2019 sollen Sanierungsarbeiten in Bettenhausen beginnen

Schandfleck soll weg: Hallenbad Ost in Kassel wird zum Architekturbüro

+
Aus dem ehemaligen Schwimmbad werden bald moderne Büroräume.

Die Kasseler Architekten Marc Köhler, Keivan Karampour und Thomas Meyer haben das denkmalgeschützte Hallenbad Ost gekauft. Sie wollen dort mit ihrem neuen Büro einziehen. 

Für weitere Büromieter ist noch Platz. 2019 sollen die Sanierungsarbeiten starten. Im Sommer 2007 war das einzige öffentliche Bad im Kasseler Osten wegen Bauschäden endgültig geschlossen worden. Das hatte erhebliche Proteste in Bettenhausen ausgelöst. Seither verkam die ungenutzte Immobilie zur Ruine, das Areal ist nach zehn Jahren völlig verwahrlost. 

Alle Ideen für eine neue Nutzung des Baudenkmals sind bisher gescheitert. Pläne für ein privat betriebenes Fitnessstudio, ein „Erfinderhaus“ samt Ausstellungsstandort, Büro- sowie Umkleideräume für Fahrpersonal der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG), das Jobcenter der Stadt Kassel oder eine Flüchtlingsunterkunft hatten sich zerschlagen. „Es ist klasse, dass wir hier wieder Leben reinkriegen“, sagt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). 

Die Drei vom Hallenbad Ost: Die Kasseler Architekten Marc Köhler (von links), Thomas Meyer und Keivan Karampour sind die neuen Eigentümer des Baudenkmals an der Leipziger Straße im Stadtteil Bettenhausen.

Der Architekt freut sich über seine „renommierten und kompetenten“ Berufskollegen, die sich für Baukultur und Stadtgestaltung engagieren wollten. Das Büro der KM-Architekten an der Uhlandstraße im Vorderen Westen der Stadt reicht nicht mehr aus. „Wir waren lange auf der Suche nach einem neuen Standort“, sagt Architekt Thomas Meyer. 2020 wollen die Architekten an die Leipziger Straße umziehen. Zwei weitere Mieter für die geplanten 2500 Quadratmeter Büroflächen im Kopfbau und den Seitenflügeln des einstigen Hallenbades gibt es schon, für weitere Interessenten wäre noch Platz. Was aus der Schwimmhalle werden soll, ist noch nicht entschieden. Gastronomie, Veranstaltungsraum oder Therapiebecken für ein Facharztzentrum sind Ideen. Das alles wird Millionen kosten, eine genaue Investitionssumme steht noch nicht fest.

Bis 2020 sollen die Bürogebäude fertig sein

Nach mehr als zehn Jahren Vandalismus, wilden Partys und der Nutzung durch Obdachlose war das ehemalige Hallenbad Ost „extrem zugemüllt“, sagt Architekt Thomas Meyer. Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen.

In zehn großen Containern haben Meyer und seine beiden Mitstreiter Marc Köhler und Keivan Karampour Schutt und Abfall abtransportieren lassen. Das war der erste Schritt zur künftigen Nutzung des Baudenkmals, das seit Sommer 2007 dem Verfall preisgegeben war. Der Schandfleck soll jetzt weg.

Der solide Ziegelbau an der Leipziger Straße in Bettenhausen hat diese Zeit mit beträchtlichen Schäden, aber insgesamt recht ordentlich überstanden. Die Bausubstanz sei gut, sagen die KM-Architekten, die in der früheren öffentlichen Badeanstalt ihr neues Architekturbüro einrichten wollen.

Die Drei vom Hallenbad sind überzeugt, dass sich der derzeit wenig ansehnliche Ziegelbau auf dem völlig verwahrlosten Gelände zwischen Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle und KVG-Betriebshof wieder in ein sehenswertes Schmuckstück der Bauhaus-Architektur verwandeln lässt. Bis zur Kasseler Innenstadt ist es nur ein knapper Kilometer, der öffentliche Nahverkehr stoppt direkt vor der Tür an der Haltestelle „Sandershäuser Straße“, die früher einmal „Hallenbad Ost“ hieß. „Wir glauben an diesen Standort“, sagt Meyer.

