Unbekannte sind in denkmalgeschütztes Gebäude eingedrungen - Video

Vandalismus: Hallenbad Ost stark beschädigt

Bettenhausen. Das seit acht Jahren leerstehende Hallenbad Ost in Bettenhausen ist durch Vandalismus stark beschädigt worden. Unbekannte sind in das denkmalgeschützte Gebäude an der Leipziger Straße eingedrungen und haben gewütet.

Die Zukunft des Hallenbades, das als neuer Standort für das bisher auf zwei Standorte verteilte Jobcenter von Stadt und Arbeitsagentur Kassel im Gespräch ist, bleibt weiter ungewiss. Ob der Baunataler Unternehmer und Architekt Gotthard Fels mit seinem Plan, das im Bauhausstil entworfene Gebäude teilweise zu erhalten und mit Büroanbauten Platz für 280 Jobcenter-Mitarbeiter zu schaffen, zum Zuge kommt, ist noch immer nicht entschieden.

Fels hatte das Hallenbad Ost 2014 von den Städtischen Werken erworben. Nachdem die Planung unterschriftsreif war, zog die Arbeitsagentur in Nürnberg Anfang 2015 das Verfahren mit dem Hinweis an sich, ein Projekt dieser Größenordnung müsse europaweit ausgeschrieben werden.

Nach der Ausschreibung im Februar sollte im August über die Vergabe entschieden werden. Es gibt mehrere Bieter, die ein neues Jobcenter schaffen wollen. Nach Verzögerungen hieß es, im Oktober dieses Jahres werde entschieden. Doch bis zum Zuschlag, an dem auch die Zukunft des historischen Hallenbades hängt, wird es noch dauern. „Das Ausschreibungsverfahren für die Neuanmietung für das Jobcenter ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Arbeitsagentur-Sprecherin Ilona Mirtschin. Konkrete Aussagen seien aus vergaberechtlichen Gründen nicht möglich. „Wann das Ausschreibungsverfahren abgeschlossen ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen.“

Ein Bild der Verwüstung: Das seit Mai 2007 leerstehende Hallenbad Ost wurde durch Vandalismus erheblich beschädigt. Ob das Baudenkmal zum neuen Jobcenter umgebaut werden kann, ist noch nicht entschieden.

Die Arbeitsagentur Kassel hat nach Angaben von Geschäftsführer Detlef Hesse großes Interesse daran, das Jobcenter möglichst rasch unter einem Dach zu vereinen, um die Arbeit effektiver zu machen. Auch die Stadt will die 280 Mitarbeiter, die derzeit am Grünen Weg und im Kasseler Rathaus 20.000 Menschen betreuen, die Hartz IV-Leistungen bekommen, möglichst rasch zusammenbringen. Kassels Stadtkämmerer und Sozialdezernent Christian Geselle (SPD) hält das gut erreichbare Hallenbad Ost für einen hervorragenden Standort. Zudem habe der Magistrat ein großes stadtentwicklungspolitisches Interesse daran, dass Leerstand und weiterer Verfall des Baudenkmals in Bettenhausen beendet würden.

Unternehmer Gotthard Fels, der bis zu zwölf Millionen in die Immobilie neben der Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle investieren will, möchte wegen der noch laufenden Vergabe derzeit keine Stellung nehmen zu dem Vorhaben. Fels hat sich im Kaufvertrag mit den Stadtwerken ein Rücktrittsrecht für den Fall gesichert, dass sich die Pläne für das Jobcenter nicht verwirklichen lassen. Dann wäre die Stadt in Sachen Sicherung des Hallenbades Ost wieder am Anfang.

Das Hallenbad Ost an der Leipziger Straße 99 wurde am 15. Juni 1930 eröffnet und war bis 2007 in Betrieb. Der Standort in Bettenhausen ermöglichte den Menschen im Kasseler Osten und den Dörfern am Stadtrand einen Badbesuch mit kurzen Wegen. Mit ihren Wannen- und Brausebädern war die im Oktober 1943 durch Bomben schwer beschädigte Badeanstalt auch eine beliebte Einrichtung zur Körperpflege, weil damals nur wenige Wohnungen über Badezimmer verfügten. Nach dem Krieg wurde das Hallenbad Ost wieder auf- und in den folgenden Jahrzehnten mehrfach umgebaut. Im Jahr 1977 war das Gebäude als Zeugnis der ausgehenden Moderne unter Denkmalschutz gestellt worden. Im Mai 2007 wurde das einzige öffentliche Bad in Bettenhausen über Nacht dichtgemacht, weil Betonteile der maroden Dachkonstruktion durch die Ritzen der Alu-Paneele in die Schwimmhalle fielen. Ein Gutachter schätzte den Sanierungsaufwand für die baufällige Immobilie damals auf insgesamt 6,5 Millionen Euro.

Leer stehendes Hallenbad Ost: Zukunft weiter unklar

Das war das Aus für das 1929/1930 von dem Kasseler Architekten Fritz Graubmann im Bauhausstil entworfene Bad, dessen Qualität Architekturfans begeistert. Es wurde aus Kostengründen sofort geschlossen, auch weil die Zahl der Besucher dramatisch zurückgegangen war. 1959 kamen noch mehr als 236.000 Badegäste ins Hallenbad, 2006 waren es nur noch 36 764. Bisher sind alle Ideen für eine weitere Nutzung des Baudenkmals - als privat betriebenes Fitnessstudio, als „Erfinderhaus“ und Ausstellungsstandort oder als Büro- sowie Umkleideräume für KVG-Fahrpersonal - gescheitert.

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