Schaden soll bei 1,4 Millionen Euro liegen

Betrugsverdacht gegen Mario D.: Versicherung im Zwielicht

Kassel. Im Skandal um die mutmaßlichen Betrügereien des früheren Vorsitzenden des Handballvereins HSG Zwehren, Mario D., gerät die D.A.S.-Versicherung immer mehr ins Zwielicht.

Nach Aussagen eines ehemaligen Versicherungsvertreters musste die D.A.S. von den Machenschaften ihres Vertreters Mario D. wissen. Der wird verdächtigt, Verträge gefälscht und Kunden bei Geldanlagen übers Ohr gehauen zu haben. Der Schaden soll bei 1,4 Millionen Euro liegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Lesen Sie auch:

- Kritik an Versicherung: Ex-Vereinschef richtete Millionen-Schaden an

Der Informant, der jetzt gegenüber der HNA auspackte, war selbst jahrelang Vertreter der D.A.S. Er war bei der Versicherung fest angestellt, bevor er sich selbstständig machte. Er sagt: „Spätestens seit 2008 wusste die D.A.S, dass Mario D. krumme Dinger macht.“ Denn schon damals war ein Vorfall aufgeflogen. D. hatte offenbar auf den Namen und die Adresse eines mittelständischen Betriebes aus dem Schwalm-Eder-Kreis eine Gruppen-Unfallversicherung ausgestellt.

Die Firma hatte diese Versicherung aber nie abgeschlossen. Diese Fälschung, so der Informant, sei auch Thema bei einem Gespräch mit dem Chef der D.A.S-Bezirksdirektion Kassel gewesen. Der habe also von dem Vorfall gewusst. Der Bezirksleiter hatte vor zwei Wochen gegenüber der HNA gesagt, er habe erst im Juli 2012 von den Machenschaften erfahren, frühere Vorfälle seien ihm nicht bekannt. Zu den neuen Vorwürfen wollte er sich nicht äußern. Zuständig sei die Pressestelle des D.A.S.-Mutterkonzerns Ergo.

Dort heißt es, dass man sich selbst als von Mario D. geschädigt betrachte. So habe dieser zum Beispiel das Logo einer Konzerntochter missbraucht, um bei Kunden eine Geschäftsbeziehung vorzutäuschen. Die Ergo habe inzwischen Anzeige gegen Mario D. erstattet. Mehr könne man nicht sagen, da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handele. Unterdessen melden sich immer mehr frühere Kunden, die sich von Mario D. betrogen fühlen.

Bei einer Frau hatte Mario D. offenbar die Beiträge für eine angeblich abgeschlossene Krankenversicherung der DKV (gehört auch zur Ergo-Gruppe) kassiert. In Wirklichkeit war die Frau gar nicht versichert - Mario D. hatte der Kundin mit einem gefälschten Fax weisgemacht, dass sie eine Krankenversicherung habe. Als die Kundin den Betrug bemerkte, informierte sie die Versicherung - aber nichts geschah. Die Frau, deren Versicherungsvertreter Mario D. von 2005 bis 2007 war, zur HNA: „Die Versicherung hätte ihm schon 2007 das Handwerk legen können.“

Von Frank Thonicke

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.