Ortsbeirat: „Wie es ist, kann es nicht bleiben“

Anwohner des Bettenhäuser Dorfplatzes klagen über Lärm und Müll

Die Ortsbeiratsmitglieder Alfons Fleer (Mitte, mit seinem Enkel Finn) und Maximilian Schäfer auf dem Bettenhäuser Dorfplatz in Kassel-Bettenhausen.
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Tagsüber sieht es hier richtig schön aus: Die Ortsbeiratsmitglieder Alfons Fleer (Mitte, mit seinem Enkel Finn) und Maximilian Schäfer auf dem Bettenhäuser Dorfplatz.

Der Bettenhäuser Dorfplatz ist ein Idyll, doch immer mehr Anwohner beschweren sich über Lärm, Müll und Saufgelage. Hilft ein Alkoholverbot?

Bettenhausen – Für Maximilian Schäfer geht gerade ein Stück Kindheit kaputt. Der 18-Jährige wohnt ganz in der Nähe des Bettenhäuser Dorfplatzes und sagt: „Ich bin quasi auf dem Platz aufgewachsen, aber jetzt fühle ich mich hier nicht mehr wohl, wenn ich drübergehe.“

Auf dem vor einigen Jahren liebevoll sanierten Platz im alten Ortskern an der Losse treffen sich fast jeden Abend bei schönem Wetter Familien und deren Freunde – zum Ärger der Anwohner. Vor allem Männer trinken Alkohol, urinieren auf die Grünflächen. Die Kinder spielen gegen Häuserwände Fußball, statt auf dem nahe gelegenen Bolzplatz zu kicken. Fast jeden Morgen sei der Platz vermüllt, und zwar nicht nur mit Sonnenblumenkernen, die die Besucher ausspucken, klagt Schäfer.

Ähnliche Beschwerden gibt es schon länger, aber so schlimm wie in diesem Jahr sei es noch nie gewesen, sagt ein Anwohner, dessen Sohn den Platz meidet, weil es dort nur Ärger gebe. Schäfer, Vorsitzender der Jungen Union Kassel, hat sich auch wegen dieses Problems für die CDU in den Ortsbeirat wählen lassen: „Wie es ist, kann es nicht bleiben, aber im Ortsbeirat tut sich einfach nichts.“

Das Heikle ist: Der Platz wird vor allem von Bulgaren als Treffpunkt genutzt, die in drei Mehrfamilienhäusern in der Erfurter Straße wohnen. Mit wem man rund um den Platz auch spricht: Niemand will pauschal eine Gruppe verurteilen. Aber das Grünen-Ortsbeiratsmitglied Alfons Fleer sagt: „Es ist mir egal, ob jemand Deutscher ist oder nicht. Regeln müssen auch von jenen eingehalten werden, die kein Deutsch sprechen.“

Auch Peter Diel, dem die Häuser in der Erfurter Straße gehören, ist unzufrieden mit der Situation. Nachdem seine bulgarischen Mieter in der Vergangenheit den Garten regelmäßig als Grillplatz genutzt und ihre Notdurft dort verrichtet hätten, verbot er ihnen den Zugang zum Grün im Hinterhof. Seitdem treffen sich die Familien noch öfter auf dem Dorfplatz. Ein Anwohner, Vater von drei Kindern, klagt: „Es gibt keine Ruhe hier.“ Deswegen sucht der 53-Jährige bereits seit einem Jahr eine neue Wohnung – bislang vergebens.

Vermieter Diel weiß auch keine Lösung für das Problem. Seiner Ansicht nach müsste das Ordnungsamt dort öfter kontrollieren. Das passiert bereits, wie ein Sprecher der Stadt sagt: Der Platz werde „regelmäßig, mitunter mehrmals täglich von der Stadtpolizei angefahren“. Die temporären Probleme seien bekannt. Auch bei der Polizei gingen zuletzt einige Beschwerden ein. „Aber nicht deutlich mehr als an vergleichbaren Orten“, sagt eine Sprecherin.

Ein Alkoholverbot, das die Ortsbeiratsmitglieder Schäfer und Fleer fordern, ist laut Stadt rechtlich nicht umsetzbar. Dazu müsste „das Trinken von Alkohol mit hinreichender Wahrscheinlichkeit regelmäßig mit der Begehung von Straftaten verbunden“ sein. Das sei nicht der Fall.

Auf das Müllproblem haben die Stadtreiniger bereits reagiert. Seit diesem Sommer machen sie nicht nur alle zwei Wochen sauber, sondern haben zusätzliche Reinigungen eingeführt.

Auch Ortsvorsteher Volker Zeidler weiß, dass die Situation unbefriedigend ist: „Da muss sich was ändern.“ Die Kritik seiner Kollegen im Ortsbeirat, dass er das Problem nicht angehe, kann der Sozialdemokrat nicht verstehen: „Wollen die, dass ich mich dahin stelle und den Schutzmann spiele? Das ist Aufgabe des Ordnungsamts und der Polizei.“

Am Sonntag startete beim Kram- & Vielmarkt auf dem Dorfplatz ein ungewöhnliches Projekt von Ausländerbeirat und Frauenausschuss, das den Ort wieder attraktiver machen könnte. Unter dem Motto „Ohne Mühe kein Müll“ gab es unter anderem Bastelaktionen mit Sonnenblumenkernen, damit die künftig nicht mehr einfach ausgespuckt werden. (Matthias Lohr)

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