Nach Überfall auf Sparkasse in Sandershausen

Autohändler nach Bank-Überfall im Polizei-Visier: "Bin nicht der Räuber"

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Nach diesem schwarzen Golf VR6 suchte die Polizei fast eine Woche: Yves Seidler (links) und Dimitri Osmikhovsky vor ihrem Autohaus Nordhessen Automobile an der Sandershäuser Straße.

Kassel/Niestetal. „Das ist alles ein dummes Missverständnis“, sagt Yves Seidler. Fast eine Woche fahndete die Polizei nach ihm und seinem schwarzen Golf VR6.

Die Fahndung lief im Zusammenhang mit einem Sparkassenüberfall am 12. November in Sandershausen.

Kurz nach der Tat, so hatten Zeugen laut Polizei angegeben, sei ein schwarzer Golf mit hohem Tempo über die Hannoversche und die Dresdener Straße in Richtung Autobahnauffahrt Kassel-Nord gefahren. Dabei habe der Fahrer mehrere rote Ampeln ignoriert.

Es war Seidlers Wagen, der als mögliches Fluchtauto ins Visier der Fahnder geriet. Tatsächlich ist der 23-Jährige in der Nähe des Tatorts gewesen. Seidler betreibt zusammen mit einem Kompagnon den Autohandel „Nordhessen Automobile“ an der Sandershäuser Straße. Von dort habe er am Tattag ins nahe Sandershausen „nur zum Bäcker fahren“ wollen.

Als ihn auf dem Weg dorthin mehrere Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn überholten, sei er neugierig geworden, erzählte Seidler der HNA. Er sei den Polizeiautos nachgefahren und habe eine Runde durch Seitenstraßen um den Einsatzbereich herum gedreht. Von einem Überfall habe er zu dieser Zeit aber noch nichts gewusst.

Dann, beim Linkseinbiegen auf die Hannoversche Straße zurück in Richtung Edeka-Backshop, habe er mit seinem PS-starken Golf VR6 „wohl etwas zu viel Gas gegeben“: Ein Vorderrad habe durchgedreht und ein Quietschen verursacht, was wohl die Aufmerksamkeit von Passanten erregt habe.

Er sei nicht bei Rot gefahren

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Nach dem Abstecher zum Bäcker sei er direkt wieder geradeaus zu seinem Autobetrieb gefahren. Rote Ampeln habe er dabei nicht überfahren, beteuerte der 23-Jährige; er habe keine Erklärung für entsprechende Zeugenangaben. „Ich bin nicht der Bankräuber“, sagte Seidler. Und, nach einer Pause: „Ich bin auch kein Komplize.“ In diese Richtung ermittelt die Polizei offenbar auch - das unter anderem war Anlass für den Golf-Fahrer, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Am Donnerstag wurde Seidler in seinem Betrieb von Kripo-Beamten aufgesucht und zur Vernehmung ins Polizeipräsidium gebracht. „Die haben mich ganz schön in die Mangel genommen.“

Dabei sei es auch um die Aussage eines Zeugen gegangen, der den schwarzen Golf am Morgen der Tat nahe der A7-Anschlussstelle Kassel-Nord gesehen hatte. Seidler: „Ja, das war ich.“ Auf dem Weg zur Arbeit von seinem Wohnort Moringen (Südniedersachsen) habe er kurz angehalten, um an seinem Wagen eine lose Frontspoiler-Befestigung festzudrücken.

Seidler hat mehrere Autos. Mit dem Muskel-Golf, einem „Liebhaberstück“, sei er am 12. November nur deshalb nach Kassel gefahren, weil sein Alltags-Audi defekt gewesen sei. Da er für seine Autofirma ständig mehrere Kurzzeit-Kennzeichen verfügbar habe, sei der abgemeldete Golf III schnell flott zu machen gewesen.

Seit dem Überfalltag befinde sich der schwarze VW auf dem Firmengelände an der Sandershäuser Straße. Ab dem 14. November ist er laut Seidler dort in einem gläsernen Fahrzeugturm ausgestellt und für jedermann sichtbar gewesen; „nachts sogar mit Beleuchtung“. Angesichts dessen habe es „ganz schön lange gedauert“, bis sich die Banküberfall-Fahnder bei ihm meldeten.

Hintergrund

Suche nach dem Täter dauert an 

Nach der Vernehmung von Yves Seidler hatte die Polizei am Freitag auf HNA-Anfrage mitgeteilt, dass der gesuchte Golf-Fahrer ermittelt worden sei und „nicht der Bankräuber“ sei, der bei dem Sparkassenüberfall in Sandershausen Geld in ungenannter Höhe erbeutet hat. Aus der polizeilichen Auskunft geht allerdings nicht hervor, inwieweit gegen den 23-jährigen Autohändler möglicherweise weiterhin der Verdacht einer Komplizenschaft besteht.

Die Polizei sucht weiterhin nach dem Mann, der am 12. November als Bauarbeiter verkleidet die Sparkassenfiliale an der Hannoverschen Straße überfallen hat und anschließend mit einem Fahrrad geflüchtet war.

Von Axel Schwarz

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