Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Betrugsverdacht bei Max Bahr: Kunden mussten an der Kasse mehr zahlen

Kassel / Vellmar. Betrug statt Schnäppchen im Ausverkauf? Die Kasseler Polizei ermittelt gegen das insolvente Unternehmen Max Bahr mit Hauptsitz in Hamburg wegen des Verdachts des Betrugs und eines Verstoßes gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Der Vorwurf:

Im Markt in Vellmar ist ein Teil der Ware günstiger ausgezeichnet, als später tatsächlich an der Kasse zu zahlen ist.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen Bahr-Kunde Jürgen Oberbeck aus Calden. Er hatte sich im Vellmarer Markt über die Preis-Trickserei beschwert. Der Marktleiter rief die Polizei, um den Kunden des Hauses verweisen zu lassen (siehe auch unten). Doch dabei stellten die beiden eingesetzten Polizisten die Verstöße des Marktes fest.

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Polizeisprecherin Sabine Knöll bestätigt diesen Vorfall. Zwei Beamte des Reviers Nord aus Vellmar seien am Donnerstagnachmittag zu dem Baumarkt gerufen worden, weil es offenbar Probleme mit Kunden gegeben habe. Vor Ort habe sich herausgestellt, dass die Kunden an der Kasse mehr für die Ware hätten zahlen sollen, als auf den Preisschildern an den Regalen stand.

Knöll nennt als Beispiel einen Schraubendreher, der mit 1,08 Euro ausgezeichnet worden war, an der Kasse aber plötzlich 35 Cent mehr (also 1,43 Euro) kosten sollte. Die Beamten des Reviers Nord hätten im Markt festgestellt, dass es sich bei der falschen Auszeichnung der Preise weder um einen Einzelfall und auch nicht um ein Versehen handele, sagt Knöll. Deshalb seien die Ermittlungen aufgenommen und das Ordnungsamt der Stadt Vellmar informiert worden, das die Gewerbeaufsicht einschalten soll.

Letztlich hätten die betroffenen Kunden dann doch die Differenzsumme an der Kasse ausbezahlt bekommen.

Frank Hachmann, Geschäftsführer der Max-Bahr-Zentrale in Hamburg, wusste am Freitagnachmittag noch nichts von den Ermittlungen der Kasseler Polizei gegen das Unternehmen. „Bei uns ist noch nichts aufgelaufen, da müssen wir noch abwarten.“

Hachmann wies den Vorwurf zurück, dass man die Kunden bewusst über die Preise täuschen wolle. „Bei uns gibt es keinerlei Anweisungen, dass widersprüchliche Preisaussagen getroffen werden sollen“, sagte Hachmann gegenüber der HNA. Ob im normalen Geschäft oder im Abverkauf - „die Ware muss immer vernünftig ausgezeichnet werden“. Ob es im Vellmarer Markt Defizite bei der Auszeichnung gegeben habe, können er nicht beurteilen. „Ich habe die Schilder nicht gesehen.“

Von Jörg Steinbach und Ulrike Pflüger-Scherb 

Dann gab es doch noch Geld zurück

Sieben Teile für insgesamt 38,26 Euro hatte Jürgen Oberbeck aus Calden im Max-Bahr-Markt in Vellmar gekauft. 60 bis 70 Prozent Preisnachlass wollte er sich nicht entgehen lassen. Als er zu Hause noch mal auf den Kassenzettel schaute, stellte er fest: Dort waren ganz andere Preise abgerechnet worden, als am Regal ausgezeichnet waren.

Am nächsten Tag stellte Oberbeck den Marktleiter zur Rede. „Billig auszeichnen, teurer abrechnen, das geht nicht“, sagte sich der Kunde. Der Marktleiter lehnte eine Erstattung des Mehrbetrags ab und verwies Oberbeck des Hauses. Weil der Kunde nicht gehen wollte, sondern auf sein Recht pochte, wurde die Polizei gerufen.

Die Beamten ließen sich die Sache schildern, und statt den Kunden aus dem Haus zu begleiten, konfrontierten sie den Marktleiter mit dem Betrugsvorwurf und einem Ermittlungsverfahren. „Die Polizisten waren fit und fähig“, freut sich Oberbeck. Er bekam übrigens seine zu viel gezahlten 8,74 Euro dann doch noch zurück. Nach dem Einschreiten der Polizei und einem Telefonat des Marktleiters mit der Bahr-Zentrale in Hamburg „ging das dann plötzlich doch“, berichtet Oberbeck.

Und ebenso plötzlich seien neue Preisschilder angebracht worden, schildert er seine Beobachtungen. (ach)

Rubriklistenbild: © dpa

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