Bettenhausen - der letzte Güterbahnhof im Stadtgebiet

So sah er früher aus: Der alte Bettenhäuser Bahnhof – hier ein Foto von 1944 – wurde im Krieg schwer beschädigt und später nur notdürftig wieder aufgebaut. Foto:  Stadtarchiv/nh

Bettenhausen. Dichtes Brombeergestrüpp wuchert vor der Rampe des früheren Güterschuppens. Das Gleis, das direkt an die Hallen führte, ist längst abgerissen – ebenso wie der Empfangsbau vorn an der Leipziger Straße, denn am Bettenhäuser Bahnhof fährt längst kein Personenzug mehr.

Für den Gütertransport im Kasseler Südosten aber ist das Gelände zwischen Söhre- und Ochshäuser Straße nach wie vor von hoher Bedeutung: als einziger Güterbahnhof, der im Stadtgebiet noch besteht.

Kennt das Geschäft: Eisenbahner Norbert Koch vom Schienenverkehrsunternehmen Die-Lei, hier am Bettenhäuser Bahnhof vor einer Lok der Eisenbahnfirma RBH Logistics. Foto:  Schwarz

Hin und wieder durchquert Eisenbahner Norbert Koch auf einer Lok das Areal, das sich im Bahnhofsbereich auf 17 Abstellgleise verbreitert. Vor vier Jahren sei hier jede Menge Betrieb gewesen, erzählt er: Nachdem der Jahrhundert-Orkan Kyrill ungezählte Bäume in Nordhessens Wäldern umgeworfen hatte, diente der Bahnhof Bettenhausen monatelang in großem Stil als Umschlagplatz für Stammholz. „Aber heute ist es ja hier ziemlich ruhig geworden“, sagt der 40-Jährige, der bei der Gleisbau- und Bahnfirma Die-Lei beschäftigt ist.

Für die DB Netz AG ist der Güterbahnhof mit seinen 4,5 Kilometer Gleisanlagen gleichwohl bedeutsam. Er dient als Knotenpunkt, um die Industriegebiete Kaufungen-Papierfabrik und Waldau mit Güterwaggons zu erreichen. Die werden mehrmals täglich vom Rangierbahnhof unterhalb des Tannenwäldchens nach Bettenhausen gezogen, dort neu zusammengestellt und weiter auf Firmen-Anschlussgleise geschoben. Außerdem fahren durchgehende Kesselwagenzüge zum nahen Tanklager an der Söhrestraße. Nach Angaben der Bahn gehören weiterhin Stahlfirmen, Kfz-Zulieferer, Speditions- und Logistikunternehmen zu den Kunden der Güterverkehrstochter DB Schenker Rail. Nähere Angaben zum Frachtaufkommen machte ein Sprecher nicht.

Zwei Lokomotiven hat das Unternehmen auf dem Bahnhofsgelände stationiert. Laut Auskunft der Bahn arbeiten dort 20 Mitarbeiter im Rangier- und Zugfahrdienst sowie an den beiden Stellwerken, die sich im Fahrdienstleitergebäude und in einem Weichenwärterhaus an der östlichen Ausfahrt des Areals befinden. Die alte Hebelstellwerkstechnik sei „noch komplette Handarbeit“, sagt Eisenbahner Koch: „Oben in Wilhelmshöhe werden nur noch Knöpfe gedrückt.“

Zu den Nutzern der Gleisanlagen gehören auch bahnfremde Schienenverkehrsunternehmen wie Kochs Arbeitgeber Die-Lei. Bis zum vergangenen Sommer noch hatte die Firma die Gleisstrecke vom Bettenhäuser Bahnhof zum alten Fuldahafen genutzt und dort ihre Fahrzeuge abgestellt. An der Einmündung der Sandershäuser auf die Leipziger Straße hatte es stets für Aufsehen gesorgt, wenn eine Lok oder ein ganzer Zug im Kriechtempo über den Kreuzungsbereich fuhr.

Auch dieses Kapitel der Bettenhäuser Bahnhofsgeschichte ist inzwischen zu Ende: „Unsere Wagen wurden dort immer kaputtgeschlagen oder als Toilette benutzt“, sagt Koch. Heute habe seine Firma Abstellgleise am Kasseler Rangierbahnhof gemietet.

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