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Ärger um Abriss am Leipziger Platz: Ortsvorsteher kritisiert Stadtbaurat

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Von: Matthias Lohr

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Hier stehen nur noch drei von fünf Häusern aus der Gründerzeit: Baustelle am Leipziger Platz im Stadtteil Bettenhausen.
Hier stehen nur noch drei von fünf Häusern aus der Gründerzeit: Baustelle am Leipziger Platz im Stadtteil Bettenhausen. © Amir Selim

Am Leipziger Platz in Bettenhausen wurden Häuser aus der Gründerzeit abgerissen. Der Ortsversteher kritisiert den Stadtbaurat, weil der Ensembleschutz nicht berücksichtigt wurde.

Bettenhausen – Ortsvorsteher Volker Zeidler sorgt sich um das Zentrum von Bettenhausen. Direkt am Leipziger Platz wurden zwei mehr als 110 Jahre alte Häuser abgerissen. Von den ursprünglich fünf Häusern an der östlichen Seite stehen nur noch drei. Die Grundstücke Dormannweg 7 und 9 liegen brach. Zeidler hat dafür kein Verständnis. Seinen Unmut hat der SPD-Politiker bereits Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) mitgeteilt. Seine Kritik: In Bettenhausen gehe man mit historischer Bausubstanz weniger sensibel um als im Westen der Stadt.

Im Vorderen Westen, urteilt Zeidler, achte man selbst beim Aufstellen von Fahrradbügeln auf „Kleinmosaik“. Dagegen „dürfen in Bettenhausen die letzten Häuser aus der Gründerzeit abgerissen werden“. Über die Entscheidungen in Noldas Amt für Stadtplanung, Bauordnung und Denkmalschutz könne „man nur den Kopf schütteln“.

Die Kritik des ehemaligen Stadtverordnetenvorstehers geht noch weiter. So sei der Ortsbeirat über die Pläne des Investors nicht informiert worden. Das müsse laut der Geschäftsordnung der Ortsbeiräte jedoch geschehen, wenn das Ortsbild wesentlich verändert werde. Dieses Vorgehen sei nicht hinnehmbar.

Zeidler befürchtet, dass der Investor, der Betreiber der Firma Waeiss Automobile in der Leipziger Straße, ein Teil seines Geschäfts dorthin verlegen wolle. Für die städtebauliche Entwicklung des Leipziger Platzes wäre dies „eine Oberkatastrophe“. Es könne nicht sein, „dass mit amtlicher Genehmigung ein innerstädtischer Platz verschandelt wird“.

Im Rathaus versteht man Zeidlers Kritik nicht. Der Abbruch des Wohn- und Geschäftsgebäudes sei Anfang des Jahres antragsgemäß mit Nebenbestimmungen genehmigt worden, wie ein Stadtsprecher auf Anfrage sagt. Es handele sich nicht um ein Kulturdenkmal, auch einen Ensembleschutz gebe es nicht.

Laut dem Sprecher gibt es keine Vorschrift, Ortsbeiräte über Abbrüche einzelner Wohn- und Geschäftsgebäude zu informieren. Aber: „Sofern es sich um ein größeres Projekt handelt, wird auch hier wie üblich der Ortsbeirat nach Abschluss der baurechtlichen und planungsrechtlichen Prüfung informiert.“

Der Investor selbst will die Öffentlichkeit später über seine Planungen informieren. Gegenüber unserer Zeitung erklärte ein Familienmitglied, dass in dem Neubau Wohnungen und zwei Geschäfte entstehen sollen. Eine Bäckerei solle den Leipziger Platz attraktiver machen. Mit dem Bau werde vermutlich noch in diesem Jahr begonnen. Mitte nächsten Jahres könne man fertig sein. (Matthias Lohr)

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