Bleibt weiteres Gebäude nach Salzmann ungenutzt?

Hängepartie beim Hallenbad Ost - Zukunft des Baudenkmals ungewiss

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Seit acht Jahren ungenutzt: Das Hallenbad Ost aus den 1930er-Jahren ist vom Verfall bedroht. Ob es Standort für das gemeinsame Jobcenter von Stadt und Arbeitsagentur wird, ist offen.

Kassel. Zukunft ungewiss: Das gilt nach dem Rückzug der BHB Bauwert nicht nur für die ehemalige Salzmann-Fabrik an der Sandershäuser Straße. Auch das Schicksal des Hallenbads Ost in Bettenhausen hängt am seidenen Faden.

Seit acht Jahren ist das Baudenkmal ungenutzt. Seine Zukunft steht und fällt mit den Plänen, dort das bislang auf zwei Standorte verteilte Jobcenter von Stadt und Arbeitsagentur Kassel anzusiedeln.

Allerdings muss sich der Baunataler Unternehmer Gotthard Fels mit diesem Vorhaben im Zuge der europaweiten Ausschreibung gegen Konkurrenten durchsetzen, die mit Neubauten an anderen Standorten planen. „Es gibt mehrere Bieter, die Interesse haben“, sagt Fels. Er hat das Hallenbad Ost 2014 von den Städtischen Werken erworben. Im Zuge des Verfahrens seien Vorgaben, etwa beim Raumangebot, geändert worden, berichtet Fels. Gefordert sei nun auch, dass die Bauarbeiten in der Hand einer festen, leistungsfähigen Firma lägen. „Es ist ganz schwierig“, sagt Fels, auch wenn er mit dem Bauunternehmen Züblin einen starken Partner gewonnen habe und alle Vorgaben erfüllen könne. Allerdings muss er auch dem Denkmalschutz gerecht werden. Wer den Zuschlag bekommt, wird voraussichtlich im Oktober entschieden.

In Gang gesetzt worden war die Ausschreibung durch die Arbeitsagentur in Nürnberg. Deren Rechtsabteilung hatte den bereits unterschriftsreifen Mietvertrag für das geplante Jobcenter im Hallenbad Ost mit dem Hinweis abgelehnt, ein Vorhaben in dieser Größenordnung müsse europaweit ausgeschrieben werden. Es geht um Jahresmieten in Millionenhöhe. Im Rathaus war man der Meinung, eine Ausschreibung sei nicht notwendig. Herr des Verfahrens ist nun die Arbeitsagentur in Nürnberg beziehungsweise ein von ihr beauftragtes Unternehmen. Letztlich sei das Preis-Leistungsverhältnis entscheidend, sagt Detlef Hesse, Chef der Arbeitsagentur in Kassel. Ein Standort auf der grünen Wiese komme aber nicht in Frage. Das Jobcenter müsse gut erreichbar sein, „eine möglichst zentrale Lage mit guter Verkehrsanbindung“ haben. „Die Bieter, die jetzt noch im Rennen sind, erfüllen diese Voraussetzungen“, sagt der Agenturchef.

Die Erreichbarkeit für Kunden und Mitarbeiter ist auch für Sozialdezernent und Kämmerer Christian Geselle entscheidend. „Ich halte das Hallenbad Ost für einen hervorragenden Standort“, sagt er. Der Magistrat habe ein großes stadtentwicklungspolitisches Interesse daran, dass es dort voran gehe. Für die bislang im Kasseler Rathaus und am Grünen Weg tätigen 280 Mitarbeiter des Jobcenters müsse ein Arbeitsumfeld geschaffen werden, das ihnen helfe, ihre schwierige Aufgabe zu erfüllen. Sie betreuen 20 000 Menschen, die Hartz IV-Leistungen beziehen.

Zwölf Mio. Euro für Sanierung und Ausbau

Der Baunataler Unternehmer und Projektentwickler Gotthard Fels hat mit seinem Unternehmen GFI Immobilien GmbH & Co. KG in Kassel unter anderem das historische Karlshospital an der Fulda saniert, das zuvor jahrzehntelang brach lag. Das ehemalige Untersuchungsgefängnis Elwe an der Leizpziger Straße 11, das er vom Land erworben hat, steht kurz vor dem Umbau. Dort sollen Wohnungen, etwa für Studenten, entstehen.

Die Investitionskosten für den Umbau des Hallenbads Ost beziffert Fels auf zehn bis zwölf Millionen Euro. Allein die Sanierung des Hauptgebäudes würde nach seinen Angaben drei Millionen Euro verschlingen, weitere 20 000 Euro seien für den Abriss der Schwimmhalle nötig. (els)

Von 1930 bis 2007 in Betrieb

Das Hallenbad Ost an der Leipziger Straße wurde am 15. Juni 1930 eröffnet und war bis 2007 in Betrieb. Der Standort in Bettenhausen ermöglichte den Menschen im Kasseler Osten und den Dörfern am Stadtrand einen Badbesuch mit kurzen Wegen. Mit ihren Wannen- und Brausebädern war die im Oktober 1943 durch Bomben schwer beschädigte Badeanstalt auch eine beliebte Einrichtung zur Körperpflege.

Nach dem Krieg wurde das Hallenbad Ost wieder auf- und in den folgenden Jahrzehnten mehrfach umgebaut. 1977 war das Gebäude als Zeugnis der ausgehenden Moderne unter Denkmalschutz gestellt worden. Im Mai 2007 wurde das einzige öffentliche Bad in Bettenhausen über Nacht dichtgemacht, weil Betonteile der maroden Dachkonstruktion durch die Ritzen der Alu-Paneele in die Schwimmhalle fielen.

Ein Gutachter schätzte den Sanierungsaufwand für die baufällige Immobilie auf insgesamt 6,5 Millionen Euro. Das war das Aus für das 1929/1930 von dem Kasseler Architekten Fritz Graubmann im Bauhausstil entworfene Bad, dessen Qualität Architekturfans begeistert. Es wurde aus Kostengründen geschlossen, auch weil die Zahl der Besucher dramatisch zurückgegangen war. 1959 kamen noch mehr als 236 000 Badegäste ins Hallenbad, 2006 waren es nur noch 36 764. 2014 erwarb der Baunataler Unternehmer Gotthard Fels das Gebäude. (ach/els)

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