Betrugsprozess: Unternehmensberater aus Fuldabrück verurteilt

Kassel. Es war alles andere als ein gewöhnlicher Betrugsprozess, der gestern im Kasseler Landgericht zuende ging: Ein Schaden von über 870.000 Euro, über 230 geprellte Geschäftsleute bundesweit, über 170 geladene Zeugen, über 30 Verhandlungstage.

Im Mittelpunkt: eine frühere Unternehmensberatungsfirma aus Fuldabrück, die im großen Stil die Vermittlung von EU-Fördergeldern versprochen, die zugesagten Leistungen aber nie erbracht hatte. Der 45-jährige Firmengründer und der 46-jährige Ex-Büroleiter wurden nun verurteilt. Den Firmengründer befand die Kammer des mehrfachen Betruges sowie der mehrfachen Steuerhinterziehung und Insolvenzverschleppung für schuldig und verhängte eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten.

„Er hatte die Idee und hat die wesentlichen Vorteile daraus gezogen“, so der Vorsitzende Richter Pierre Brandenstein. Sofern noch Geld auffindbar sein sollte, darf der Staat bei dem 45-Jährigen bis zu 829.356,50 Euro sichern, um damit Geschädigten ihr Geld zurückzuzahlen. Der Ex-Büroleiter wurde wegen mehrfachen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Gericht ging davon aus, dass er erst zu einem späteren Zeitpunkt Mittäter geworden sei.

Er habe einen Schaden von 390.000 Euro mitverschuldet und daraus rund 21 000 Euro - vorwiegend in Form von Lohn - bezogen. Der 45-Jährige Firmengründer legte schließlich ein Geständnis ab: Er habe sich die Infos zu den Fördermiteln im Internet zuammengesucht. „Rücksicht auf die spätere Umsetzbarkeit“ habe er nicht genommen.

Staatsanwalt Fabian Ruhnau führte am Freitag aus, das gesamte Geschäftsmodell sei betrügerisch gewesen: Selbst wenn die Firma Beratungsleistungen erbracht hätte, hätten diese nicht förderfähig sein können. Jedenfalls nicht legal. Den Kunden versprochen worden waren bis zu 60 000 Euro aus dem EU-Sozialfonds. Voraussetzung: Ein 300 bis 4000 teurer Beratungsvertrag mit der Firma aus Fuldabrück. (kaj)

Rubriklistenbild: © dpa

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