sich zu wenig darum kümmere, das Geld der geprellten Anleger aufzuspüren. „Es muss doch ermittelbar sein, wo das Geld ist“, mutmaßte er. „Da ist zu wenig gemacht worden.“ Die Vorwürfe gegen sich bezeichnete er als „absurd“.

Zuvor hatte Staatsanwalt Fabian Ruhnau über eineinhalb Stunden die Anklage verlesen. In deren Zentrum steht der Geschäftsführer der Kasseler EFB-Nova GmbH, Thomas G., der vor etwa einem Jahr noch in Kassel wohnte und inzwischen nach Köln umgezogen ist.

Mithilfe von Ralf P. und Bernd A. aus Kassel soll G. in den Jahren 2007 und 2008 über Vermittler das Geld von 192 Anlegern eingesammelt haben. 2,3 Millionen Euro seien an die Firma von Wolfgang M. aus Bad König geflossen. Die habe so genannte Screen-info-Systeme entwickeln und vertreiben wollen – ein „völlig sinnloses Geschäftsmodell“, wie Staatsanwalt Ruhnau sagte. Den Beteiligten sei das „extrem hohe Totalverlustrisiko“ bewusst gewesen.

M. sitzt seit Juni 2009 in Untersuchungshaft, ebenso wie Sylvia S. aus Heppenheim. In ihre GmbH soll mindestens eine Million Euro geflossen sein. Eigentlich sollte das Geld in die Entwicklung und den Vertrieb von Lackierstraßen investiert werden. Passiert sei das nicht. Stattdessen habe S. mit dem Geld unter anderem Leasingverträge für ein Harley-Davidson-Motorrad und einen Maserati abgeschlossen. 

Von Claas Michaelis

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.