Nachbarn und Feuerwehr halfen

Hochwasser: Land unter in Alt-Bettenhausen 

Der Lossebach als reißender Strom: In den vergangenen Tagen gab es an der Buttlarstraße im Stadtteil Bettenhausen wieder einmal Hochwasser-Alarm. Foto: nh

Bettenhausen. Nur durch Nachbarschaftshilfe und Feuerwehr-Unterstützung blieben Anlieger der Buttlarstraße trocken.

„Nach sieben Jahren steht die Losse wieder so hoch, dass die Buttlarstraße ohne die tatkräftige Hilfe von Nachbarn wieder überflutet wäre – und damit unsere Häuser“, sagt Alfons Fleer. Nur die Sandsack-Barrieren entlang der Losse, die sich beim Starkregen der vergangenen Tage wieder in einem reißenden Strom verwandelte, hätten Schlimmeres verhindert.

Fleer wohnt in Alt-Bettenhausen im Haus Buttlarstraße 16. „Anders als das letzte Mal hat die Feuerwehr dieses Mal tatkräftig mitgeholfen“, berichtet Fleer. Zwar seien deshalb die Häuser diesmal trocken geblieben, aber „meine Geduld ist nach 20 Jahren Planungen ziemlich am Ende“, sagt der frühere Ortsvorsteher Bettenhausens..

Bis heute gebe es an der Losse keinen Hochwasserschutz – „und das 40 Jahre nach Gründung des Losse-Wasserverbandes“, kritisiert Fleer, der für die Grünen im Ortsbeirat Bettenhausen sitzt. Es gebe mehrere Hochwasserabflussmodelle des Regierungspräsidiums (RP) als Aufsichtsbehörde. Und es gebe diverse Planungen seitens der Stadt. „Wir haben aber noch immer keine konkrete Maßnahme der Stadt oder des Wasserverbandes in Bettenhausen.“ Zwischen RP, dem städtischen Eigenbetrieb Kasselwasser, der für den Hochwasserschutz zuständig ist, und dem Losse-Wasserverband würden Zuständigkeit und Verantwortung für den Schutz an der Losse hin und her geschoben.

Schutzwall aus Sand, Folie und Sandsäcken an der Buttlarstraße: Nachbarn und Feuerwehrleute hatten mit angepackt. Foto: nh

Die Probleme sind nach Einschätzung von Fleer teils hausgemacht. Beim Bau des Spielplatzes Buttlarstraße sei ein ursprünglich vorhandener Schutzwall zur Losse abgetragen worden, um einen Zaun errichten zu können. Zudem wurde an der Losse zwischen Autobahnbrücke und Fußballplatz ein Radweg gebaut, der das Ufer um bis zu 30 Zentimeter erhöht habe. Dadurch werde das Abfließen der Wassermassen in die freie Losseaue verhindert.

Weil außerdem Gewerbeflächen in Kaufungen-Papierfabrik und in Hess.-Lichtenau erweitert wurden und mit der neuen Autobahn zusätzliche Flächen versiegelt werden, laufe bei starkem Regen weitaus mehr Oberflächenwasser in die Losse. Beim nächsten heftigen Regen befürchtet Fleer, mit seinen Nachbarn nicht mehr glimpflich davon zu kommen: „Ich erwarte als Anlieger konkrete Maßnahmen.“

Doch die sind noch nicht in Sicht. Man sei dabei, ein Konzept zur Verbesserung der Hochwassersituation an der Losse zu erstellen, sagt Abteilungsleiter Uwe Neuschäfer von Kasselwasser. Dabei müssten Anforderungen des RP sowie des Grundwasser- sowie Naturschutzes und der Stadtplanung berücksichtigt werden. Ob ein Regenrückhaltebecken oder Schutzmauern entlang der Losse in Bettenhausen gebaut werden können, hänge von Gutachterergebnissen ab. Derzeit könne deshalb noch keine Aussage getroffen werden, wann Alt-Bettenhausen vor Hochwasser gesichert werden könne.

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