Stadt und Ortsvorsteher setzen große Hoffnungen in den Käufer

Salzmann-Gelände: Freude über neuen Investor

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Teilweise abbruchreif: Nicht alle Salzmann-Gebäude konnten erhalten werden. Das Gelände an der Sandershäuser Straße in Bettenhausen wurde nun verkauft. Hinter dem denkmalgeschützten Hauptgebäude könnten Stadtvillen entstehen.

Kassel. Zustimmung allenthalben: Die Nachricht vom Verkauf des Salzmann-Geländes an die BHB Bauwert Holding GmbH hat positive Reaktionen ausgelöst. „Wir freuen uns, dass in der Frage der künftigen Nutzung der Salzmann-Fabrik neue Bewegung kommt“, erklärten Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) und Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) auf Anfrage der HNA.

Man werde jetzt abwarten, welche Pläne die neuen Eigentümer vorstellen und die Entwicklung mit der Kompetenz der städtischen Ämter unterstützen. Die Stadt habe ein großes Interesse an der qualitativen Entwicklung des Salzmann-Areals.

Wohnen, Gewerbe, Kultur

„Alles, was Bewegung in die Angelegenheit bringt, ist gut“, kommentierte Bettenhausens Ortsvorsteher Enrico Schäfer (SPD) die aktuelle Entwicklung. Die Menschen im Stadtteil hofften jetzt, dass sich auf dem Gelände endlich etwas tue und sich eine Perspektive ergebe. Er freue sich jedenfalls, dass der „Gesprächsfaden, der mit Rossing abgerissen ist, wieder aufgenommen wird“, sagt Schäfer. Wenn es nach dem Ortsvorsteher geht, soll es auf dem Areal künftig neben Wohnbebauung auch etwas Gewerbe und vor allem auch Kultur geben. Letzteres sei ihm ganz wichtig.

Schäfers Stellvertreter, Alfons Fleer (Grüne), der das Salzmann-Gelände schon wegen dessen Größe und Dominanz als offene Wunde des Stadtteils bezeichnet, zeigte sich erfreut über den jetzigen Neubeginn. „Auf den Nachbargrundstücken passiert doch so lange nichts, wie man nicht weiß, wie es bei Salzmann weitergeht“, beschreibt der Kommunalpolitiker die Problematik. „Alles ist besser als Rossing“, sagte Fleer. Die Stadt müsse dem neuen Investor jetzt mit allen Mitteln beiseite stehen, damit der Stadtteil nicht weiter verkomme.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Kasseler Buntpapierfabrik Ludwig Bähr, Frank Barthel, hat nach wie vor Interesse am Erwerb eines Teils des Grundstücks zum Bau einer Lager- und Produktionshalle. Er brauche Flächen für eine Erweiterung, habe aber auch Alternative in der Nähe. Das alt eingesessene Unternehmen sitzt einen Steinwurf von Salzmann entfernt. Barthels Pläne finden aber nicht überall Zustimmung. Alfons Fleer jedenfalls will nicht, dass Bähr auf dem Salzmann-Gelände expandiert.

Die Käuferin des 37.000 Quadratmeter großen Geländes, die BHB Bauwert Holding GmbH, ist auf Wohnimmobilien spezialisiert. Geografischer Schwerpunkt der geschäftlichen Aktivitäten ist Baden-Württemberg. Das Unternehmen unterhält aber auch Objekte in Hessen und Rheinland-Pfalz. Sie sind stehen zumeist in Kleinstädten und Mittelzentren, weisen einen guten bis gehobenen Wohnwert aus und werden teilweise mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt. Salzmann ist das erste BHB-Projekt in Nordhessen.

Im Geschäftsjahr 2012 wies das Unternehmen einen Überschuss von knapp 2,6 Mio. Euro aus. Aktuelle Zahlen liegen nicht vor.

Das sagt Dennis Rossing

Dennis Rossing hatte das Salzmann-Areal erworben und mit insgesamt drei gescheiterten Projekten das Ziel verfolgt, "für den Stadtteil Bettenhausen eine attraktive Immobilienanlage und damit auch den dringend benötigten positiven Stadtenwicklungseffekt zu schaffen." Weil sein Unternehmen Rosco den Fokus auf Entwicklung, Bau und Realisierung von großflächigen Einzelhandelsobjekten lege, "haben wir uns entschlossen da wir unter den derzeitigen Gegebenheiten keine kurzfristige, aber dringend benötigte Realisierungschance für das von uns favorisierte Konzept sehen die Liegenschaft zu veräußern", erklärt Rossing.

Die BHB Bauwert Holding als neue Eigentümerin habe bereits Wohnprojekte auch in Bezug auf historisch wertvolle und denkmalgeschützte Objekte realisiert und damit viel Erfahrung. Rossing: "Wir sehen dies als eine große Chance im Sinne des Denkmalschutzes und für die Entwicklung insbesondere des Stadtteils Bettenhausen und wünschen viel Erfolg bei der Umsetzung der neuen Pläne." (ach)

Chronik Salzmann-Fabrik

Die Weberei Salzmann wurde 1876 gegründet, die Anfänge der Produktion lagen in Melsungen. 1890 standen die ersten Webstühle in Bettenhausen. Das Unternehmen, das vor allem Zelte und Zubehör produzierte, wuchs schnell: Bereits 1909 umfasste es sieben Fabriken mit 3500 Beschäftigten. Zeitweise arbeiteten bis zu 5000 Menschen bei "Salzmann & Comp." in Bettenhausen. Das Unternehmen blühte bis zum Zweiten Weltkrieg, danach ging es bergab. 1971 schlossen sich die Tore der Textilfabrik endgültig. Die Kulturfabrik Salzmann wurde dort 1987 zur documenta 8 eingerichtet. 2003 wollte der neue Eigentümer Dennis Rossing die Gebäude zu einem Kultur- und Handelszentrum umbauen. 2006 erteilte die Stadt dem Vorhaben eine Absage.

2007 wollte Rossing eine Veranstaltungsarena für 9000 Zuschauer auf dem Salzmann-Areal bauen. Dort sollten auch die Kassel Huskies Eishockey spielen. Doch die flogen 2010 aus der DEL, die große Arena war gescheitert.

2011 plante Rossing ein Behördenzentrum, um das Industriedenkmal vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. Die Stadtverwaltung wollte dort in einem Technischen Rathaus die Ämter des Dezernats für Verkehr, Umwelt, Stadtentwicklung und Bauen unter einem Dach vereinen. Im Frühjahr 2012 bekamen die Mieter in den Salzmann-Gebäuden Kündigungen.

2013 sprang die HUK-Coburg als künftiger zweiter Hauptmieter wegen der ständigen Verzögerungen ab. Am 29. April 2013 trat Rossing vom Mietvertrag für das Technische Rathaus zurück. Damit war das dritte Salzmann-Projekt gescheitert. (ach)

Von José Pinto

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