Carlyle hat den Fuß in der Tür

Finanzinvestor bietet für Schaltbau: Auch Bode-Gruppe in Kassel betroffen

Sitz in Bettenhausen: das Unternehmen Bode an der Ochshäuser Straße.
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Sitz in Bettenhausen: das Unternehmen Bode an der Ochshäuser Straße.

Kassel – Mit der sich abzeichnenden Übernahme der Münchner Schaltbau Holding AG durch den Finanzinvestor Carlyle kommt auch der Kasseler Zug- und Bustürenspezialist Bode in neue Hände, wenn die US-Gruppe Erfolg hat.

Kassel - Die Voltage BidCo GmbH, eine Tochter der durch Carlyle beratenden Fonds, will 53,50 Euro je Schaltbau-Aktie bieten. Die Münchener Holding wird demnach mit 709 Millionen Euro bewertet. Zwei Drittel ihrer Papiere hat sich Carlyle durch Zusagen der Anteilseigner bereits gesichert.

Bode beschäftigt an sechs Standorten im In- und Ausland 1950 Menschen, 800 von ihnen in Kassel. Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter bewerteten die Carlyle-Offerte am Montag positiv. Die Arbeitnehmervertreter im Schaltbau-Aufsichtsrat seien in die Gespräche „früh einbezogen“ gewesen, sagte Elke Volkmann, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen. Carlyle habe zugesichert, die Standorte und die Beschäftigung zu erhalten. Zudem solle die Tarifbindung erhalten bleiben. Nach Worten des Bode-Betriebsratsvorsitzenden Dieter Wolfrom schützt zudem ein Standortsicherungsvertrag die Beschäftigten bis Ende 2025 vor betriebsbedingten Entlassungen.

Der Markt für Bahntechnik sei schnelllebig, sagt Wolfrom. Die Konkurrenz ist hart. Ein starker Investor sei deshalb für Bode von Vorteil.

Carlyle hatte angekündigt, das Wachstum bei Schaltbau zu befördern und dafür in Innovationen, Forschung und Entwicklung zu investieren.

Auch Bode-Geschäftsführer Thomas Giebisch bewertet die Ankündigungen positiv. Die Schaltbau-Tochter macht etwa 80 Prozent ihres Jahresumsatzes von gut 250 Millionen Euro in der Bahnsparte. Der Bereich sei gut ausgelastet, sagt Giebisch. Das Bussegment, das die restlichen 20 Prozent zum Umsatz beisteuert, schwächele hingegen infolge der Corona-Pandemie.

Für beide Bereiche liefert Bode komplette Einstiegssysteme. Die Türen selbst sowie ihre Verriegelung, die dazugehörige Elektronik und ausfahrbare Rampen sind die wichtigsten Bestandteile. Zentrum für die Produktentwicklung ist Kassel.

Wenn Fahrgäste bald aussteigen können, ohne dafür Türen anfassen zu müssen, ist das der Findigkeit der Nordhessen zu verdanken. Eine neue Sensorik, die Klinken, Taster und andere elektrische Einheiten im Türbereich ersetzt, ist nach Worten Giebischs bereits zugelassen. Das System erkennt, wenn ein Passagier die Tür öffnen will – und kann die Geste auch von zufälligen Bewegungen unterscheiden. „Wir machen die Tür sehend“, sagt Giebisch. In Straßenbahnen in Berlin und Kassel sowie in zwei Regionalzügen an der Nordseeküste ist die Neuentwicklung bereits im Feldversuch unterwegs. Auch für Busse ist sie denkbar. Ein bildgebendes Verfahren, das Gesichter von Reisenden erkennt, ist nicht verbaut.

Im ersten Halbjahr 2021 steuerte die Bode-Gruppe mit 124,5 Millionen Euro rund die Hälfte zum Schaltbau-Konzernumsatz bei. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieben davon 4,1 Millionen Euro als Halbjahresgewinn. Das entspricht rund 30 Prozent des Konzern-Ebits. (Barbara Will)

Finanzinvestor Carlyle

Die Carlyle-Gruppe (Washington/USA) ist einer der größten Finanzinvestoren weltweit. Ende Juni 2021 verwaltete die Gruppe nach eigenen Angaben ein Portfolio von 276 Milliarden Dollar, (rund 235 Milliarden Euro). Allein im Industriebereich stecken mehr als 22 Milliarden Dollar Eigenkapital – verteilt auf 82 Transaktionen. Die Gruppe baut ihr Engagement in Europa aus. Zuletzt übernahm sie im Frühjahr für zwei Milliarden Euro die Siemens-Tochter Flender, die auf Getriebe für Windkraftanlagen spezialisiert ist. Im Bieterwettbewerb um den Licht-Konzern Osram unterlag Carlyle hingegen. 

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