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Wie Marc Köhler als Miteigentümer des Hallenbades Ost die documenta erlebte

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Von: Bastian Ludwig

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Blickt auf ein erlebnisreiches Jahr zurück: Der Architekt Marc Köhler ist Miteigentümer des Hallenbad Ost, wo die documenta stattfand.
Blickt auf ein erlebnisreiches Jahr zurück: Der Architekt Marc Köhler ist Miteigentümer des Hallenbad Ost, wo die documenta stattfand. © Bastian Ludwig

Dass es ein spannendes Jahr werden würde, hatte sich Marc Köhler schon im Vorfeld gedacht. Schließlich stellte der Kasseler Architekt als Miteigentümer des Hallenbades Ost diesen besonderen Ort der documenta fifteen zur Verfügung.

Kasse – Doch dass der 49-Jährige hautnah dabei sein würde, wenn nicht weniger als der Ruf und Bestand der Weltkunstschau diskutiert werden, kam dann doch überraschend.

„Ich habe in diesem Jahr viele neue Dinge gelernt. Als Architekt plant man sehr lange Dinge – oft mehr als ein Jahr lang. Die documenta-Künstler haben viel kurzfristiger gearbeitet“, sagt Köhler. Er konnte sie aus seinem Büro im ehemaligen Hallenbad beobachten. Das Kunstkollektiv Taring Padi habe vier Wochen lang sein Archiv begutachtet, dabei Ukulele gespielt und schließlich entschieden, was wo hängt.

Während dieser Zeit hat Köhler viele Freunde unter den Künstlern gefunden. „Indonesier sind sehr höflich und zurückhaltend – nicht so belehrend wie wir.“ Umso mehr habe es ihn geschmerzt, dass das kuratorische Team von Ruangrupa als auch das umstrittene Werk von Taring Padi so einseitig in vielen Medien dargestellt worden seien. „Die Antisemitismusdebatte hat alles andere in den Hintergrund gedrängt.“ Für ihn sei es faszinierend gewesen, wie Künstler und Besucher auf Augenhöhe kommuniziert hätten. „Es gab keine große Autorenkunst und keine Superstars. Das war das Besondere.“

Unvergessen wird für Köhler der Eröffnungslunch im Juni bleiben, als er im alten Hallenbad unter anderem Gastgeber für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Boris Rhein war. Damals zogen sich Steinmeier und die documenta-Geschäftsführerin Sabine Schormann wegen der Antisemitismuskritik in den dortigen Besprechungsraum zurück. Außen herum saßen Beamte des Bundeskriminalamtes. „Die Stimmung hat gebrodelt. Eine Stunde waren die da drin, während alle anderen diniert haben“, erinnert sich Köhler. Zu einigen Künstlern hat er bis heute Kontakt. Eine besondere Freundschaft verbinde ihn mit Hestu Nugroho, dem er regelmäßig schreibt.

Köhler will das Hallenbad auch weiter für die Kultur öffnen. Viele Ausstellungen und auch die Kasseler Musiktage haben bereits dort stattgefunden. Die neutrale Bauhaus-Architektur passe zu vielen künstlerischen Formaten. Nur für Partys will er das denkmalgeschützte Haus nicht mehr öffnen. Eine Uni-Party endete mit zahlreichen Schäden.

Köhler sieht den Kasseler Osten auf einem guten Weg: Mit dem Agathof-Bunker, der Salzmannfabrik und dem Hafen-Areal gebe es etliche Entwicklungspotenziale. Überhaupt ist der zweifache Familienvater, der in Harleshausen lebt, ein Fan von Kassel: „Es ist eine tolle Stadt mit viel Natur. Ein guter Ort, um Kinder großzuziehen.“

Dass der gebürtige Bad Wildunger in der nordhessischen Großstadt seinen Lebensmittelpunkt haben würde, stand nicht immer fest. Im Jahr 2003 saß er mit seiner heutigen Ehefrau am Strand von Brisbane. Damals war das Paar gerade ein Jahr mit dem Fahrrad in Australien und Neuseeland unterwegs gewesen. Am Strand schmiedeten sie Pläne für die Zeit danach. „Wir überlegten, ob wir uns in Köln niederlassen, wo meine Frau herkommt, oder in Kassel“, erzählt der 49-Jährige. Die Wahl fiel auf Kassel.

Heute radelt der Architekt nicht mehr durch die Welt. Aber in Kassel sitzt er regelmäßig auf dem Rad. Statt Australien zu entdecken, verbringe seine Familie viel Zeit am Edersee, wo sie in der Corona-Zeit einen Wohnwagen gekauft hat. (Bastian Ludwig)

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