Vorwurf: Schulleitung informierte Polizei zu spät

Exhibitionist belästigte Schülerinnen: Mütter kritisieren Losseschule

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Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der Losseschule: Zwei Mütter kritisieren, dass nicht sofort die Polizei alarmiert wurde, nachdem ihre Töchter von einem Exhibitionisten berichtet hatten.

Kassel. Die beiden Mütter, deren Töchter vorige Woche im Kasseler Stadtteil Bettenhausen von einem Exhibitionisten belästigt wurden, erheben jetzt Vorwürfe gegen die Losseschule.

Lehrer und die Schulleitung hätten es versäumt, umgehend die Polizei und die Eltern zu benachrichtigen, nachdem die Mädchen von dem Vorfall auf dem Schulweg berichtet hätten. So sei die Chance genommen worden, den Täter zeitnah zu stellen. Ihre Kinder seien von der Schule nicht ernst genommen worden, so die Mütter. „Die Kinder haben alles richtig gemacht, die Erwachsenen haben versagt“, sagt eine Mutter.

Wie die HNA berichtet hatte, waren die Mädchen im Alter von neun und zehn Jahren vergangene Woche Dienstag gegen 7.45 Uhr auf der Eichwaldstraße unterwegs. An der Kreuzung Miramstraße seien sie erstmals auf einen Mann aufmerksam geworden. Als er in unmittelbarer Nähe war, habe er Hose und Gürtel geöffnet und sich den beiden Mädchen unsittlich gezeigt.

Die Grundschülerinnen seien sofort in die Schule gerannt und hätten sich an eine Lehrerin gewandt, nachmittags gingen sie mit ihren Eltern zum Kriminaldauerdienst der Polizei, um Anzeige zu erstatten, so Polizeisprecher Torsten Werner in einer Pressemitteilung.

Ist die Kritik der Mütter an der Schule berechtigt? Nach derzeitigen Ermittlungsstand, so Werner, sei der Vorfall um 7.45 Uhr passiert, und die Schülerinnen hätten sich gegenüber ihrer Lehrerin innerhalb der ersten beiden Schulstunden im Stuhlkreis offenbart. Anschließend erfolgte die Weitergabe der Information innerhalb des Kollegiums, bis schließlich die Eltern von der Schule informiert wurden.

Der Informationsfluss sei gut gewesen, so der Polizeisprecher, eine schnellere Verständigung der Polizei wäre aber wünschenswert. „Diese Thematik ist im unmittelbaren Nachgang zur Tat von unserem Schutzmann vor Ort des Polizeireviers Ost mit der Schulleitung und Angehörigen der Mädchen thematisiert worden. Es herrschte gemeinsames Einvernehmen, dass die Polizei und Erziehungsberechtigte bei eindeutiger Sachlage zukünftig sofort verständigt werden.“

Nach Angaben von Helga Dietrich, Leiterin des Staatlichen Schulamtes, sei für die Lehrerinnen der Sachverhalt bis zum Schulschluss unklar gewesen. Die Aussagen der Mädchen seien erst nach und nach gekommen und hätten zum Teil nicht zusammengepasst. „Die Kinder haben sich nicht klar ausgedrückt“, sagt Dietrich. Deshalb habe man am Mittag die Eltern informiert und sie gebeten, mit ihren Kindern über den Vorfall zu reden.

Eine der Mütter kritisiert das Vorgehen der Schule. Die Mädchen seien zuerst im Stuhlkreis vor allen Mitschülern von der Lehrerin befragt worden. Dort hätten sich die Mädchen nicht getraut zu erzählen, was der Mann vor ihren Augen gemacht habe. „Das war ihnen peinlich“, sagt die Mutter. Die Lehrerin hätte die Kinder aus der Klasse nehmen müssen, um allein mit ihnen zu reden, kritisiert die Mutter. 

Die Polizei sucht nach wie vor nach dem Exhibitionisten, der die Schülerinnen am Dienstag, 10. Januar, belästigt haben soll. Nach Angaben der Mädchen soll der Exhibitionist etwa 30 Jahre alt und 1,80 Meter groß sein. Er sei vermutlich Deutscher und habe eine schlanke Statur. Er soll braune, kurze, strubbelige Haare und ein besonders blasses Gesicht haben. Er trug ein schwarzes Kapuzenshirt mit Bauchtasche, eine schwarze Jeans und einen schwarzen, dicken Ledergürtel. 

Hinweise an die Polizei unter Tel. 05 61/9100.

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