Noch immer geschlossen

Keine Perspektive für Diskotheken: So geht es dem Kasseler Club A7 während der Corona-Krise

Zurzeit nicht möglich: Diskotheken wie der A 7-Musikpark müssen weiter geschlossen bleiben. Noch kann sich das A 7 über Wasser halten.
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Zurzeit nicht möglich: Diskotheken wie der A 7-Musikpark müssen weiter geschlossen bleiben. Noch kann sich das A 7 über Wasser halten.

Wegen der Corona-Krise sind Diskos und Clubs in Kassel noch immer geschlossen. So wirkt sich die Krise auf den Club A7 aus.

  • Das Coronavirus wirkt sich stark auf de Alltag in Kassel aus.
  • Diskos und Clubs sind noch immer geschlossen.
  • Wie sprachen mit dem Betreiber des A7 in Kassel darüber.

Kassel – Während Gastronomie und Einzelhandel mittlerweile wieder öffnen dürfen, bleiben Clubs und Diskotheken nach wie vor geschlossen. Wir haben mit Ingo Zitzelsberger, dem Geschäftsführer der Diskothek Musikpark A7 in Kassel-Bettenhausen, gesprochen.

Herr Zitzelsberger, wie fühlen Sie sich im Moment?

Nicht sehr gut. Das A 7 ist seit Mitte März geschlossen. Meine 44 Mitarbeiter sind teils in Kurzarbeit. Das Problem ist, dass es für alle Branchen irgendwie zumindest eine Perspektive gibt, nur eben nicht für Diskotheken und die Veranstaltungsbranche. Man hat das Gefühl, man steht an letzter Stelle.

Wie lange kann das A 7 so noch überleben?

Noch können wir das finanziell stemmen. Aber wenn sich die Krise noch länger hinzieht, dann wird es irgendwann schwierig. Die Fixkosten für Miete und Betrieb der fast 2000 Quadratmeter großen Fläche belaufen sich allein pro Monat auf 20 000 bis 25 000 Euro – die Personal- und sonstige Kosten noch nicht eingerechnet.

Haben Sie Mitte März die Tür einfach abgeschlossen und das A 7 seitdem nicht mehr betreten?

So einfach ist das nicht. Wir sind einmal pro Tag im Gebäude, das ist so vorgegeben. Auch die Technik muss regelmäßig hochgefahren werden, damit sie einsatzfähig bleibt und nicht kaputt geht.

Wie könnten Sie sich eine Wiedereröffnung vorstellen?

Das ist eine gute Frage. Eine Disko mit Abstandsregelungen zu betreiben, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Stück weit würde so auch der Charakter eines Clubs verloren gehen. Ein bisschen macht den Diskobesuch doch auch Körperkontakt und die enge, stickige Atmosphäre aus. Auch Masken könnte man in der Disko nicht tragen, da würden uns die Leute reihenweise umfallen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Leute Angst vor dem Diskobesuch haben, weil Sie sich dort anstecken könnten?

Nein, das eigentlich nicht. Die meisten unserer Besucher sind zwischen 20 und 28 Jahre alt. Die wenigsten gehören zur Risikogruppe.

Glauben Sie, dass das A 7 eine Perspektive hat?

Auf jeden Fall. Wir haben im vergangenen Jahr unser Konzept umgestellt und dafür viel Zuspruch bekommen. Bei den letzten Betreibern hatten sich die Abläufe zuletzt sehr stark eingespielt, es hat ein bisschen was gefehlt, das neue Gäste in den Club lockt. Es gab viele Jahre kaum Veränderungen. Wir haben uns dann Gedanken gemacht, wie man den Reiz einer Großraumdisco erhalten kann und was den Besuch für die Gäste reizvoll macht. Die Besucherzahlen sind zuletzt gestiegen.

Bekommen Sie aktuell Rückmeldungen von Ihren Gästen?

Ja, wir bekommen eigentlich täglich Anfragen auf Facebook und auf Instagram. Alle wollen wissen, wann sie wieder zu uns kommen dürfen. Viele können es kaum erwarten. Wir haben sehr treue Stammgäste, einige von denen kommen seit 18 Jahren in den Musikpark. Manche fragen, wie sie uns unterstützen können.

Und besteht da die Möglichkeit?

Im Moment sind wir noch nicht so weit, dass wir sagen, wir brauchen die finanziellen Mittel von Gästen. Im Grunde bin ich auch dagegen, Geld von jemandem anzunehmen, der dafür keine Gegenleistung bekommt. Wir können unseren Gästen im Moment ja einfach nichts bieten. Ich sehe da eher Bund und Länder in der Pflicht. Finanzielle Unterstützung von den Gästen wäre für mich die letzte Möglichkeit. Uns wäre mehr geholfen, wenn uns die Diskobesucher bis zur Wiedereröffnung treu bleiben.

Wie geht es jetzt genau weiter?

Wir werden versuchen, noch einige Wochen „stabil zu bleiben“ – wie man so schön in diesen Tagen sagt. Finanziell muss man dann sehen. Eigentlich wollten wir ein bisschen was umbauen, vielleicht ändern wir die Technik etwas in dieser Schließzeit. Denn auch eine Wiedereröffnung würde für uns enorme Kosten bedeuten.

Zur Person

Ingo Zitzelsberger (45) ist seit November 2018 Geschäftsführer der Großraumdisko Musikpark A7 in Kassel.

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