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Bei der documenta hat Al Wali Gäste aus der ganzen Welt begeistert

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Bei der documenta fifteen hat er Gäste aus der ganzen Welt begeistert: Mazen Nouraldin, Betreiber des Imbisses „Al Wali“ in Bettenhausen.
Bei der documenta fifteen hat er Gäste aus der ganzen Welt begeistert: Mazen Nouraldin, Betreiber des Imbisses „Al Wali“ in Bettenhausen. © Andreas Fischer

Für Mazen Nouraldin, Betreiber des syrischen Imbisses „Al Wali“, war das Jahr 2022 ein ganz besonderes. Bei der documenta hat er Gäste aus aller Welt bedient.

Kassel – Wenn man Mazen Nouraldin eine Weile bei der Arbeit beobachtet, dann erkennt man, dass er ein Mann ist, der seinen Beruf wirklich liebt und mit Hingabe betreibt. Der 45-jährige Syrer strahlt über das ganze Gesicht, als er in seinem Imbiss „Al Wali“ neben dem Hallenbad Ost in Bettenhausen steht. Er bereitet gerade die Bestellung für einen Kunden aus Südhessen zu, der wohl oft zu ihm kommt, um seine syrisch-arabischen Spezialitäten zu essen.

Seit diesem Sommer hat der Gastronom Kunden aus aller Welt. Das hat Mazen Nouraldin der documenta fifteen zu verdanken. Wegen der Ausstellung im Hallenbad Ost stärkten sich viele Besucher in seinem Imbiss. Und waren begeistert, von seinem Essen, aber auch seiner Herzlichkeit. „Ich habe Kunden aus Spanien, Frankreich und den USA gehabt“, zählt der 45-Jährige auf. Zu vielen habe er noch Kontakt über Instagram. Eine Frau aus den USA habe ihm kürzlich geschrieben „Ich vermisse dein Essen.“

Diese positiven Reaktionen seiner Kunden seien das Allerwichtigste. Das sei noch wichtiger, als Geld zu verdienen. Vor der documenta hätten viele zu ihm gesagt, er müsse die Preise erhöhen. Das habe er bewusst nicht gemacht. „Geld ist nicht alles.“ Diesen Satz wiederholt er mehrfach. „Es macht mich glücklich, wenn die Kunden wiederkommen.“

Mit seinem Essen und seiner Einstellung hat er allerdings seinen Kundenstamm vergrößert. Eine Frau aus Holland, die seine Küche während der documenta kennengelernt hat, hat jetzt sogar ein Catering für 50 Personen bei ihm bestellt. Die Frau wird dafür drei Stunden bis nach Kassel fahren, um die Speisen abzuholen. Die Frau habe früher immer Tabletten nach dem Essen nehmen müssen. Nachdem sie seine Speisen probiert hatte, sei das nicht mehr nötig gewesen, sagt Mazen Nouraldin. Sein Essen sei nicht nur lecker, sondern auch sehr gesund.

Der Koch ist übrigens ein Einzelkämpfer. Auch wenn bei ihm Caterings für bis zu 500 Personen geordert werden, macht er alles alleine. Höchstens seine vier Kinder im Alter zwischen 18 und 13 Jahren stehen ihm gelegentlich im Imbiss zur Seite. Seine Frau kommt nur zum Essen, sie arbeitet nämlich als Altenpflegerin. Darüber hinaus habe er die Erfahrung gemacht, dass es in Deutschland schwer sei, Mitarbeiter zu finden. In seinem Restaurant in Syrien habe er 16 Angestellte gehabt.

Deutschland sei er übrigens sehr dankbar – für all die Hilfe und Unterstützung, die er und seine Familie hier erfahren hätten. Von daher sei er auch sehr froh, dass er arbeiten und Steuern zahlen könne. „Damit kann ich auch anderen Menschen helfen, die in Not sind.“

Als er 17 war, eröffnete Nouraldin sein erstes Lokal im nordwestsyrischen Idlib. Kaum hatte er sein großes Restaurant im Jahr 2010 eröffnet, begann der Bürgerkrieg. Der Gastronom musste zusehen, wie eine Rakete sein Restaurant zerstörte. Anschließend wurde auch noch die Wohnung der Familie zerbombt, die 2013 nach Deutschland flüchtete und in Kassel eine neue Heimat fand.

2019 eröffnete er seinen Imbiss neben dem Hallenbad Ost. Damals habe er gesagt, dass er spätestens nach zwei Jahren ein großes Restaurant in Kassel eröffnen wolle. Davon hat er erst mal Abstand genommen. Wegen des Krieges in der Ukraine. Nouraldin kann nicht vergessen, was mit seinem Restaurant in Syrien passiert ist.

Nach der documenta hat er erst mal seinen Imbiss renoviert. „Ich habe alles mit Metall gemacht. Das kann man besser sauber machen“, sagt der freundliche Perfektionist, dessen Baklava übrigens zum Niederknien sind. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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