Drogenhilfe Nordhessen bietet im Winter Notschlafstelle im Café Nautilus an

Betten für Suchtkranke

Warmer Platz im Winter: Die Notschlafstelle der Drogenhilfe Nordhessen öffnet jeden Abend um 20 Uhr. Archivfoto:  Schoelzchen / nh

Kassel. Etwa 2000 Menschen in Stadt und Landkreis Kassel sind suchtkrank und dabei von harten Drogen wie Heroin oder Kokain abhängig. Viele von ihnen leben auf der Straße – auch in diesen kalten Tagen. Für sie hat jetzt wieder die Notschlafstelle der Drogenhilfe Nordhessen geöffnet. Sieben Betten in drei Zimmern stehen an der Erzbergerstraße 45 bis Mitte März zur Verfügung.

Der Bedarf ist nach Angaben der Drogenhilfe da: Im vergangenen Jahr zählten die Mitarbeiter 134 Übernachtungstage mit insgesamt 556 Übernachtungen. Dass die Notschlafstelle als zusätzliches Angebot des Café Nautilus nunmehr zum fünfzehnten Mal öffnen kann, ist der Stadt Kassel zu verdanken, die das Projekt seit dem Winter 1996/97 finanziell unterstützt  – in diesem Jahr mit 27 250 Euro. „Wir brauchen die Notschlafstelle für Drogenabhängige und sind von der qualitätsvollen Arbeit der Drogenhilfe Nordhessen überzeugt“, sagt Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel.

„Menschen vor dem Erfrierungstod zu bewahren – darum geht es in erster Linie“, sagt Britt Mareen Hildes. Denn ähnlich wie Alkoholkranken fehle Drogenabhängigen die Sensibilität für Kälte. Schwere Unterkühlungen können die Folge sein, berichtet Hildes.

Die Mitarbeiterin der Drogenhilfe Nordhessen organisiert die Notschlafstelle für wohnungslose Drogenabhängige in einem Nebengebäude des Café Nautilus. Der so genannte Kontaktladen ist eine Anlaufstelle für Menschen, die von illegalen Drogen abhängig sind. Hier können die Betroffenen ausruhen vom Szene-Stress, sich Wunden verbinden lassen, Spritzen tauschen, duschen, einen warmen Tee trinken – und günstig essen. Neben diesen unmittelbaren Hilfen gehe es den Mitarbeitern des Café Nautilus auch darum, Kontakt zu Suchtkranken aufzubauen. Man wolle allgemeine Unterstützung anbieten, um Verelendung aufzuhalten und menschwürdigere Lebensbedingungen zu schaffen.

„Über Angebote wie Kondomvergabe, ärztliche Sprechstunden oder Sozialberatung versuchen wir, eine Brücke zu bauen zu anderen Hilfen“, sagt Angela Waldschmidt, Geschäftsführerin der Drogenhilfe Nordhessen. „Manche kommen nur für eine Nacht, andere bleiben länger“, sagt die Leiterin. Zwar gehe es zunächst um Überlebenssicherung, doch in der Notschlafstelle werde auch versucht, ein Vertrauensverhältnis zu den Klienten aufzubauen, das die Vermittlung in weitere Hilfen ermöglicht. Laut Waldschmidt ist die Zahl der suchtkranken Menschen seit Jahren relativ stabil. Nach Angaben von Polizeisprecherin Sabine Knöll starben im vergangenen Jahr vier Menschen in der Stadt und zwei im Landkreis an den Folgen illegaler Drogen. In diesem Jahr waren vier Tote in der Stadt zu beklagen. (abe/use)

Öffnungszeiten Café Nautilus, Erzbergerstraße 45, Montag und Mittwoch: 12 bis 17 Uhr, Freitag: 12 bis 16 Uhr.

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