Bettenhäuser Unternehmer ist froh über Zustimmung des Denkmalschutzes

Altes Fachwerkhaus in Bettenhausen darf abgerissen werden

Darf das Fachwerkhaus auf seinem Betriebsgelände abreißen: Frank Baum von den Baum & Söhne Möbelwerkstätten an der Sandershäuser Straße.
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Darf das Fachwerkhaus auf seinem Betriebsgelände abreißen: Frank Baum von den Baum & Söhne Möbelwerkstätten an der Sandershäuser Straße.

Seit Jahren gab es Ärger um ein zuletzt einsturzgefährdetes Haus an der Sandershäuser Straße 17. Nun darf das 160 Jahre alte Fachwerkhaus, das unweit der Salzmannfabrik steht, abgerissen werden.

Kassel - Die Bauaufsicht habe ihr Einverständnis dazu gegeben, so ein Stadtsprecher. Eigentümer Frank Baum von den Baum & Söhne Möbelwerkstätten ist froh über die Entscheidung. Die Abrissarbeiten laufen bereits.

Schon seit einigen Jahren will Baum das Gebäude auf seinem Betriebsgelände abreißen lassen. „Nachdem ich den Putz an einigen Stellen entfernt hatte, war klar, dass fast alle Balken ausgetauscht werden müssten. Entweder sind sie wurmstichig oder ganz verfault“, so der Unternehmer. Doch der Denkmalschutz legte sein Veto ein. „Dabei war ein Gutachter zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Sanierung mich 1,7 Millionen Euro kosten würde“, sagt Baum.

Vergangenes Jahr mussten die letzten Mieter kurzfristig aus dem Sechs-Parteien-Haus ausziehen, weil das Haus als nicht mehr standsicher gilt. Nachdem eine Delegation von Denkmalschützern vor Ort war, lenkte die Behörde ein. Prof. Peer Zietz vom Landesamt für Denkmalpflege habe ihn in seiner Position unterstützt, so Baum. „Es hätte die Existenz meines Unternehmens bedroht, wenn ich zu einer Sanierung verpflichtet worden wäre.“

Das Grundstück samt Fachwerkhaus ist seit den 1960er-Jahren im Eigentum der Schreinerei. Damals musste der Betrieb mit fast 130-jähriger Tradition seinen Sitz aus dem Wesertor nach Bettenhausen verlegen, weil am alten Standort die Max-Eyth-Schule gebaut werden sollte. „Mein Großvater bekam das Grundstück an der Sandershäuser Straße zugewiesen“, sagt der heutige Firmenchef.

Wie schlecht der Zustand der Bausubstanz ist, sei noch vor wenigen Jahren nicht zu erahnen gewesen, sagt Baum. Erst nachdem der Putz und die Eternitplatten abgenommen wurden, seien die massiven Schäden zutage getreten.

Bei den laufenden Abrissarbeiten ist Baum auf dem Dachboden eine alte Zeitung aus dem Jahr 1929 in die Hände gefallen. Es handelt sich um eine Weihnachtsausgabe einer in Kassel herausgegebenen Zeitung – mutmaßlich der „Hessische Kurier“, wegen des schlechten Zustands ist der Name nur zu erahnen.

Fund: Alte Kasseler Zeitung.

Die Entkernung des Gebäudes soll noch bis Anfang September laufen. Anschließend kommt der Abrissbagger. Am Ende werden die Sandsteine des Sockels erhalten bleiben. Die will Baum für die Abgrenzung seines Grundstückes weiter verwenden. An der Stelle des Gebäudes will er eine Grünfläche, Parkplätze und eine breitere Einfahrt schaffen. Bislang gibt es nur eine schmale Betriebszufahrt, was An- und Ablieferungen erschwert.

„Denkmalschutz hin oder her. Das Gebäude ist ein Schandfleck“, sagt Baum. Auch weil die documenta nächstes Jahr einen Standort in Bettenhausen habe, sei es gut, wenn dieser vorher beseitigt sei. (Bastian Ludwig)

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