Der Müll ist raus: Das Innere des ehemaligen Hallenbades Ost an der Leipziger Straße wirkt wieder aufgeräumt. Im kommenden jahr soll die Sanierung des Gebäudes starten.

„Wir sind raus“, freut sich Ingo Pijanka, Pressesprecher der Städtischen Werke. Die endgültige Schließung des ältesten Hallenbades der Stadt und des einzigen öffentlichen Bades im Osten Kassels hatte den Stadtwerken über Jahre viel Kritik eingebracht, Ärger und Kummer beschert. Damit hat es nun ein Ende. Die Stadtwerke wollen den erzielten Preis für die denkmalgeschützte Immobilie nicht nennen, sind den Käufern aber offenbar entgegengekommen. „Das war ein faires Angebot“, betont Meyer.

Wie viel die drei Architekten investieren müssen, ist noch nicht detailliert berechnet. „Siebenstellig auf jeden Fall“, erklärt Meyer.

Zunächst werden 2500 Quadratmeter Bürofläche geschaffen. Davon wird das Architekturbüro einen guten Teil selbst nutzen, zwei weitere Mieter stehen schon fest. „Wir suchen aber weitere Mietinteressenten“, sagt Meyer. Das Ziel: „Wir wollen hier möglichst flott rein.“ Bis 2020 sollen die Büros und damit ein guter Teil der umfangreichen Sanierungsarbeiten fertiggestellt sein.

Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) sieht das mit großem Wohlwollen. Das Baudenkmal, das „sehr gelitten hat“, sei ein tolle Immobilie. „Ich bin froh, dass diese Chance erkannt wird“, sagt er über das Vorhaben, den Ziegelbau wieder instand zu setzen und zu nutzen.

Lost Places in Kassel: Das Hallenbad Ost bekommt neuen Eigentümer

Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Hallenbad Ost, neuer Eigentümer.Städtische Werke, KMK Projektplan kauft Bauhaus KomplexFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider

Hallenbad Ost: Von 1930 bis 2007 im Betrieb

  • 1930 wird das Hallenbad Ost an der Leipziger Straße am 15. Juni eröffnet. Entworfen hat es der Kasseler Architekt Fritz Graubmann im Bauhaus-Stil. Mit seinen Wannen- und Brausebädern ist das Bad damals auch eine beliebte Einrichtung zur Körperpflege, weil es in vielen Wohnungen noch keine Bäder gibt.
  • 1943 wird das Gebäude im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerbomben schwer beschädigt. Nach dem Krieg wird das Bad wieder aufgebaut und in den folgenden Jahrzehnten mehrfach umgebaut und technisch nachgerüstet.
  • 1950 In den 1950er-Jahren ist das Hallenbad Ost ausgesprochen beliebt. Jedes Jahr kommen mehr als 230.000 Besucher aus Kassel und den Stadtrandgemeinden im Osten zum Schwimmen und Baden.
  • 1977 wird der Backsteinbau als ein bedeutendes Zeugnis der ausgehenden Moderne in Kassel unter Denkmalschutz gestellt.
  • 2007 müssen die Stadtwerke das einzige Bad im Kasseler Osten wegen akuter Bauschäden sprichwörtlich über Nacht dicht machen. Das Dach ist nicht mehr sicher, kleine Betonstücke fallen ins Schwimmbecken. Aus Kostengründen – eine Sanierung hätte mindestens 6,5 Millionen Euro gekostet – wird das Bad komplett aufgegeben und endgültig geschlossen. Die Besucherzahlen waren ohnehin stark zurückgegangen, 2006 wurden nur noch 36.700 Badegäste gezählt.

Hier befindet sich das ehemalige Hallenbad Ost in Kassel

Von Jörg Steinbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.